Der 1. FC Köln hat zum Abschluss die erwartete Niederlage kassiert. Das 1:5 (1:3) bei Meister Bayern München war die höchste Klatsche der Saison 2025/26. Said El Mala glänzte mit einem Wahnsinns-Solo über 60 Meter und muss womöglich doch um seine WM-Chance bangen.
Aus der Allianz Arena berichtet Marc L. Merten
Allen Beteiligten war klar, dass es ein emotionaler Nachmittag in München-Fröttmaning werden würde. Und tatsächlich flossen in der Allianz Arena noch vor Spielbeginn die ersten Tränen. Schiedsrichter Deniz Aytekin leitete die letzte Bundesliga-Partie seiner beachtlichen Karriere, weinte vor Anpfiff im Sky-Interview. Auf den Tribünen wiederum kämpfte der eine oder andere Bayern-Anhänger mit sich, als Publikumsliebling Leon Goretzka verabschiedet wurde. Und der 1. FC Köln? Der war bei der erneuten Meisterfeier des Rekordchampions ein gern gesehener Gast.
Tore und Highlights
10. Minute: Nachdem das Spiel aufgrund der Verabschiedungen etwas verspätet begonnen hatte, dauerte es nicht lange, bis sich die Überlegenheit der Bayern auf der Anzeigetafel widerspiegelte. Die Elf von Vincent Kompany schnürte den FC ein. Harry Kane nahm eine Flanke von Karl am zweiten Pfosten volley, ließ Marvin Schwäbe keine Chance – das 0:1 aus Kölner Sicht.
13. Minute: Auf Kanes 34. Saisontor folgte schnell Nummer 35. Eric Martel legte Musiala zentral vor dem Kölner Sechzehner. Beim anschließenden Freistoß fiel die FC-Mauer komplett auseinander, Kanes flacher Schuss aus 18 Metern landete zum 0:2 im Netz.
18. Minute: Wenig lief beim FC zusammen und so musste eine Einzelaktion her – von Said El Mala, der seine Zukunft kurz vor Anpfiff erneut offengelassen hatte (der GEISSBLOG berichtete). Noch in der eigenen Hälfte eroberte der Shootingstar gegen Musiala den Ball, lief anschließend über 60 Meter der kompletten Bayern-Defensive davon und behielt vor Manuel Neuer die Nerven. Das 1:2, El Malas 13. Saisontreffer. Julian Nagelsmann hat hoffentlich hingeschaut.
22. Minute: Der Beginn einer Aufholjagd? Nein. Der Meister antwortete prompt. Karl spielte den Ball von rechts in den Rückraum, wo Tom Bischof mit links zum 1:3 ins rechte untere Eck traf.
45. Minute: Glück für den FC, dass Musiala am Pfosten scheiterte – und Glück für die Bayern, dass Aytekin bei seinem letzten Auftritt keine Lust auf einen Platzverweis verspürte. Nach einem taktischen Foul des bereits verwarnten Laimer an Kristoffer Lund hätte der Schiedsrichter durchaus Gelb-Rot zeigen können. Der 1:3 zur Pause ging natürlich dennoch in Ordnung – gerade nach der bedenklichen Anfangsviertelstunde des FC.
47. Minute: René Wagner wechselte offensiv, brachte Linton Maina für Joel Schmied – und der Joker hätte beinahe sofort gestochen. Mainas Schlenzer von der Strafraumkante schaute Neuer mit starrem Blick um den Pfosten. Der FC, der aufgrund eines Brandes in Bickendorf auf die Wilde Horde verzichten musste (der GEISSBLOG berichtete), spielte nun aber mutiger mit.
60. Minute: Bayern ließ seine ersten Chancen des zweiten Durchgangs liegen – und brachte plötzlich ein Kölner Eigengewächs. Manuel Neuer ging vom Feld, Jonas Urbig kam. Offenbar verletzungsbedingt.
69. Minute: Sebastian Sebulonsen verpasste den erneuten Anschluss, Tah warf sich in seinen Schuss. Quasi im Gegenzug erhöhte Kane auf 1:4. Goretzka trat im Mittelfeld an und setzte den Engländer in Szene. Kane bekam vom FC überhaupt keinen Druck und schoss aus knapp 25 Metern trocken ins Eck.
79. Minute: Das bittere Ende einer Wahnsinns-Saison? El Mala rutschte weg und knickte mit dem rechten Knöchel um. Der FC-Torjäger und WM-Kandidat musste behandelt werden, konnte nicht weitermachen. Immerhin verließ El Mala das Feld eigenständig – wenn auch humpelnd. Ob es ihn ernsthaft erwischt hat, bleibt abzuwarten.
83. Minute: Goretzka wurde mit Standing Ovations verabschiedet und der für ihn eingewechselte Nicolas Jackson schraubte das Ergebnis mit seiner ersten Aktion auf 1:5. Ein standesgemäßer Sieg für die Rekord-Bayern, die höchste Saisonpleite für den FC.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Sebulonsen, Schmied (46. Maina), Simpson-Pusey, Özkacar, Lund – Kaminski (90+2. Kainz), Martel, Castro-Montes (69. Johannesson) – Bülter (81. Niang), El Mala (81. Thielmann)
Zur Aufstellung: Nach dem blutleeren Auftritt beim 1:3 gegen Heidenheim entschied sich René Wagner für drei Änderungen. Der in der Vorwoche aus dem Kader geworfene Jahmai Simpson-Pusey rückte zurück in die Abwehrreihe, Eric Martel feierte sein Comeback nach Gelbsperre und Alessio Castro-Montes durfte erstmals seit dem 1:1 auf St. Pauli wieder beginnen. Dafür saßen Linton Maina und Isak Johannesson zunächst auf der Bank, Tom Krauß fehlte verletzt.
Fazit
Die Reise zum FC Bayern München wollte der 1. FC Köln unbedingt schon mit dem Klassenerhalt in der Tasche antreten – am Samstagnachmittag zeigte sich, warum. Der Meister war den Geißböcken in jeglicher Hinsicht überlegen, eine Sensation zu keinem Zeitpunkt in Reichweite. Umso erleichterter dürften die Kölner Verantwortlichen gewesen sein, dass der Liga-Verbleib schon in der Vorwoche feststand.
Nun geht es für die Bosse um Thomas Kessler in die große Analyse. Trainer René Wagner hat mit dem FC die Klasse gehalten, ist Kesslers Wunschkandidat für die Zukunft – hatte mit 0,86 Punkten pro Spiel aber einen schwächeren Schnitt als Vorgänger Lukas Kwasniok. Im Kader steht der nächste Umbruch an. El Mala, der in München erneut seine außerordentliche Klasse nachgewiesen hat, muss vor einem Transferpoker womöglich zunächst mal verletzungsbedingt um seine WM-Chance bangen. Der FC hat die Saison 2025/26 mit reichlich Fragezeichen beendet.






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