Er ist der dritte Georgier in der Historie des 1. FC Köln – der erste, der nicht den Namen Arveladze trägt. Luka Lochoshvili, gekommen vom 1. FC Nürnberg, soll die Abwehr der Geißböcke als Soforthilfe verstärken. Der GEISSBLOG stellt den ersten Neuzugang des Sommers vor.
Acht Stationen in sechs Ländern
Für Luka Lochoshvili ist der 1. FC Köln bereits die achte Station im sechsten Land. Seine Karriere begann einst im Nachwuchs des georgischen Rekordmeisters Dinamo Tiflis. Über die Zwischenstation Dynamo Kiew in der Ukraine landete der Innenverteidiger beim MSK Zilina in der Slowakei.
Beim Wolfsberger AC spielte Lochoshvili anschließend in der österreichischen Bundesliga und achtmal in der Europa League – unter anderem gegen Tottenham. 2022 folgte der Wechsel in die Serie A, zu US Cremonese. Der Georgier war beim Club aus der Lombardei Stammkraft, konnte den Abstieg jedoch nicht verhindern. Nach zwei Saisons in der Serie B, eine auf Leihbasis bei Salernitana, schlug Nürnberg für eine Million Euro zu.
Marktwert-Explosion
Bei seinem Wechsel zu den Franken im vergangenen Jahr wurde Lochoshvilis Marktwert noch auf 500.000 Euro geschätzt. Mit einer überzeugenden Saison in der 2. Bundesliga schraubte er sein Preisschild erheblich nach oben. Mehrere Erstligisten aus dem In- und Ausland kämpften zuletzt um seine Dienste, der 1. FC Köln erhielt für vier bis fünf Millionen Euro den Zuschlag.
An der Top-10 der teuersten Kölner Zugänge schrammt Lochoshvili damit knapp vorbei. Aus der 2. Bundesliga ist der 28-Jährige der zweitteuerste Einkauf, den der FC bislang getätigt hat – überboten lediglich von seinem künftigen Mitspieler Isak Johannesson, für den die Geißböcke im vergangenen Sommer 5,5 Millionen Euro an Fortuna Düsseldorf überwiesen hatten.
Erinnerungen an Chabot
Zwei Jahre nach Jeff Chabots Wechsel zum VfB Stuttgart hat der FC einen neuen „Türsteher“, so damals Chabots Spitzname, in seinen Reihen. Nicht nur von seiner Statur her erinnert der 1,92 Meter große Innenverteidiger an den früheren Kölner Leistungsträger, auch Lochoshvilis Stärken und Schwächen ähneln jenen von Chabot.
Sein Spielstil: körperbetont, kompromisslos – eine typische Abwehrkante. Lochoshvili sucht die Zweikämpfe und entscheidet sie auch für sich. Er gewann in der vergangenen Zweitliga-Saison herausragende 77 Prozent seiner defensiven Duelle, ging aus insgesamt 416 Zweikämpfen siegreich hervor (Platz fünf im Liga-Vergleich).
Gegen ihn würde ich als Stürmer nicht spielen wollen.
Miroslav Klose
Weltmeister Miroslav Klose, sein Trainer in Nürnberg, sagte über ihn: „Gegen Luka würde ich als Stürmer nicht spielen wollen. Er hat in der Luft und am Boden so ein gutes Timing. Er bekommt im richtigen Moment seinen Körper oder seine Hand rein.“
Neben Zweikampfstärke bringt Lochoshvili auch Tempo (34,4 km/h) und Spielverständnis mit – die Fähigkeit zu antizipieren. Natürlich muss er all das noch auf Bundesliga-Niveau nachweisen, doch Chabot war zum Zeitpunkt seines Wechsels nach Köln ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt im deutschen Oberhaus.
Als ausbaufähig galt damals sein Spiel mit dem Ball – ähnlich ist es bei Lochoshvili heute. Kurze Pässe in der eigenen Hälfte bereiten dem Linksfuß keine Probleme, ein kreativer Spielaufbau ist von ihm allerdings nicht zu erwarten. Diese Rolle soll beim FC eher einem Jahmai Simpson-Pusey zukommen.
Leader und Kopfballungeheuer
Zwei Eigenschaften waren den FC-Verantwortlichen bei der Suche nach einem weiteren Innenverteidiger besonders wichtig. Einerseits sollte ein Leader kommen. Es wurde nach einem erfahrenen Nebenmann für die talentierten Simpson-Pusey, Rav van den Berg und Julian Pauli gefahndet. Lochoshvili hatte diese Rolle schon in Nürnberg inne, Miroslav Klose setzte Woche für Woche auf eine im Schnitt 23 bis 24 Jahre alte Startelf – da zählte der Georgier zu den Routiniers.
Darüber hinaus soll der neue Abwehrmann auch eine Waffe vor dem gegnerischen Tor sein. Während sich die Innenverteidiger der Konkurrenz vergangene Saison immer wieder in die Torschützenliste eintragen konnten – beispielsweise Hamburgs Luka Vuskovic (6), Unions Danilho Doekhi (5), Gladbachs Kevin Diks (5) oder Wolfsburgs Konstantinis Koulierakis (4) – gingen die FC-Verteidiger komplett leer aus. Keinerlei Gefahr bei Standards.
Das soll sich mit Lochoshvili ändern. Mit fünf Treffern gehörte er zu den torgefährlichsten Verteidigern der 2. Liga. Alle fünf Tore erzielte der Abwehrhüne nach Standardsituationen, drei davon per Kopf. Ohnehin gewann Lochoshvili ligaweit die fünftmeisten Luftduelle.
Lebensretter mit FIFA-Preis
Ein spezieller Tag in seiner Karriere war der 27. Februar 2022. In der österreichischen Bundesliga traf Lochoshvili mit Wolfsberg auf Austria Wien – und rettete seinem Gegenspieler Georg Teigl mutmaßlich das Leben. Teigl war unglücklich mit dem Knie am Kopf erwischt worden, ging bewusstlos zu Boden. Lochoshvili zog ihm geistesgegenwärtig die Zunge aus dem Hals, sodass Teigl, der sich Schädel, Jochbein und Kiefer gebrochen hatte, das Spielfeld aus eigener Kraft verlassen konnte.

Im Nachgang erhielt der Neu-Kölner das Ehrenkreuz für Lebensrettung des Landes Kärnten sowie den FIFA-Fairplay-Preis. „Das ist natürlich eine Riesenauszeichnung für mich. Ich freue mich sehr darüber, aber noch mehr froh bin ich darüber, dass wir das Leben eines Spielers retten konnten“, so seine Dankesworte.
Ronaldo-Bezwinger
2020 wurde Lochoshvili als bester Nachwuchsspieler Georgiens ausgezeichnet, 2021 feierte er unter Ex-Bayern-Star Willy Sagnol sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Sein bisheriges Karriere-Highlight war die Teilnahme an der EM 2024 in Deutschland. Nach einer Auftakt-Niederlage gegen die Türkei (1:3) und einem 1:1 gegen Tschechien bezwang Georgien im letzten Gruppenspiel sensationell die Portugiesen um Cristiano Ronaldo. Lochoshvili holte den Elfmeter zum 2:0-Endstand heraus.
Georgien gelang der Sprung ins Achtelfinale, wo gegen Spanien Schluss war – ausgerechnet in seinem künftigem Wohnzimmer, dem RheinEnergieStadion. Der krasse Außenseiter ging zwar mit 1:0 in Führung, verlor aber deutlich mit 1:4. Lochoshvili lief während der EM durchweg als Linksverteidiger auf. Beim FC ist er hier zwar nicht als Alternative eingeplant, könnte im Notfall aber aushelfen.
Bislang hat der 28-Jährige 32 Länderspiele bestritten, zuletzt beim 2:0-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Bahrain im Juni sein viertes Tor für Georgien erzielt. In der Nationalmannschaft spielt er regelmäßig Seite an Seite mit einem absoluten Superstar – PSG-Stürmer Khvicha Kvaratskhelia, dessen Marktwert auf 140 Millionen Euro geschätzt wird. Die beiden lernten sich schon in den Jugendauswahlmannschaften kennen.
Privater Neuzugang im Anmarsch
Abseits des Rasens gilt Lochoshvili als ruhiger Zeitgenosse, greift gerne mal zu einem Buch, wie er in seinem Vorstellungsvideo beim FC verrät. Gemeinsam mit ihm nach Köln kommt seine Frau Salome – und ein ganz persönlicher Neuzugang. Die beiden erwarten ihr erstes Kind, zählen schon die Tage bis zur Geburt ihres Sohnes.
Mit Chabots Nummer
Wer sich das neue Adidas-Heimtrikot mit Lochoshvilis Namen sichern will, erhält die Rückennummer 24, die der Georgier bereits in Nürnberg trug. Gewiss kein Zufall. Lochoshvilis Instagram-Profilbild zeigt Kobe Bryant, den Rücken der verstorbenen NBA-Legende zierte einst ebenfalls die 24. Beim FC gehörte die Nummer zuletzt Julian Pauli und davor – na klar – Jeff Chabot.






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