Bender-Rummler im Interview: „Den Abstand auf die Top-Teams verringern“

Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball Nicole Bender-Rummler im Interview in Lautenbach. (Foto: 1. FC Köln)
Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball Nicole Bender-Rummler im Interview in Lautenbach. (Foto: 1. FC Köln)

Die Frauen des 1. FC Köln spielten in der vergangenen Saison die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte – kein Zufall, sagt Nicole Bender-Rummler im GEISSBLOG-Interview. Sie spricht über die rasante Professionalisierung des FC-Frauenfußballs und das Erfolgsrezept.

Das Interview im Trainingslager in Lautenbach führte Marie Reiners

GEISSBLOG: Nicole Bender-Rummler, Sie wurden vor wenigen Monaten zur Direktorin Frauen- und Mädchenfußball befördert, haben Prokura bekommen und Ihren Vertrag bis 2028 verlängert. Was hat sich für Sie in Ihrer Rolle seitdem konkret geändert?

NICOLE BENDER-RUMMLER: „Zunächst möchte ich noch sagen, dass mich das Vertrauen des Clubs freut. Der Titel beschreibt, glaube ich, besser meinen Aufgabenbereich und die Prokura ist beispielsweise wichtig, wenn es darum geht, Verträge mit den Spielerinnen zu unterschreiben. Parallel wollen wir mit allen Bundesligaclubs gemeinsam den Frauen-Fußball in Deutschland auf ein neues Niveau heben und dabei vertrete ich die Interessen des 1. FC Köln im neu gegründeten Verband, der Frauen-Bundesliga FBL e.V..“

Wie läuft der Austausch mit Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler seither im Arbeitsalltag ab?

„Wir sehen uns fast jeden Tag, haben regelmäßige Termine. Thomas Kessler ist in jedem wichtigen Thema involviert und wird von mir auf dem neuesten Stand gehalten. Mir macht es seit Tag eins an sehr viel Spaß mit Thomas zu arbeiten, weil er mir viel Vertrauen schenkt. Der Männer- und der Frauen-Fußball und die Akademien arbeiten beim FC sehr eng zusammen.“

Sie waren selbst Spielerin, dann sportliche Leiterin, zwischenzeitlich sogar Interimstrainerin. Welche dieser Rollen hat Sie am meisten geprägt?

„Alle Funktionen zusammen helfen mir aktuell, weil ich viele Perspektiven eingenommen habe und mich gut in Mitarbeiter hineinversetzen kann. Die größte Herausforderung war ganz klar die Zeit als Interims-Cheftrainerin – eine Doppelfunktion in einer Zeit, in der es aufgrund der sportlich schwierigen Situation quasi lichterloh gebrannt hat. Das hat mich damals an gewisse Grenzen gebracht. Eine Situation, durch die ich viel gelernt habe, in die ich aber nie wieder kommen möchte.“

Der Weg raus aus der Krise

Was war für Sie der emotionalste Moment in Ihrer 17-jährigen FC-Zeit?

„Beim FC ist vieles emotional, gerade, wenn du mehrere Jahre gegen den Abstieg spielst und am letzten Spieltag die Kurve kriegst. Aber das Emotionalste waren wahrscheinlich diese neun Wochen als Interims-Cheftrainerin. Die Mitarbeiter, die heute noch an meiner Seite sind, sind seit dieser Zeit eng zusammengewachsen, wir sind dadurch stärker geworden.“

Der FC-Frauenfußball hat einige enttäuschende Jahre hinter sich, vor der Rekordsaison 25/26. Wurde konkret etwas verändert – bei der Trainerwahl, im Kader, in der Hierarchie?

„Ja, wir haben uns breiter aufgestellt. Im Trainerwesen, im Scouting und in der Kaderplanung mit Philipp Backes an meiner Seite, der mir sehr viel Arbeit abnimmt. Auch im Teammanagement haben wir aufgestockt, wir haben jetzt einen hauptamtlichen Teambetreuer. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich seit damals massiv erhöht, aber das brauchen wir, weil wir die Spielerinnen individuell betreuen wollen: sportlich, medizinisch und in der Betreuung außersportlicher Themen. Da sind wir mittlerweile professionell aufgestellt.“

Scouting auf internationalem Niveau

Seit April 2025 ist Philipp Backes von Fortuna Düsseldorf (Männer) als Scout und Kaderplaner an Bord. Wie genau hat sich die Abteilung dadurch verändert?

„Das ermöglicht uns professioneller zu arbeiten – der Markt ist viel größer geworden, man sichtet nicht nur national, sondern ist auch international unterwegs. Philipp hat sich super eingearbeitet, gerade was sein Netzwerk im Frauenfußball angeht. Gemeinsam mit Britta Carlson ist Philipp der wichtigste Ansprechpartner an meiner Seite, wenn es um die Kaderplanung geht – das Herzstück. Wir hatten schon im Laufe der vergangenen Saison den Klassenerhalt sicher, dadurch konnten wir frühzeitig in die Planung gehen. Wir werden uns im Bereich Scouting in den nächsten Monaten noch breiter aufstellen.“

„… Sollte sich noch die Möglichkeit für einen Top-Transfer ergeben, würden wir das tun. Wir haben aber noch viel Zeit.“

Nicole Bender-Rummler

Wie groß ist der Unterschied zum Männerfußball, was die verfügbaren Daten angeht?

„Noch lange nicht vergleichbar. Es fehlen viele Länder: aktuell gibt es überwiegend nur in den europäischen Ländern Video- oder Datenmaterial und selbst da nicht überall. Da ist noch großes Potenzial, aber die nächsten Jahre wird sich das genauso rasant weiterentwickeln wie die letzten zwei, drei Jahre.“

Gibt es Synergien mit dem Scouting der Männer-Abteilung?

„Wir arbeiten schon eng zusammen, allein schon von den Räumlichkeiten her. Philipp Backes sitzt mit den Scouts der Lizenzabteilung und Akademie in einem Großraumbüro, der Austausch ist Alltag. Bei der Software nutzen wir alles, was auch die Männer nutzen. Das läuft einheitlich im Club.“ 

Erfolgsfaktor Britta Carlson

Ist die Kaderplanung für die neue Saison bereits abgeschlossen?

„Wir sind sehr weit, eigentlich ist die Kaderplanung abgeschlossen. Aber sollte sich noch die Möglichkeit für einen Top-Transfer ergeben, würden wir das tun. Wir haben noch viel Zeit.“

Ein Erfolgsfaktor ist sicherlich auch Trainerin Britta Carlson. Was macht sie aus?

„Britta Carlson ist sehr ambitioniert. Sie arbeitet sehr empathisch mit den Spielerinnen, nimmt sie aber auch in die Pflicht. Ein guter Mix, auch weil sie selbst ehemalige Spielerin war. Sie hat zudem ein starkes Trainerteam hinter sich, das ist nie nur eine Person. Wir arbeiten alle sehr vertrauensvoll zusammen, das ist das Wichtigste für den Erfolg.“

Zuschauerrekorde und eine neue Zielgruppe

Nicht nur der Erfolg wächst, sondern auch das Interesse am Team. Beispielhaft dafür stehen die Spiele im RheinEnergieStadion Das erste Highlightspiel mit über 38.000 Zuschauern – war das ein besonderer Moment für Sie persönlich?

„Ja. Da steckte viel Arbeit drin, zusammen mit den Kollegen aus der Geschäftsstelle. Ich hatte mich sehr auf das Spiel gefreut, aber nicht geplant, dass ich selbst als Interimstrainerin an der Linie stehen würde – über 38.000 Zuschauer beim damals größten Frauenfußballspiel auf nationaler Ebene. Diesen Moment konnte ich nicht so genießen, wie ich es in meiner Managementfunktion getan hätte. Man nimmt als Trainerin an so einem Tag das Drumherum gar nicht wahr, man ist nur für die Mannschaft da. Ich bin abends direkt nach Hause gefahren und habe mir das Spiel im Fernsehen nochmal angeguckt.“

Seither waren bei den Highlightspielen immer mindestens 30.000 Zuschauer im Stadion. Wie erklären Sie sich diese rasante Entwicklung?

„Es ist nicht so, dass man in die Hände klatscht und die Leute kommen von allein – da steckt viel Arbeit dahinter. Ein gutes Team – auf dem Platz, aber auch daneben. Es ist jedes Mal etwas ganz Besonderes für die Spielerinnen. Das zeigt auch, was in unserer Stadt mit den fußballbegeisterten Menschen möglich ist. Es waren immer viele Familien im Stadion, wir haben dadurch eine neue Zielgruppe für den FC entwickelt. Das wärmt das Herz, wenn so viele Kids im Stadion glücklich zu sehen sind. Bei den Männern ist jedes Heimspiel ausverkauft, da ist es fast unmöglich, mal fünf Plätze nebeneinander zu bekommen.“

Was grenzt den Standort Köln dabei von anderen Bundesliga-Clubs ab?

„Die Stadt macht es aus. Jeder kommt gerne nach Köln, der FC ist auch national ein sehr beliebter Club mit einem guten Image. Nicht ohne Grund ist das DFB-Pokalfinale in unserer Stadt. Als wir das erste Highlightspiel hatten, sind viele Clubs und der DFB auf uns zugekommen und haben gefragt, wie wir das gemacht haben. Wir sind mutig, Dinge auszuprobieren – es gibt da kein richtig oder falsch, wir probieren einfach aus, zum Beispiel mit der Pänz-Party vor dem Spiel für Kinder und Familien, die super ankommt.“

Was bedeutet Ihnen diese Entwicklung persönlich, wenn Sie an Ihre eigene Zeit als Spielerin zurückdenken?

„Ich bin sehr stolz, wie sich der Frauenfußball beim FC entwickelt hat. Ich bin jetzt 17 Jahre dabei. Beim ersten Highlightspiel haben wir die Hall of Fame ins Leben gerufen – alle Spielerinnen mit über 100 Bundesligaspielen. Wenn ich mit den Spielerinnen von damals spreche, freuen die sich, dass sie dabei sind, weil sie das Fundament mit uns gelegt haben. Wir sind nicht traurig, dass wir diese Zeit jetzt nicht mehr haben, sondern stolz, dass wir das mit aufgebaut haben, in einem Bereich, der damals noch lange nicht so professionell war.“

Nachwuchs mit Aufstiegsschwung

Die U20 ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Was bedeutet das für die Durchlässigkeit zur ersten Mannschaft?

„Das ist kein Zufall. Vor drei Jahren haben wir Verena Hagedorn geholt, letztes Jahr ist Theresa Merk dazugekommen und wir haben über Jahre in die Akademie investiert. Dass wir uns mit der letztjährigen U21 gegen den BVB und dann in der Relegation gegen Holstein Kiel durchgesetzt haben, hätte vor der Saison niemand geglaubt. Für die Entwicklung der Talente, die Bundesliga spielen wollen, ist es der beste Zwischenschritt, wenn sie zuvor in der 2. Bundesliga spielen und so an das Bundesliganiveau herangeführt werden.“

Nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte mit Platz sieben: Wie lautet die Zielsetzung für die neue Spielzeit?

„Genaue Definitionen besprechen wir kurz vor Saisonstart, aber ich kann schon sagen: Wir wollen an die Topclubs der Liga enger heranrücken. Dafür haben wir viel in den Kader und in Mitarbeiter investiert – wirtschaftlich und sportlich wollen wir den nächsten Schritt machen.“ 


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