Wenn der 1. FC Köln eine erfolgreiche Saison spielen will, braucht es Führung auf dem Platz. Linton Mainas Worte nach dem 1:1 gegen Werder Bremen waren eindringlich. René Wagner setzt vor allem auf Rückkehrer Ellyes Skhiri.
Nach der starken ersten halben Stunde riss es beim 1. FC Köln gegen Werder Bremen ab. Erst zog man sich zurück, dann brach die Struktur zusammen, schließlich bettelte die Mannschaft von René Wagner fast um den Ausgleich. Händerringend wurden auf dem Rasen Anführer gesucht, die das Heft gegen Werder Bremen wieder in die Hand nehmen.
Anschließend fand Linton Maina deutliche Worte: „Die Sachen, die nicht so gut waren, waren kommunikativ – dass keiner so richtig wusste, was zu tun ist.“ Jeder sei „so ein bisschen mit sich selbst beschäftigt“ gewesen (der GEISSBLOG berichtete).
Wagner hofft auf Ellyes Skhiri
Während der als potenzieller Leader aus Nürnberg verpflichtete Luka Lochoshvili erst einmal in der Bundesliga ankommen muss, wussten die als Führungskräfte im Zentrum vorgesehenen Ellyes Skhiri und Tom Krauß irgendwann nicht mehr, welche Löcher sie noch stopfen sollten, denn die Bremer umgingen die Doppelsechs geschickt mit einer Überladung der Außenbahnen.
Für René Wagner sind das Abstimmungsprobleme, die dem Umbruch geschuldet sind. Fünf Neuzugänge standen gegen Bremen in der Startelf. „Wir hatten Spieler auf dem Feld, die hier im Stadion noch nie auf dem Platz standen. Wir sind am dritten Spieltag. Wir wollen diese Phasen vermeiden, aber sie gehören zu unserer Entwicklung dazu“, forderte der FC-Trainer Geduld für sich und seine Youngsters.
„Wir haben junge Spieler auf dem Feld, die in diesen Momenten noch lernen müssen. Unsere Aufgabe als Trainerteam ist, das zu analysieren und vor der Mannschaft zu thematisieren. Dann gehen wir ins nächste Spiel und wollen genau diese Momente vermeiden“, so Wagner weiter.
Wir wollen Jungs, die auf dem Platz stehen sollen, das Selbstvertrauen geben, dass sie führen können, führen dürfen und auch führen sollen.
René Wagner
Auf dem Platz erwartet der Trainer vor allem von Routiniers wie Skhiri schon bald mehr. „Es war Ellyes’ erster Startelf-Einsatz. Von ihm versprechen wir uns in der Zukunft natürlich, dass er in genau diesen Phasen Führung übernimmt. Flaco ist für uns ein wichtiger Spieler.“
Ein Spieler, der den FC stabilisieren soll. „Für uns ist es wichtig, dass wir Struktur bekommen, dass wir in Phasen, wo das Spiel nicht für uns läuft, genau diese Spieler auf dem Feld haben.“ Die Zeit soll helfen. „Wir haben in der Konstellation noch nicht gespielt, dann ist es in Phasen schwieriger, den Halt wieder zurückzubekommen. Daran arbeiten wir jeden Tag, dass wir versuchen, die Truppe zusammenzuschweißen“, sagte Wagner, der vor intensivem Videostudium steht.
Wagner: „Ellyes wird das in der Zukunft tun“
Sein Versprechen: „Wir ziehen die richtigen Schlüsse aus den Spielen und wollen den Kern der Mannschaft stärken und den Jungs, die auf dem Platz stehen sollen, das Selbstvertrauen geben, dass sie führen können, führen dürfen und auch führen sollen. Ellyes gehört dazu und wird das in der Zukunft tun.“
Auch Torschütze Linton Maina versuchte, seine Nebenleute aufzurichten, als den Kölnern das Spiel aus der Hand glitt. „Bei kleinen Pausen habe ich probiert, die Jungs zu pushen. Es ist schwer, in so einem lauten Stadion jeden ranzuholen.“ Umso wichtiger ist es, dass der FC mehrere Leader auf dem Feld hat. Maina: „Ich will nicht sagen, dass wir uns auch mal anschreien müssen, aber es darf nicht so dahinplätschern, dass wir gefühlt warten, bis ein Tor fällt.“
Krauß und Skhiri auf verlorenem Posten
Skhiri und Nebenmann Tom Krauß hatten in der Zentrale alle Hände voll zu tun. Irgendwann brach es aus Krauß heraus und er brüllte ein paar Nebenleute an: „Ich bin ein emotionaler Spieler, ich will Fußballspiele gewinnen. In dem Moment habe ich gemerkt, dass wir die Kontrolle verlieren, dass Bremen ein, zwei Schritte schneller als wir ist. Ich wollte die Mannschaft ein bisschen wachrütteln, weil ich gemerkt habe, dass irgendwas nicht stimmt. Das bin ich.“ Das verlangt Wagner auch von ihm. „Wenn man gewinnen will, kann man nicht so einfach akzeptieren, dass Bremen besser war“, so Krauß.
Ob er da von den Nebenleuten mehr erwartet? „Das würde ich nicht sagen, das könnt ihr nächste Woche als Topic machen“, wiegelte der 25-Jährige und ergänzte selbstkritisch: „Vielleicht muss ich mir ankreiden, dass ich noch mehr mache. Wir haben junge Spieler geholt, sie müssen dazu hinwachsen. Das ist absolut unser Ziel, um eine ekelhafte Mannschaft zu sein.“ Um auch mal Spiele dreckig zu gewinnen. Das gelingt dem 1. FC Köln noch viel zu selten.








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