Der 1. FC Köln profitiert von seiner Rolle als Schaufenster und Ausbilder für Premier-League-Talente. FC-Vizepräsident Jörg Alvermann rät der Bundesliga im neuen GEISSTALK vom Angriff auf England ab.
Während in der Abwehr Jahmai Simpson-Pusey seit seinem Wechsel von Manchester City zum 1. FC Köln gesetzt ist, hoffen die Geißböcke in der Offensive, dass Tottenham-Leihgabe Mikey Moore die Mannschaft auf ein neues Level hievt. Reigan Heskey dürfte mehr Zeit bekommen, schließlich hat man den Offensivspieler fest verpflichtet, wenn auch mit Rückkaufoption für die Citizens. Fakt ist: Die englischen Youngsters sollen helfen, den FC in der Bundesliga zu etablieren.
Spätestens mit der Verpflichtung von Kaderplaner Tim Steidten war klar, dass sich der FC in Zukunft immer mehr an genau diesem schier unerschöpflichen Fundus an gut ausgebildeten Talenten bedienen möchte. Daran wird allerdings auch deutlich, wie weit sich die Fußball-Welten auf der Insel und in der Bundesliga inzwischen voneinander entfernt haben.
1,6 Milliarden Minus: Premier League enteilt der Bundesliga
Bei seinem Besuch im GEISSTALK in der Schamong-Rösterei in Ehrenfeld streckte FC-Vizepräsident Jörn Alvermann im Namen der Bundesliga quasi die Waffen gegenüber der Premier League und akzeptierte die Rolle als „Ausbilder“ und Schaufenster für Spieler wie Moore, Heskey & Co. – weil die Bundesliga anderweitig punkten kann.
Die Clubs der englischen Top-Liga machten im Sommer ein Transferminus von 1,6 Milliarden Euro, während die Bundesliga ein Transferplus erzielen konnte. „Was wir in Deutschland erkennen müssen: Es gibt nichts anzugreifen bei der Premier League. Die astronomischen Fernsehgelder sind das Eine, wo der Tabellenletzte in England mehr bekommt als hier Bayern München. Das Zweite sind die Investorengelder, die quasi für unbegrenzte Mittel sorgen“, so Alvermann.
Der Fachanwalt für Sportrecht plädierte deshalb für einen alternativen Weg: „Wir müssen sagen: Wir machen es anders. Das ist die Chance für den deutschen Fußball. Wir haben eine ganz andere Fußballkultur. Wenn wir dann sagen: Wir machen es genauso wie die Engländer, dann ist das der Dolchstoß für den Fußball, wie wir ihn kennen. Wir bieten ein anderes Produkt. Die Premier League ist uns in ihren Möglichkeiten voraus und das wird man auch in den europäischen Wettbewerben sehen. Haken dran.“
Bundesliga macht es anders: „Finde ich gut so“
Trotzdem wirbt Alvermann für das Modell Bundesliga. „Wir können sagen: Ihr bekommt hier gewachsene Clubstrukturen, lebendige Fanszenen, ein ganz anderes Fußballerlebnis. Wir können sagen: Euer Fußballclub bleibt unabhängig. Ich habe kein Problem damit, zu sagen: In England hat halt ein Scheich das Geld gegeben. Oder man macht es wie in den USA, wo der ganze Sport ein reines Business ist. Aber das ist in Deutschland nicht die Kultur. Und ich finde das gut so.“
Stattdessen freut er sich über das, was er hier beim 1. FC Köln anbieten kann. „Wenn man sieht, wie viele Fans aus England rüberkommen, um zu bezahlbaren Ticketpreisen diese Bundesliga-Atmosphäre zu erleben, dann glaube ich, dass wir mit diesem Weg richtig fahren.“ Auch wenn der Preis dafür ist, das Schaufenster der Premier League zu sein.







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