Erst Hellseher, dann Anzünder: Dieser Auftritt lässt keine Transfer-Gedanken aufkommen

Tom Krauß im Derby. (Foto: Bucco)
Tom Krauß im Derby. (Foto: Bucco)

Tom Krauß hat den 1. FC Köln mit einer perfekten Zweikampfquote zum Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach geführt. Nach der Verletzung von Ellyes Skhiri kommt dem Mittelfeldkämpfer eine ganz entscheidende Rolle zu.

Gegen Borussia Mönchengladbach bewies Tom Krauß zunächst seine Fähigkeiten als Hellseher. Erstmals in dieser Saison war der Sechser zu Beginn nur Zuschauer und prophezeite an der Seitenlinie den 1:1-Ausgleich, den der 1. FC Köln nach Isak Johannessons vorherigem Führungstreffer hinnehmen musste.

Nach Schlusspfiff berichtete er: „Nach dem 1:0 haben wir ein bisschen den Faden verloren und das 1:1 gekriegt, was verdient war. Ich habe auf der Bank gesagt: ‚Es ist leider nur noch eine Frage der Zeit.‘ Fünf Sekunden später fällt es.“

100 Prozent gewonnene Zweikämpfe

Noch beeindruckender als Krauß‘ hellseherische Gabe war jedoch seine Leistung, als er auf dem Platz gebraucht wurde. Nach der Verletzung von Ellyes Skhiri in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit übernahm der 25-Jährige zum Seitenwechsel nicht nur die Chefrolle im Kölner Mittelfeld, sondern gab auf dem gesamten Feld den Ton an.

„Es war unheimlich beeindruckend, wie gut er mit der Entscheidung umgegangen ist“, sagt René Wagner über Krauß‘ Startelf-Aus: „Er hat gesagt: Bring mich rein, ich gebe Energie. Wir haben uns an das Mainz-Spiel letztes Jahr erinnert, als er reinkam und das Stadion angezündet hat.“ Das war im Derby wieder der Fall.

Mit einer perfekten Zweikampfquote von 100 Prozent stand Krauß stellvertretend für die Kölner Message: In diesem Spiel, in diesem Stadion darf es nur einen Sieger geben. Dazu blockte der gebürtige Leipziger den Weg frei für Said El Malas vieldiskutierten Siegtreffer (der GEISSBLOG berichtete) und rettete kurz vor Schluss auf der Gegenseite bei einem gefährlichen Schuss von Zento Uno.

Krauß: „Dafür bin ich da“

„Ihr kennt mich mittlerweile alle“, sagte Krauß anschließend in den Stadionkatakomben und schmunzelte. „Dafür bin ich da. Wir wollen diese Spiele gewinnen und haben es mit aller Macht gezogen. Die letzten Minuten waren purer Wille und pure Leidenschaft.“

Wagner spricht ein „Sonderlob“ aus: „Tom ist unfassbar gut auf zweite Bälle und kann einer Mannschaft defensive Stabilität geben. Er findet aber auch Momente, vorwärts zu spielen. Er hatte einen super Impact auf die Mannschaft.“ Krauß schmeiße sich in alles rein. „Er opfert sich für die Mannschaft auf.“

Transfer keine Option

Und genau diese Tugenden werden in den kommenden Monaten, wenn der FC auf Skhiri verzichten muss, dringend benötigt. Gemeinsam mit Isak Johannesson dürfte Krauß im Mittelfeldzentrum gesetzt sein. Dort braucht der FC ihn als Kämpfer und Sprachrohr.

So bitter die Verletzung von Skhiri war, so beruhigend war anschließend der Auftritt von Krauß, der zeigte, dass er den Chef-Job übernehmen kann. Neben Johannesson scharrt mit Paul Okon-Engstler noch ein weiterer Zentrumsspieler mit den Hufen, der seine Qualitäten im Sommer bereits andeuten konnte. Für die FC-Verantwortlichen war es daher keine Option, nach einem vertragslosen Profi Ausschau zu halten. Sportchef Thomas Kessler vertraut auf sein nun von Krauß angeführtes Mittelfeld.

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