Der 1. FC Köln sieht nach einem abgeschmetterten Angebot keine Grundlage für weitere Verhandlungen, doch Said El Mala ist weiterhin der Wunschspieler von Borussia Dortmund. Der BVB lockt mit einem XXL-Vertrag – jetzt schaltet sich sogar Lothar Matthäus in den Poker ein.
Aus dem Trainingslager in Kitzbühel berichten Marc L. Merten und Martin Zenge
Es ist genau ein Jahr her, da sorgte ein Bundesliga-Neuling im Trainingslager des 1. FC Köln für bewunderndes Raunen von den Rängen. Die spektakulären Aktionen des aus der 3. Liga verpflichteten Said El Mala waren die Hauptattraktion in der Steiermark. Mühelos ließ sich für jeden Fan erkennen, was für ein Glücksgriff den Geißböcken gelungen war.
Nun, in Kitzbühel, steht El Mala nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Spielweise unter besonderer Beobachtung. Beinahe täglich wird vermeldet, dass der 19-Jährige einen großen Wechselwunsch hegt, dass er den FC in diesem Sommer unbedingt verlassen will. El Mala wäre nicht der erste Spieler, dem man einen solchen Wunsch ansehen würde. Doch man kann noch so genau hinschauen: Ein Anzeichen ist nicht zu erkennen, weder auf noch neben dem Platz.
Trainingstor zeigt El Malas Einsatz
El Mala scheut keinen Fan-Smalltalk und kein Selfie, schon gar keinen Zweikampf im Training. Bezeichnend war eine Szene im hitzigen Elf-gegen-Elf am Montagvormittag. Nachdem Sebastian Sebulonsen und Luka Lochoshvili (natürlich per Kopf nach einem Eckball) für das gegnerische Team getroffen hatten, erzwang El Mala den Anschluss. Der Youngster ging bei einem Abstauber mit vollem Risiko zum Ball, rasselte mit seinem Gegenspieler zusammen und blieb sogar kurz liegen.
Sieht so jemand aus, der gedanklich schon bei Borussia Dortmund ist? Das darf bezweifelt werden. El Malas Umgang mit dem Transferpoker ist einer der Gründe, der die FC-Verantwortlichen in der wichtigsten Personalie des Sommers entspannt bleiben lässt. Ja, der Flügelstürmer würde sich nicht gegen einen Wechsel zu einem deutschen Champions-League-Teilnehmer wehren – doch er bleibt absolut professionell und strahlt keinen Funken Missmut aus.
El Mala will nach Dortmund. Das sagt er vielleicht nicht ganz laut.
Lothar Matthäus
Zwei weitere Gründe der Kölner Gelassenheit sind schwarz auf weiß festgehalten. Da ist einerseits El Malas laufender Vertrag bis 2030 ohne Ausstiegsklausel und andererseits das bekannte Angebot von Brentford, das von der Spielerseite zwar ausgeschlagen wurde, aber beweist: Die 50 Millionen Euro, die der FC verlangt, sind absolut keine Fantasiesumme – anders als der BVB aktuell darstellen mag.
Anders als es Lothar Matthäus meint, der in seiner Sky-Kolumne schreibt: „Ich glaube schon, dass eine Ablöse im Bereich um die 40 Millionen Euro zumindest für Gespräche sorgen sollte.“ Schließlich seien 50 Millionen Euro „sehr viel Geld, das sind quasi zwei Adeyemis“. Für den Rekord-Nationalspieler ist klar: „El Mala will nach Dortmund. Das sagt er vielleicht nicht ganz laut. Aber natürlich ist es interessanter, in der Champions League und um die oberen CL-Plätze zu spielen als mit Köln das hintere Drittel zu vermeiden.“
Gerade „um sich bei Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp zu bewerben, sind vor allem auch internationale Spiele wichtig“, ergänzt Matthäus. Wobei die Aussicht auf das Debüt für A-Nationalmannschaft, das El Mala auch als FC-Profi winkt, die Preisvorstellungen der Kölner gewiss nicht sinken lässt.
Bonus für Ballon d’Or
Spekuliert wird derzeit über ein Dortmunder Angebot mit 34 Millionen Euro fixer Ablöse sowie zehn Millionen Euro an möglichen Bonuszahlungen. Damit diese Boni vollständig an den FC fließen, müsste El Mala laut Sky nicht nur Torschützenkönig der Bundesliga, sondern auch für den Ballon d’Or nominiert werden. Genau diese wilde Angebotsstruktur war es, die die FC-Verantwortlichen irritiert auf die BVB-Offerte blicken ließen.
Laut Sky sollen die Kölner inzwischen sogar zwei Dortmunder Angebote abgelehnt haben – wobei vom FC bislang keine Bestätigung für ein zweites Angebot zu vernehmen ist. Der BVB bleibt diversen Berichten zufolge zuversichtlich, El Mala verpflichten zu können. Locken soll der Vizemeister unter anderem mit einem Handgeld sowie einem Fünfjahresvertrag bis 2031, der dem Shootingstar ein Vielfaches seines aktuellen FC-Gehalts sichern würde.

Fest steht jedoch: Die Kölner Bosse sehen keinen Grund, von ihren Forderungen abzuweichen, und versichern trotz des Dortmunder Interesses nach wie vor, dass sie die kommende Saison mit El Mala planen. Ein weiterer Vorstoß aus der Bundesliga ist offenbar nicht zu erwarten. RB Leipzig, zuletzt der zweite potenzielle Interessent, soll laut Sky trotz des bevorstehenden Wechsels von Yan Diomande zu Real Madrid einen Transfer im Bereich der 50 Millionen Euro ausschließen.
Paris Saint-Germain, das im Buhlen im Diomande leer ausging, und sich laut dem Portal ParisTeam nun mit El Mala beschäftigt, hätte das Geld. Kölns Plan A ist allerdings nicht, den Torjäger zu verkaufen und auf Einkaufstour zu gehen, sondern El Mala mit den aktuellen Mitteln eine schlagkräftige Truppe zur Seite zu stellen. So sauer man wegen des Witz-Angebots auf den BVB war, so froh ist man über El Malas Umgang mit der Situation.







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