Nach Saisonknick und Trainer-Aus: Was macht das Derby diesmal mit dem FC?

Die Derby in der Saison 2025/26: Erst die Niederlage im Hinspiel, dann Lukas Kwasnioks Aus nach dem Rückspiel. (Foto: IMAGO / Jan Huebner, Bucco)
Die Derby in der Saison 2025/26: Erst die Niederlage im Hinspiel, dann Lukas Kwasnioks Aus nach dem Rückspiel. (Foto: IMAGO / Jan Huebner, Bucco)

Ein Spiel wie kein zweites: In der vergangenen Saison waren die Derbys gegen Borussia Mönchengladbach nicht nur in emotionaler Hinsicht die wichtigsten Duelle für den 1. FC Köln – sie waren auch richtungsgebend und kosteten Lukas Kwasniok den Job.

Es steht außer Frage, dass die Spiele gegen Borussia Mönchengladbach für den 1. FC Köln besondere Begegnungen sind. Das weiß vom erfahrensten Routinier bis zum neuesten Neuzugang jeder Profi. „Als ich herkam, hat man mir sofort gesagt: Das ist das große Spiel. Dieses Spiel bedeutet den Menschen so viel“, sagt Mikey Moore vor seinem ersten Rhein-Derby. In der vergangenen Saison waren die Duelle mit dem Erzrivalen jedoch auch äußerst wegweisende Partien.

Derbys bestimmten die FC-Saison 2025/26

8. November 2025: Nach vier Siegen aus den ersten neun Spielen reist der FC als Tabellensiebter an den Niederrhein zu den erst einmal erfolgreichen Fohlen – und kassiert den ersten richtigen Dämpfer unter Lukas Kwasniok. Die 1:3-Pleite in Gladbach ist das erste von acht sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie und zieht einen Bruch für die komplette Saison nach sich. Überhaupt gewinnt der FC nur noch zweimal unter Kwasniok.

21. März 2026: Nach lediglich zwei Siegen aus 17 Partien steht der Kölner Coach mit dem Rücken zur Wand. Im Heimspiel gegen Gladbach muss ein Sieg her – sonst ist für Kwasniok Schluss, auch wenn der Trainer selbst das nicht wahrhaben möchte. Eric Martel rettet mit einem späten Kopfballtor zum 3:3 zumindest einen Punkt, aber nicht Kwasnioks Job.

Wagner hofft auf Feuerwerk

Und am Sonntag? Wohl selten war ein Spiel so früh in der Saison derart aufgeladen. Gladbachs Siegzwang nach null Punkten aus den ersten vier Partien und dem Trainerwechsel von Eugen Polanski zu Alexander Blessin ist selbsterklärend. Beim FC kämpft René Wagner derweil nicht nur um den zweiten Erfolg nach dem Auftakt gegen Hoffenheim (3:2), sondern auch gegen die zunehmende Kritik und die Zweifel im Umfeld.

„Wir haben alle Bock auf das Spiel“, sagt Wagner trotz der Brisanz und begibt sich in den Derby-Tunnel: „Es heißt, sich jeden Tag akribisch auf das Spiel vorzubereiten und im Training Gas zu geben. Dann wollen wir zu Hause ein Feuerwerk abbrennen.“

Ganz grundsätzlich wären wir schlecht beraten, eine Trainerentscheidung vom Ausgang eines Spiels abhängig zu machen.

Jörg Alvermann

Nach den ernüchternden Ergebnissen gegen Stuttgart (1:4), Bremen (1:1) und Hamburg (1:2) hofft man beim FC darauf, dass das Derby der Saison wie schon vor einem Jahr eine andere Richtung geben kann – nur diesmal im positiven Sinne. Man erhofft sich die emotionale Initialzündung, die auch Wagner dringend benötigt.

Der 38-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass auf den FC ein Spiel wartet, das die Stimmung in alle Richtungen lenken kann. „Da ich die Stadt kenne und weiß, in welcher Situation wir uns aktuell befinden, weiß ich natürlich, was in beiden Fällen passieren kann“, sagte Wagner während der Länderspielpause im Interview mit dem GEISSBLOG. „Wenn wir das Spiel gewinnen, ist eine ganze Stadt happy. Wenn wir das Spiel nicht gewinnen, ist eine ganze Stadt nicht happy.“ 

Warum sich die Trainerfrage nicht stellt

Fakt ist: Anders als beim Heimspiel in der vergangenen Saison, als Kwasniok für eine Weiterbeschäftigung gewinnen musste, stellt sich rund um das bevorstehende Derby keine Trainerfrage. „Ganz grundsätzlich wären wir schlecht beraten, eine Trainerentscheidung vom Ausgang eines Spiels abhängig zu machen“, sagte Vizepräsident Jörg Alvermann jüngst gegenüber dem Express und führte aus: „Entscheidungen müssen einer klaren Linie folgen. Die Frage ist: Haben wir das Vertrauen? Ja, dieses Vertrauen haben wir.“

Hinzu komme: „Wir wollen eine langfristige Entwicklung und werden diese Planung nicht nach vier oder fünf Spieltagen und bei den ersten Widerständen über den Haufen werfen. Ich habe volles Vertrauen in die sportliche Geschäftsführung und kann ruhig schlafen.“ Die sportliche Leitung um Thomas Kessler wiederum hat volles Vertrauen in Wagner.

„Wir glauben, dass sich die unglaublich akribische Arbeit von René bald auszahlen wird“, schob Alvermann nach, denn: „Wir sehen jeden Tag, wie viel Energie und Kompetenz er einbringt. Wenn sich die Mannschaft noch besser findet, wird sich das auch auf dem Platz zeigen.“ Am besten schon am Sonntag.

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