Der 1. FC Köln hat den Sieg im ersten Härtetest des Sommers verpasst. Zum Abschluss des Trainingslagers in Kitzbühel trennten sich die Geißböcke nach 120 Minuten mit 2:2 (1:0) von Hertha BSC. Die Tore erzielten Ragnar Ache und Marius Bülter.
Aus dem Koasastadion in St. Johann berichten Marc L. Merten und Martin Zenge
René Wagner hatte einen „spannenden Test“ angekündigt. Mit Hertha BSC traf der 1. FC Köln am Freitagmittag auf einen Gegner, der in einer Woche in die Zweitliga-Saison startet. Demzufolge ist die Mannschaft von Stefan Leitl in der Vorbereitung schon zwei Wochen weiter als der FC, hatte beim 120-minütigen Kräftemessen in St. Johann keine harte Trainingslager-Woche in den Knochen. „Sie werden frisch und heiß sein“, so Wagners Warnung. Letztlich stand im Koasastadion ein 2:2 auf der Anzeigetafel.
Tore und Highlights
7. Minute: Nach dem anfänglichen Abtasten in der prallen Mittagssonne bei mehr als 30 Grad war es Marvin Schwäbe, der die Kölner Führung einleitete. Schwäbe spielte ganz kontrolliert einen halbhohen Pass auf Jan Thielmann. Der Rechtsaußen nahm die Kugel an der Mittellinie perfekt an und spielte geistesgegenwärtig in den Lauf von Ragnar Ache. Der FC-Stürmer ließ einen Herthaner aussteigen, zog mit rechts ab und traf aus 20 Metern flach ins lange Eck zum 1:0.
21. Minute: Chancen auf beiden Seiten – und erstmals Szenenapplaus für Said El Mala. Der FC-Star dribbelte sich über seine linke Außenbahn durch und fand im Zentrum Alessio Castro-Montes, der bei seinem Abschluss jedoch entscheidend und nach Meinung der FC-Profis auch nicht gänzlich fair gestört wurde.
28. Minute: Erstmals war Schwäbe richtig gefordert. Der Kölner Keeper verhinderte gegen Schuler den Berliner Ausgleich.
44. Minute: Das hätte das 2:0 sein müssen. Der FC konterte, Ache spielte in den Lauf von El Mala. Der Linksaußen schlug im Strafraum noch einen Haken, fand aus kurzer Distanz aber kein Vorbeikommen an Torhüter Gersbeck. Direkt im Anschluss legte El Mala für David Fürst auf, dessen Abschluss Gersbeck aus dem Winkel fischte.
60. Minute: Der zweite Kölner Treffer lag vor dem Pausenpfiff mehr als in der Luft. Erst zwang El Mala den Berliner Schlussmann mit einem Wunderschuss aus knapp 25 Metern zu einer Glanztat, Gersbeck lenkte den Ball an die Latte. Unmittelbar vor dem Seitenwechsel scheiterte dann Thielmann nach Pass von Youssoupha Niang.
71. Minute: Der FC wechselte komplett durch, hatte aber weiter die Kontrolle. Reigan Heskey hätte bei seinem Testspiel-Debüt beinahe mit einem absoluten Traumtor geglänzt. Im Mittelkreis sah der Engländer, dass Herthas Keeper weit vor dem Kasten stand und probierte es einfach mal. Heskey zielte nur minimal zu hoch, verfehlte die Latte um nicht mal einen Meter.
75. Minute: Kurz darauf standen sämtliche Teile des Hertha-Tors dem 2:0 im Weg. Nach einem Tiefenpass von Linton Maina legte Jonathan Friemel quer und Marius Bülter kam angerauscht. Bülters Abschluss landete an der Unterkante der Latte und sprang raus. Eine Minute später leitete Maina mit einem überragenden Pass die nächste Topchance ein. Niang traf den linken Pfosten, von dem aus der Ball auf der Linie entlang trudelte und auch noch am rechten Pfosten landete.
80. Minute: Aus dem Nichts das 1:1. Thorsteinsson flankte aus dem Halbfeld in den Kölner Sechzehner, wo Jahmai Simpson-Pusey nicht adäquat an Sebastian Grønning dran war. Der FC-Verteidiger sprang nicht mal wirklich hoch, Herthas Stürmer glich aus.
101. Minute: Nach einer starken Parade von Ron-Robert Zieler gegen Grønning war es Maik Akumu, der die erneute Führung auf dem Fuß hatte. Wieder glänzte Maina mit seinem Passspiel, Akumu spielte sein Tempo aus, doch bei seinem Abschluss fehlte die Überzeugung. Womöglich wäre ein Querleger auf den mitgelaufenen Niang die bessere Lösung gewesen.
107. Minute: Jetzt aber! Und natürlich legte Maina das 2:1 auf. Bei einem Eckball des Flügelflitzers lief Marius Bülter perfekt ein, traf wuchtig per Kopf.
120. Minute: Ein Traumtor verhinderte den Kölner Sieg. Nach einem Ballverlust von Sebastian Sebulonsen, durfte Gouram ungestört in Richtung FC-Tor laufen. Und dann ließ der Herthaner eine Fackel aus 22 Metern ab. Unter die Latte, keine Chance für Zieler – der 2:2-Endstand.
Personal
Erste Halbzeit: Schwäbe – Castro-Montes, Schmied, Lochoshvili, Fürst – Krauß, Okon-Engstler (51. Irmiev) – Thielmann, Waldschmidt, El Mala – Ache (51. Niang)
Zweite Halbzeit: Zieler – Sebulonsen, van den Berg, Simpson-Pusey, Friemel – Johannesson, Kristal – Maina, Bülter, Heskey (94. Akumu) – Niang (112. Yacobi)
Zur Aufstellung: Der erst am Mittwoch nach einem Infekt ins Training eingestiegene Gideon Mensah war für René Wagner noch keine Option, auch Julian Pauli (nach muskulären Problemen) wurde geschont. Zudem musste Elias Bakatukanda krankheitsbedingt vorzeitig abreisen. Gegen den Ball begann der FC mit einem 4-3-1-2-System, mit dem Ball spielte die Wagner-Elf ein 4-2-3-1.
Fazit
Gerade in Anbetracht der Umstände – der FC hat eine intensive Trainingslager-Woche in den Beinen, Hertha steht unmittelbar vor dem Saisonstart – war es ein gelungener erster Härtetest für die Geißböcke. Über weite Strecken konnten die Kölner umsetzen, was Wagner fordert. Mit geradlinigem Spiel nach vorne kam der FC immer wieder zu Chancen, hätte zum Zeitpunkt des Berliner Ausgleichs schon 4:0 führen können. Dass das 2:1 nach einem Eckball fiel, wird das Trainerteam nach der Standardschwäche der vergangenen Saison zusätzlich freuen. Da Ergebnisse in der Vorbereitung nebensächlich sind, dürfte das späte 2:2 für Wagner nur eine Randnotiz sein – der Trainer und seine Mannschaft können zufrieden aus Kitzbühel abreisen.








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