„Dann knallt es“: FC-Talente zahlen Lehrgeld – wann platzt der Knoten?

Jahmai Simpson-Pusey (Köln) läuft Albert Gronbaek nuzr hinterher.
Schwerer Fehler; Jahmai Simpson-Pusey (Köln) läuft Albert Gronbaek nuzr hinterher. Foto: imago/Oliver Ruhnke

Eine stabile Saison trotz junger Schlüsselspieler – das war der Plan beim 1. FC Köln. Jahmai Simpson-Pusey und sein Patzer zum 0:2 machen deutlich: Lehrgeld muss gezahlt werden. Aktuell ist der FC noch zu grün. Die Verantwortlichen setzen auf Geduld und Lernkurve.

Sie kommen zwar nicht aus dem eigenen Stall, doch bei seinen Trümpfen setzt der 1. FC Köln in dieser Saison wie nie zuvor auf die Jugend. Da ist Said El Mala, 20 Jahre, der zur Nationalmannschaft unter Bundestrainer Jürgen Klopp aufbricht. Da ist Mikey Moore, zarte 19 Jahre alt und eines der spannendsten Offensiv-Talente in England. Und schließlich Jahmai Simpson-Pusey, der im Winter zum FC stieß, gleich überzeugte und nun erstmals in die englische U21 berufen wurde.

Doch ausgerechnet die Jungen zahlen in dieser Saison bislang Lehrgeld. Zwar gelang El Mala gegen die TSG Hoffenheim gleich ein Tor, doch es läuft noch nicht rund. Auch in Hamburg lief er sich immer wieder in der massierten gegnerischen Deckung fest. Moore merkt man an, dass er der Bundesliga seine Klasse vorführen will und immer wieder die Gelegenheit zum Dribbling und Abschluss sucht, doch auch bei seiner Großchance in Hamburg blieb die Leihgabe von Tottenham Hotspur noch erfolglos.

Simpson-Pusey völlig geknickt in die Kabine

Derweil dürfte Simpson-Pusey die dreiwöchige Bundesliga-Pause gut tun. Der Brite, dem die erstmalige Berufung in den englischen U21 Auftrieb geben dürfte, wackelte schon in den ersten Begegnungen, im Volksparkstadion patzte er vor dem 0:2 dann richtig. Völlig geknickt ging der hoch veranlagte und bei Manchester City ausgebildete Innenverteidiger nach Spielschluss sofort nach Abpfiff in die Katakomben, musste in der Kabine aufgerichtet werden.

Rückendeckung gab es auch öffentlich, etwa von Sportchef Thomas Kessler: „Es gehört dazu, dass du individuelle Fehler von jungen Spielern zulassen musst. Jahmai weiß, dass er beim zweiten Gegentor nicht glücklich aussieht. Das ist Teil der Entwicklung. Er sitzt extrem niedergeschlagen in der Kabine und fühlt sich dafür verantwortlich. Aber wenn wir den Weg gehen wollen, dass wir jungen Spielern die Chance geben wollen, müssen wir damit leben, dass der eine oder andere Fehler passiert“, sagt der 40-Jährige. „Wir haben gesagt: Wir sind davon überzeugt, dass wir die Klasse halten, wir sind davon überzeugt, dass wir eine stabile Saison spielen können.“

Wenn wir den Weg mit jungen Spieler gehen wollen, müssen wir damit leben, dass der eine oder andere Fehler passiert

Thomas Kessler

Dafür muss die Fehlerquote allerdings reduziert werden. Trainer René Wagner zeigte Mitgefühl mit Simpson-Pusey: „Wenn er fröhlich in der Kabine sitzen würde, wäre was falsch. Dennoch entscheiden in der Bundesliga manchmal kleine Momente – eine kleine Entscheidung und es knallt. Natürlich kam das zu einem unglücklichen Zeitpunkt direkt nach der Halbzeit und natürlich ist der Junge nicht froh drüber. Er macht in der Situation einen Schritt zu viel nach vorne und lässt sich dann im Rücken schlagen.“

Platzt bei den Talenten erst mal der Knoten…

Auch der Coach glaubt, dass ihm die Auszeit auf der Insel guttun kann: „Das ist bitter und er ist enttäuscht, aber er ist ein junger Spieler, der daraus lernen wird. Er wird trotzdem immer besser. Er fährt jetzt zum ersten Mal zur U21 nach England und dann blicken wir nach vorn.“

An Fehlern wächst man gerade in jungen Jahren, das spannende Projekt des 1. FC Köln verdient in dieser Hinsicht Geduld. Allzuviel Lehrgeld darf man im Abstiegskampf zwar nicht zahlen. Wer zu grün hinter den Ohren ist, den bestraft die abgezockte Konkurrenz. Doch platzen bei El Mala, Moore und Simpson-Pusey erstmal die Knoten, dann kann sich Thomas Kesslers Wunsch von einer stabilen Saison noch erfüllen.

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