Ob sich Lukas Kwasniok auch für dieses Erfolgsrezept entschieden hätte, wenn er gewusst hätte, dass er mal Trainer des 1. FC Köln wird? In der Spielidee des neuen FC-Coaches nimmt ausgerechnet ein Kölner Erzrivale eine zentrale Rolle ein – Kwasniok setzt auf die „BMG“-Formel.
Er wolle mit dem 1. FC Köln „für Furore sorgen“. Das war die erste Ansage, die Lukas Kwasniok nach seiner Unterschrift am Geißbockheim tätigte. Der neue Trainer verspricht Spektakel, steht für Offensivfußball, will die Zuschauer unterhalten. An eines seiner Kommandos werden sich die Kölner Profis und Fans aber gleichermaßen erst mal gewöhnen müssen.
Kein Scherz: Mit der „BMG“-Taktik ist ausgerechnet die gängige Abkürzung für den FC-Erzrivalen Borussia Mönchengladbach ein zentraler Bestandteil von Kwasnioks Fußball. Was es damit auf sich hat, erklärte der 43-Jährige im Podcast From Coach to Coach: „Der Ablauf bei uns im Pressing – BMG: Ball, Mitspieler, Gegenspieler. Das ist bei uns die klassische Orientierung.“
Kwasniok erklärt sein „BMG“-Prinzip
Soll heißen: „Du orientierst dich immer erst am Ball. Wo ist der Ball? Das ist die erste Instanz. Die zweite Instanz ist der Mitspieler. Wenn der erste Spieler Druck auf den Ball macht, muss sich der nächste Spieler am Mitspieler orientieren und nicht beim Gegenspieler bleiben. Deswegen ist die dritte Instanz erst der Gegenspieler.“
Um seine gewünschte Herangehensweise zusammenzufassen, wählte Kwasniok bewusst die Gladbach-Abkürzung. „Damit es den Jungs im Gedächtnis bleibt“, quasi als Eselsbrücke. „Wenn ihr mich mal im Spiel `BMG‘ brüllen hört, dann orientieren sich meine Spieler zu sehr am Mann und zu wenig am Ball.“ Das „BMG“-Kommando ertönt also, wenn etwas schiefläuft – das könnte womöglich doch ganz gut nach Köln passen.
Lukas-Kwasniok-Fußball, Tim-Walter-Fußball, Steffen-Baumgart-Fußball – das ist doch alles Grütze.
Lukas Kwasniok
Dass intensives Pressing ein Teil seines Fußballs sein sollte, steht für Kwasniok im Übrigen außer Frage. „Grundsätzlich wollen alle hoch pressen. Wenn du nicht hoch presst, bist du fast ein Trainer alter Schule“, meinte er im Podcast, wo der Coach auch ausführlich über seine Spielidee sprach.
Ein weiterer zentraler Punkt: viel Ballbesitz. Seine Paderborner kamen in der vergangenen Saison diesbezüglich auf einen Durchschnittswert von 52 Prozent, der lediglich von Magdeburg (57 Prozent) und Hamburg (53 Prozent) getoppt wurde. Der FC lag mit seinen 51 Prozent auf Rang sieben der 2. Liga.
Pressing und Ballbesitz selbstverständlich
Für Kwasniok versteht es sich von selbst, dass seine Mannschaft das Spiel kontrollieren sollte. „Lukas-Kwasniok-Fußball, Tim-Walter-Fußball, Steffen-Baumgart-Fußball – das ist doch alles Grütze. Jeder hat eine gewisse Identität, aber es gibt wohl kaum einen Trainer, der sagt: Wenn der Gegner den Ball hat, ist das das Allergeilste. Vielleicht Diego Simeone.“ Der steht bei Atletico Madrid zwar bekanntermaßen für Erfolg, allerdings auch für eine andere Art von Fußball, als sie den Kölnern und Kwasniok vorschwebt.
Mit Intensität, hohem Pressing und Ballbesitz will der FC auf den Weg zurückkehren, den er einst mal in der erfolgreichen Phase unter Steffen Baumgart eingeschlagen hatte – der eigentlich die teamübergreifende Spielidee des Clubs sein soll. Unter Timo Schultz und Gerhard Struber ging dieser rote Faden zuletzt mehr und mehr verloren.
Grundsätzlich finde ich, sollten die Spieler in ihre besten Positionen gebracht werden.
Lukas Kwasniok
Kwasnioks Statistiken lassen auf eine Wende hoffen. Mit den zweitmeisten Pässen in den Strafraum (nach dem FC) kreierte Paderborn vergangene Saison mit einem individuell gewiss schwächer besetzten Kader den dritthöchsten xGoals-Wert nach Köln und Hamburg. Dabei blieben die Ostwestfalen defensiv stabil, hätten laut der xGoals-Metrik nach Elversberg die zweitwenigsten Gegentreffer der 2. Liga kassieren müssen. In der Realität stellte der SCP immerhin die sechstbeste Defensive.
FC in der Bundesliga mit Dreierkette?
Als Kwasnioks Lieblingssystem gilt ein 3-4-3 oder auch ein 3-4-1-2 – letzte Saison ließ er Paderborn nur ein einziges Mal mit einer Viererkette beginnen. Wobei für den Trainer über allem steht, dass seine Profis bestmöglich eingesetzt werden. „Grundsätzlich finde ich, sollten die Spieler in ihre besten Positionen gebracht werden“, will er systemtechnisch auf den vorhandenen Kader reagieren.
Unabhängig von der Anordnung gilt für die FC-Profis: „Sie sollten mit dem Ball genauso fleißig sein wie gegen den Ball. Du musst immer mehr durch Positionswechsel in Rotation gelangen, um die Zuordnung beim Gegner zu stören oder um ihnen davonzulaufen.“ Nicht umsonst führte Paderborn die Liga vergangene Saison sowohl bei der Laufleistung als auch bei den intensiven Läufen an. Mit Ball rotierend, ohne Ball im „BMG“-Modus – so will Kwasnok mit dem FC für Furore sorgen.








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