Die Fans des 1. FC Köln diskutieren über den Saisonstart der Geißböcke. Was sind die vier Punkte aus vier Spielen wert? Und warum gehen die Meinungen zu Trainer René Wagner so auseinander?
Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten
Wäre die Bundesliga-Saison 2026/27 nach vier Spieltagen vorbei, hätte der 1. FC Köln sein Saisonziel erreicht. Platz 13, Klassenerhalt, eine bessere Position und ein besserer Punkteschnitt als in der letzten Saison. Diese Aufzählung zeigt aber schon, wie unterschiedlich Statistiken gelesen werden können.
Denn jeder weiß: Mit einem 1,0-Punkte-Schnitt kommt man in der Bundesliga in der Regel dem Abstieg gefährlich nahe. Und genau das wollen die Geißböcke unter René Wagner in dieser Saison verhindern. Doch so mancher FC-Fan traut dem FC dies unter dem 38-Jährigen nicht zu. Warum scheiden sich die Geister am Kölner Trainer?
Darum hat es Wagner so schwer
Da wär zunächst die Bürde der vergangenen Saison. Wagner war als Co-Trainer unter Lukas Kwasniok nicht unbeteiligt, ehe er selbst übernahm. Und dann konnte er als Interimstrainer die wichtigsten Spiele nicht für sich nutzen. Gegen Leverkusen machte der FC zwar das beste Spiel, verlor aber trotzdem. Bei Union Berlin verspielten die Geißböcke ein 0:2 und damit den vorzeitigen Klassenerhalt. Und am 33. Spieltag blamierte sich die Wagner-Truppe zuhause gegen Heidenheim mit 1:3 – die erhoffte Nicht-Abstiegsparty war ruiniert. Und damit die Hoffnung auf Rückenwind für Wagner.
Thema Rückenwind: Auch in dieser Saison konnte der FC mit Bremen und Hamburg genau die zwei Spiele nicht gewinnen, die dem Trainer und seiner Mannschaft Kraft hätten geben können. Der dramatische Leistungsabfall gegen Bremen dürfte einige Fans ebenso alarmiert haben wie die wiederkehrenden Dummheiten bei Standards in Hamburg. Nichts frustriert Fans so sehr wie immer und immer wieder dieselben Fehler – und lässt sie zweifeln, ob der Trainer die Mannschaft tatsächlich voranbringen kann.
Die Folge: Der FC konnte nach vier Spieltagen bereits ein Punktepolster nach unten aufbauen, obwohl es mehr als möglich gewesen wäre. Etwas, das Sportchef Thomas Kessler noch viel mehr ärgern dürfte als die Zweifel an seinem Trainer. Zudem konnte Wagner bislang nicht zeigen, was er angekündigt hatte: aggressiven, laufintensiven, offensiven Fußball. Stattdessen muss man sich beim FC mit sehr ärgerlichen Serien auseinandersetzen: seit acht Monaten ohne weiße Weste, seit zwölf Monaten ohne Auswärtssieg. Wer mit solchen Statistiken zu kämpfen hat, hat es meistens schwer bei den Anhängern.
Darum kann Wagner es schaffen
Dennoch gibt es auch gute Gründe, an den FC mit Wagner zu glauben. Da wäre natürlich das Duo Said El Mala und Mikey Moore, das sich noch gar nicht richtig einspielen konnte. Da wäre Ellyes Skhiri als zentrale Figur des gesamten FC-Spiels, der für Wagner der entscheidende Schlüssel in der Balance zwischen Defensive und Offensive sein soll. Und da wäre der Kader, der bis auf den schmerzlich vermissten Jakub Kaminski besser geworden ist, sich aber noch finden muss. Wagner will alle diese Puzzleteile zusammenfügen.
Dafür braucht es Zeit. Das Problem ist: Wagner hat keine Zeit. Er hätte sie gehabt, hätte der FC gegen Bremen und Hamburg vier bis sechs Punkte geholt. Jetzt aber wird das Derby gegen die Borussia am 11. Oktober zum knallharten Stimmungs- und Leistungstest für den FC. Doch genau darin liegt die nächste Chance: Gelingt es Wagner, endlich mal eines seiner Knackpunkt-Spiele zu gewinnen und das Derby mit der Mannschaft auf die FC-Seite zu ziehen, kann ein solcher Sieg wie ein Katapult für die kommenden Wochen und Monate wirken.
Denn so sehr man beim FC weiß, wie groß die Bürde einer vergangenen Saison sein kann, so sehr weiß man auch: Ein Derbysieg gegen Gladbach, vor allem daheim, kann Wunder wirken. Er kann die ganze Kraft entfesseln zwischen Fans, Spielern, Trainerteam und dem gesamten Verein. Die Verantwortlichen halten weiterhin große Stücke auf den 38-Jährigen. Und genau dieser Glaube in den Trainer und die Mannschaft soll den FC am 5. Spieltag zum Sieg führen – und auf den Weg für eine stabile, ruhige Saison mit Fans, die später zurückblicken auf das Derby und sagen, dass Wagner an dem Tag die Kurve gekriegt hat.








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