Jörg Jakobs, ehemaliger Sportchef und Berater des 1. FC Köln, hat in einem Interview äußerst kritisch auf die Zusammenarbeit mit dem Vorstand um Präsident Werner Wolf sowie Ex-Geschäftsführer Christian Keller zurückgeblickt.
Lizenzbereich-Leiter, Chefscout, Sportdirektor, Nachwuchschef, Sportchef, Vorstandsberater – es gibt beinahe keinen Posten, den Jörg Jakobs von Juli 2012 bis Februar 2024 beim 1. FC Köln nicht ausgefüllt hat. Dann war Schluss für ihn. Der Vorstand um Präsident Werner Wolf trennte sich nach der Causa Potocnik von seinem sportlichen Berater. Jakobs blieb der einzige Verantwortliche, der aufgrund der historischen Transfersperre gehen musste.
Er habe sich als Bauernopfer gefühlt, offenbart Jakobs nun in einem Interview mit Kölner Stadt-Anzeiger und erinnert sich: „Ich war überrascht, weil es keinerlei Vorgespräche gab. Insbesondere, wenn ich mir das spätere Rechtsgutachten ansehe: Da ist an keiner Stelle von einem Fehlverhalten meinerseits gesprochen worden. Der Vorstand gab jedoch fehlendes Vertrauen an, ohne dass mir in Gesprächen die Möglichkeit gegeben wurde, suggerierte angebliche Verfehlungen darzustellen und einzuordnen.“
Jakobs‘ harte Vorwürfe an Keller
Eine Mitschuld an seinem FC-Aus gibt Jakobs offenbar dem ehemaligen Sport-Geschäftsführer Christian Keller, an dem er im Interview kein gutes Haar lässt. Nach Kellers Amtsantritt im April 2022 habe er seinen Job als Vorstandsberater praktisch nicht mehr ausüben können. „Ich wurde wiederholt durch Christian Keller systematisch beim Vorstand diskreditiert. Als Konsequenz wurde meine Beratung von Seiten des Vorstands nicht mehr eingefordert“, so Jakobs‘ Vorwurf.
Sich Said El Mala ans Revers zu heften: Im besten Fall wurde der Transfer nicht verhindert.
Jörg Jakobs
Wäre er noch gefragt gewesen, hätte er im Kampf gegen die Transfersperre ein anderes Vorgehen vorgeschlagen: „Ich hätte dazu geraten, das Thema möglichst geräuschlos mit Ljubljana zu klären. Ganz einfach deshalb, weil es kein unüblicher Vorgang ist, sondern weil das in der Branche ständig so gehandhabt wird.“ Keller hätte sehr wohl die Chance gehabt, die Angelegenheit noch zu erklären. Dass ein potenzieller Vergleich zum Vorwurf der Untreue geführt hätte, sei „kompletter Blödsinn“.
Selbst die Verpflichtung von Said El Mala im Sommer 2024 könne man Keller nicht zugutehalten „Sich Said El Mala ans Revers zu heften: Im besten Fall wurde der Transfer nicht verhindert. Said geht auf andere FC-Mitarbeiter zurück.“ Nämlich das Scouting im Nachwuchs.
Wen Jakobs wählen würde
Dem Vorstand wiederum wirft Jakobs nicht nur in der Causa Potocnik, sondern auch in sportlicher Hinsicht vor, seine Kontrollfunktion nicht ausreichend ausgeübt zu haben, spricht in diesem Zuge die erst im Mai erfolgten Trennungen von Keller und Ex-Trainer Gerhard Struber an: „Ich weiß, dass der amtierende Vorstand über ein Handeln nachgedacht hat. Ich glaube, dass es aus atmosphärischen Gründen bis zur Drucksituation kurz vor Ende der vergangenen Saison kein Thema wurde.“
Bei der Frage, wer auf den Wolf-Vorstand folgen sollte, hat Jakobs eine klare Meinung: „Wenn ich wählen sollte, würde ich meine Stimme dem vom Mitgliederrat vorgeschlagenen Team um Jörn Stobbe geben.“ Der frühere Schmadtke-Vertraute ergänzt: „Mir erscheint die Konstellation der ausgewählten Personen am geeignetsten, um den FC in den nächsten Jahren zu führen.“
Wettich? „Spricht wenig für Fortführung des Amtes“
Gegen das Team von Wilke Stroman spricht für ihn offensichtlich die Beteiligung des noch amtierenden Vize-Präsidenten Carsten Wettich. „Das kann man so sagen. Ich habe Carsten Wettich über lange Jahre gekannt, schon vor seiner Vorstandstätigkeit im Rahmen seiner Zugehörigkeit zum Mitgliederrat. Ich habe ihn dann in der Vorstandsarbeit erlebt. Es überrascht mich doch sehr, dass er sich noch mal zur Wahl stellt.“
Jakobs sieht keine Grundlage für eine weitere Amtszeit: „Er ist als Ersatzmann in den Vorstand gekommen, hat im Vorstand dann die Dinge mitgestaltet inklusive Cas und sportlich schlechten Ergebnissen. Und stellt sich dann aus dem laufenden Vorstandsbetrieb heraus mit einem neuen Team zur Wahl, obwohl aus meiner Sicht wenig für eine Fortführung des Amtes spricht.“ Ob er selbst am Samstag im RheinEnergieStadion abstimmen wird, sei noch nicht entschieden. „Als langjähriges Mitglied könnte ich das, aber ich halte es mir offen.“








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