Rekord-Jubel und ein Wermutstropfen: Die Tops und Flops der FC-Saison

Hinter den Bundesliga-Frauen des 1. FC Köln liegt eine Rekord-Saison. (Foto: Eichinger)
Hinter den Bundesliga-Frauen des 1. FC Köln liegt eine Rekord-Saison. (Foto: Eichinger)

Die Frauen des 1. FC Köln haben ihre Rekord-Saison in der Bundesliga mit einem Sieg abgeschlossen. Zeit, die gesamte Spielzeit noch einmal Revue passieren zu lassen. Das waren die Tops und Flops der FC-Saison.

Es war der umjubelte Schlusspunkt einer historischen Bundesliga-Spielzeit: Mit einem 3:0-Auswärtserfolg beim Schlusslicht Carl Zeiss Jena beendeten die Frauen des 1. FC Köln am vergangenen Sonntag die Saison – und durften nicht nur den erfolgreichen Abschluss, sondern auch einen tollen Vereinsrekord bejubeln.

37 Punkte stehen für Trainerin Britta Carlson und ihre Kölnerinnen nach 26 absolvierten Partien zu Buche, das bedeutet Rang sieben. Nie platzierte sich ein Frauen-Team des FC im Oberhaus besser – und nie holte eines mehr Zähler. Die bisherige Bestmarke stammt aus der Saison 2021/22, als Köln als Achter der Abschlusstabelle am Ende auf 22 Punkte gekommen war.

Was war gut – und was nicht?

Nach dem siegreichen Saison-Abschluss ist nun Zeit für das große Fazit: Was war unter dem Strich gut? Und was womöglich weniger? Wir starten unsere Analyse zunächst mit den Dingen, die den Verantwortlichen, Spielerinnen und auch den Fans ganz sicher positiv in Erinnerung bleiben werden.

Gelassenheit & Ruhe

Es mutet angesichts der guten Abschluss-Platzierung geradezu skurril an. Aber die Kölnerinnen hatten den Saison-Start zunächst ziemlich in den Sand gesetzt. 0:2 gegen Leipzig, 0:1 in Freiburg, 1:2 gegen Wolfsburg – das bedeutete null Punkte und bescherte dem FC nach drei Spieltagen sogar die Rote Laterne. Im Gegensatz zu vielen anderen Klubs wurde bei den Kölner Frauen aber niemand nervös, Trainerin Carlson durfte in Ruhe weiterarbeiten. Und feierte mit dem 2:1 in Essen am vierten Spieltag dann auch den ersehnten Befreiungsschlag.

Wie sehr die Verantwortlichen von Carlson überzeugt sind, zeigt auch die vorzeitige Vertragsverlängerung mit der FC-Trainerin im Januar. Bis 2028 ist die ehemalige Nationalspielerin nun an den FC gebunden. Eine Liaison, die sich langfristig als eine echte Liebesgeschichte entpuppen könnte – wenn es nicht schon längst eine ist.

Klare Spielidee

Es ist Carlsons größter Verdienst in der abgelaufenen Saison: Schon sehr bald nämlich hatte sich in der Bundesliga kaum noch jemand den FC noch als Kontrahenten gewünscht. Carlsons Team nervte die Gegner nicht nur permanent mit intensivem Pressing und Aggressivität, sondern fand selbst auch unter Druck immer wieder spielerische Lösungen. Natürlich ging der Plan nicht immer auf. Aber unabhängig von der Personallage ließen die FC-Spielerinnen auf dem Rasen stets die klare Marschroute ihrer Trainerin erkennen. In der Vorbereitung auf die kommende Spielzeit kann Carlson mit ihrem Team nun am weiteren taktischen Feinschliff arbeiten.

Die Defensive

Nicht nur in Sachen Punkteausbeute haben die FC-Frauen einen Vereinsrekord aufgestellt, sondern auch, was die Gegentreffer anbelangt. Die bisherige Bestmarke aus der Saison 2023/24 (43 Gegentreffer, damals noch in 22 Spielen) wurde auf 37 heruntergeschraubt. Und das, obwohl die vor der Saison als neue Abwehrchefin und Kapitänin geholte Marina Hegering nach einer Schulter-OP zwischenzeitlich monatelang ausfiel.

Noch bemerkenswerter: Satte 14 der 37 Gegentore, und damit mehr als ein Drittel, setzte es in nur drei Partien (1:5 bei den Bayern, 0:3 gegen die Bayern und beim 2:6 in Hoffenheim), in denen der FC defensiv mal nicht auf der Höhe war. Ansonsten kassierten Carlsons Mädels nie mehr als zwei Gegentore in einem Spiel – und stellten am Ende die viertbeste Abwehr der Liga.

Die Torschützin und die Tore-Verhinderin


Irina Fuchs

Die junge Schweizerin war am Deadline Day noch auf den letzten Drücker vom FC Basel nach Köln gekommen und als Nummer vier eingeplant. Weil die als Stammtorhüterin geholte Lisa Schmitz (kam vom VfL Wolfsburg) zu Saisonbeginn aber erst mehrfach patzte und sich dann auch noch verletzte, die Ersatz-Keeperinnen Paula Hoppe und Aurora Mikalsen ihrerseits mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatten, musste Fuchs plötzlich im Alter von 20 Jahren ins kalte Wasser springen – und meisterte die Aufgabe mit Bravour.

18 Bundesliga-Spiele hütete Fuchs in der Folge das Tor. Und auch, wenn sie den Schlussspurt angeschlagen verpasste, ist sie die Kölner Zukunft zwischen den Pfosten: Im März verlängerte der FC den Vertrag mit der jungen Schweizerin vorzeitig bis 2028.

Sandra Maria Jessen

Für Transfers wie den der Isländerin wurden wohl Begrifflichkeiten wie „Volltreffer“ und „voll eingeschlagen“ erfunden. Mit zwölf Toren und drei Assists war die vor der Saison aus ihrer Heimat von Þór/KA gekommene Jessen der absolute Fixpunkt in der Kölner Offensive. Die Isländerin hatte großen Anteil daran, dass mit am Ende 36 erzielten Treffern die bisherige Tore-Bestmarke aus der Spielzeit 2023/24 (damals 25) pulverisiert wurde.

Was die Stürmerin neben ihren Toren so wertvoll für den FC macht: Jessen ist sich auch für die sogenannte „Drecksarbeit“ gegen den Ball nicht zu schade, ackert auch außerhalb des Sechzehners unermüdlich. Und die Fans dürfen sich auch in Zukunft auf weitere Jessen-Auftritte freuen: Im Februar verlängerte die Mutter einer kleinen Tochter ihr Arbeitspapier am Geißbockheim vorzeitig bis 2028.

Carlson hat noch eine große Baustelle

Jede und jeder Verantwortliche beim FC hätte das Saison-Resultat im Vorfeld sicherlich sofort unterschrieben. Doch vor allem zwei Dinge dürften die Kölnerinnen nach Ablauf der Spielzeit noch beschäftigen. Denn Carlson und ihr Team boten durchaus auch Anlass zur Kritik.

Die Chancenverwertung

Wenn sich die Kölnerinnen etwas vorwerfen müssen, dann definitiv die mangelhafte Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Was haben die FC-Spielerinnen im Verlauf der Saison nicht alles verballert! Die Liste ist lang: Da wäre das bittere 0:1 Mitte Dezember gegen Schlusslicht Jena, als die Thüringerinnen ihren ersten Saison-Dreier (einen von überhaupt nur zwei Bundesliga-Siegen) im Franz-Kremer-Stadion bejubelten. Oder das 0:0 gegen Kellerkind Essen an selber Stelle im Februar. Oder die beiden Duelle mit dem späteren Vizemeister Wolfsburg (jeweils 1:2).

Nicht auszudenken, was für den FC bei einer konsequenteren Verwertung der zahlreichen Möglichkeiten tabellarisch noch möglich gewesen wäre. Köln-Trainerin Carlson wird dem Thema Effektivität in der Sommer-Vorbereitung daher ganz besondere Priorität einräumen müssen.

Ärgerliches Pokal-Aus

Es ist am Ende der große Wermutstropfen der Saison: Zum mittlerweile 17. Mal stieg am 14. Mai im Kölner RheinEnergieStadion das Pokal-Finale. Bis heute träumen die FC-Frauen jedoch vergeblich von einer Teilnahme am „Endspiel zu Huss“. Weil sich Carlson und ihr Team auch in dieser Saison aus dem Wettbewerb verabschieden mussten.

Klar: Der Kölner Achtelfinal-Gegner Sand war ein ambitionierter Zweitligist. Und klar: Der Pokal hat manchmal seine eigenen Gesetze. Und dennoch: Ein Bundesligist, der am Saisonende Teams wie den hochgerüsteten Aufsteiger Union Berlin, die finanzstarken Leipzigerinnen oder auch den SC Freiburg in der Tabelle hinter sich gelassen hat, muss den Anspruch haben, sich in diesem Pokal-Duell durchzusetzen. Neben dem FC Bayern und Hoffenheim war der SC Sand übrigens das einzige Team, das es am 16. November schaffte, den Kölnerinnen mehr als zwei Tore einzuschenken. Das dürfte Carlson und ihr Team sicherlich auch heute noch ordentlich wurmen. Der Final-Traum bleibt damit weiter unerfüllt.

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