Erstes Viertelfinale seit 15 Jahren! Elfmeter rettet FC im letzten Moment

Das wichtige 1:1: Der 1. FC Köln profitierte von Florian Niederlechners Eigentor (2.v.r.) nach einem Eckball. (Foto: Bucco)
Das wichtige 1:1: Der 1. FC Köln profitierte von Florian Niederlechners Eigentor (2.v.r.) nach einem Eckball. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln ist erstmals seit 15 Jahren ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Beim 2:1 (1:1)-Sieg gegen Hertha BSC spielten die Geißböcke ab der 25. Minute in Überzahl und mussten doch bis zum letzten Moment der Verlängerung auf die Erlösung warten.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer, Martin Zenge und Marc L. Merten

Rund 1,7 Millionen Euro standen am Mittwochabend zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC auf dem Spiel. Diese Summe schüttet der DFB für den Einzug ins Pokal-Viertelfinale aus. Ein Teil der Prämie flog bereits vor Anpfiff der Achtelfinal-Partie in den Müngersdorfer Himmel, denn die FC-Fans in der Südkurve zündeten unter dem Motto „Dröm losse mer de Stän am Himmel danze“ ein gewaltiges Feuerwerk. Es war der Auftakt eines auch auf dem Rasen hitzigen Abends, an dessen Ende die Geißböcke die Prämie tatsächlich einsackten und dramatisch in die Runde der letzten Acht einzogen. Nach rund 100 Minuten in Überzahl bewahrte Dejan Ljubicic den FC vom Elfmeterpunkt aus vor dem Gang ins Elfmeterschießen.

Spielverlauf & Tore

1. Minute: Womöglich war es auch dem Nebel im ausverkauften RheinEnergieStadion zu verdanken, dass Tim Lemperle nach nicht mal 60 Sekunden die Blitzführung auf dem Fuß hatte. Nach einer verunglückten Kopfball-Rückgabe von Pascal Klemens kam der FC-Stürmer aus spitzem Winkel zum Abschluss, verzog aber deutlich.

4. Minute: Es ging mit Chancen im Minutentakt weiter. Nachdem Denis Huseinbasic das Tor aus gut 16 Metern verfehlt hatte, spazierte Ibrahim Maza über links in den FC-Strafraum und scheiterte an Marvin Schwäbe.

Das Feuerwerk der Südkurve vor Anpfiff. (Foto: IMAGO / Moritz Müller)
Das Feuerwerk der Südkurve vor Anpfiff. (Foto: IMAGO / Moritz Müller)

6. Minute: Unterbrochen wurde der turbulente Start von einem schmerzhaften Zusammenprall: Julian Pauli und Marton Dardai krachten bei einem FC-Eckball ineinander und blieben mit Platzwunden am Kopf auf dem Rasen liegen. Nach einer längeren Behandlungspause machten beide weiter – Pauli mit großem Pflaster, Dardai mit Turban.

10. Minute: Als der Ball wieder rollte, stand Pauli erneut im Mittelpunkt. Zum eigenen Leidwesen, denn nach einem Steckpass von Maza ging der Innenverteidiger ungestüm gegen Derry Scherhant in den Zweikampf, brachte den Herthaner im Kölner Strafraum zu Fall – Elfmeter für die Berliner. Maza verlud Schwäbe, verwandelte ganz sicher ins aus seiner Sicht linke Eck zum 0:1. Für Pauli wiederum war kurz darauf Schluss. Gut zehn Minuten nach seiner Kopfverletzung setzte sich der Youngster auf den Rasen und zeigte an, dass es nicht mehr weitergeht.

25. Minute: Wenn Hertha über links kam, brannte es in der Kölner Defensive ähnlich lichterloh wie vor Anpfiff in der Südkurve. Speziell Timo Hübers ging ein ums andere Mal plump in die Zweikämpfe – so auch nach 25 Minuten, als er Scherhant vor dem Sechzehner nur per Foul stoppen konnte. Doch beim anschließenden Freistoß sorgte der FC-Kapitän dafür, dass sich das Spiel drehte: Nachdem Deyovaisio Zeefuik zunächst mit Lemperle aneinandergeraten war, nahm Hübers den Hertha-Verteidiger ins Gebet. Die Antwort: ein Kopfstoß! Schiedsrichter Tobias Reichel zögerte nicht, zückte sofort Rot und schickte Zeefuik vom Platz. Wie schon am Samstag gegen Hannover jagte der FC in Überzahl den Sieg.

Rot für die Hertha. (Foto: IMAGO / Maximilian Koch)
Rot für die Hertha. (Foto: IMAGO / Maximilian Koch)

30. Minute: Und wie gegen Hannover fiel ein Eigentor – diesmal allerdings profitierten die Geißböcke davon. Nach einer Ecke von Max Finkgräfe flipperte der Ball durch den Hertha-Strafraum. Letztlich beförderte das linke Knie von Florian Niederlechner, einst ein Transferkandidat beim FC, die Kugel zum 1:1-Ausgleich über die Linie.

34. Minute: Das Struber-Team drängte anschließend auf den Doppelschlag, Finkgräfe traf aus 14 Metern aber nur die Latte. Weitere Angriffe ließ der FC mit ungenauen Zuspielen verpuffen. Sodass es nach acht Minuten Nachspielzeit mit dem 1:1 in die Kabinen ging.

56. Minute: Nicht viel fehlte zum zweiten Berliner Eigentor. Ex-FC-Profi Toni Leistner fälschte eine scharfe Hereingabe von Jan Thielmann auf den eigenen Kasten ab, doch Schlussmann Tjark Ernst war auf der Hut. Dies blieb viel zu lange die aussichtsreichste Kölner Gelegenheit.

88. Minute: Der FC hatte gegen die dezimierte Hertha erschreckend wenig Ideen – und in der zweiten Halbzeit keine einzige wirklich klare Torchance. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit wurde es im Strafraum der Gäste zumindest mal brenzlig, als der eingewechselte Florian Kainz auf den ebenfalls eingewechselten Leart Pacarada querlegte. Einen Abschluss brachte dieser aber nicht zustande. Trotz gut 70-minütiger Kölner Überzahl ging es in die Verlängerung.

100. Minute: Unglaublich! Eine Flanke von Pacarada erreichte am langen Pfosten Dejan Ljubicic, der aus drei Metern nur noch ins leere Tore einschieben brauchte. Allerdings rutsche der Österreicher auf dem Ball aus. Eine Szene für die Jahresrückblicke – falls Ljubicic nicht knapp im Abseits stand.

Dejan Ljubicic traf so spät wie möglich zum 2:1. (Foto: Bucco)

118. Minute: Dann glänzte Hertha-Torhüter Ernst gleich dreimal. Der U21-Nationalspieler holte einen Abschluss von Joker Damion Downs aus dem Winkel, war bei einem Distanzschuss von Ljubicic zur Stelle und auch bei einem Kopfball von Hübers.

120. Minute: Doch ein Elfmeter rettete den FC vor dem Elfmeterschießen! Weil Gustav Christensen nach einem Eckball ungestüm Kainz von den Beinen holte, zeigte Schiedsrichter Reichel zum zweiten Mal an diesem Abend auf den Punkt. Ljubicic blieb trotz der immensen Bedeutung des Strafstoßes cool und verwandelte zum 2:1, ein Kölner Jubelsturm war die Folge.

Personal

So spielte der FC: Schwäbe – Pauli (17. Olesen), Hübers, Heintz (95. Downs) – Thielmann (80. Kainz), Martel, Huseinbasic (64. Waldschmidt), Finkgräfe (64. Pacarada) – Ljubicic – Lemperle, Maina

Zur Aufstellung: Gerhard Struber hatte im Vorfeld nicht danach geklungen, als würde er groß rotieren. Auf den beiden Schienenpositionen wechselte der FC-Trainer dann doch: Max Finkgräfe beackerte die linke Seite, dafür saß Leart Pacarada zunächst erstmals in dieser Saison draußen. Jan Thielmann übernahm die rechte Außenbahn, wo zuletzt zweimal Dejan Ljubicic aufgelaufen war. Der Österreicher wiederum rückte auf die Zehn und verdrängte Luca Waldschmidt auf die Bank. Nach Julian Paulis Verletzungs-Aus schob Struber erneut Sechser Eric Martel zurück in die Dreierkette.

Fazit

Der Traum von Berlin lebt – nach einem wahnsinnig mühsamen und dramatischen Sieg gegen Berlin. Es war gewiss kein fußballerisches Feuerwerk, sondern ein Müdemachen der Hertha und letztlich auch Glück, das die Geißböcke erstmals seit 15 Jahren ins Pokal-Viertelfinale beförderte. Wie schon gegen Hannover ging ein in Überzahl spielender FC geduldig, aber ohne Ideen auf die Suche nach der Lücke in der gegnerischen Defensive. Die Erlösung ließ unglaublicherweise bis zur 120. Minute auf sich warten. Doch: In diesem Wettbewerb zählt noch mehr als in der Liga nur das Ergebnis. Und dieses brachte die Kölner erstmals seit einer Ewigkeit unter die letzten Acht. Ausgelost wird das Viertelfinale am 15. Dezember im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Dank des Sprungs in die drittletzte Runde darf sich der FC bereits jetzt auf ein Highlight im kommenden Jahr freuen – und auf eine trotz der bevorstehenden Pyro-Strafe hübsche Summe für die Transferkasse.

Benotet die FC-Spieler!

So lief das Spiel

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