Eine krasse Fehlentscheidung hat dem 1. FC Köln womöglich die Chance gekostet, den FC Bayern München aus dem DFB-Pokal zu werfen. Lukas Kwasniok fand nach der Partie einen treffenden Vergleich für ein Spiel, das ohne VAR auskommen musste.
Aus Müngersdorf berichten Sonja Gauer, Linda Dragovic und Marc L. Merten
Die Halbzeitpause zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München hatte gerade begonnen, da konnte sich Stadionsprecher Michael Trippel nicht mehr beherrschen. Als die Highlights der ersten Hälfte auf den Videowänden abliefen, sagte Trippel am Mikrofon zu den Zuschauern: „Das 1:1 zeigen wir Ihnen nicht, da sieht man die Abseitsstellung sehr deutlich.“
Was Trippel meinte: das Tor der Bayern zum 1:1 durch Luis Diaz. Josip Stanisic hatte aus halblinker Position geschossen und Ron-Robert Zieler im FC-Tor zu einer Parade gezwungen. Den Abpraller hatte Diaz freistehend nur noch über die Linie drücken müssen. Das Problem: Der Kolumbianer hatte bei Stanisics Schuss einen Meter im Abseits gestanden.
„Hätten den VAR wirklich mal gebraucht…“
Zur Entgeisterung aller Kölner im Stadion gab Schiedsrichter Tobias Welz den Treffer, die Fahne seines Assistenten blieb unten. Und weil in der 2. Runde des DFB-Pokals noch kein Videoassistent eingesetzt wird, wurde der Treffer auch nicht mehr angezweifelt. Eine krasse Fehlentscheidung, zumal es nicht einmal knapp gewesen war und der Assistent freie Sicht auf die Situation hatte nehmen können.
„Heute hätten wir den VAR wirklich mal gebraucht, daher ist es schade, dass so entschieden wurde. Bei einem Meter hätte ich mir aber natürlich gewünscht, dass das erkannt worden wäre“, sagte FC-Kapitän Zieler nachher noch halbwegs diplomatisch. FC-Trainer Lukas Kwasniok hingegen hatte sich bereits am Spielfeldrand fürchterlich aufgeregt, und obwohl er hinterher keine Schuldzuweisungen abgeben wollte, legte er den Finger in die Wunde.
Kwasnioks passendes „Navi“-Bildnis
„Ich finde, dass er das sehen kann, wenn nicht gar sehen muss“, begann Kwasniok. Dann fand er ein passendes Gleichnis für das eigentliche Problem: „Unabhängig von heute: Wenn man immer mit Navi unterwegs bist, vergisst du irgendwann die Straßen. Die können sich normalerweise auf den VAR verlassen – und auf einmal ist er nicht da. Ich glaube, das beeinflusst die Entscheidungsfindung ein bisschen.“
Kwasniok wusste: Der Schiri-Blackout in der 36. Minute hatte den FC Bayern nach dem Kölner Führungstreffer in der 31. Minute schnell wieder in die Partie zurückgebracht. „Dieses Quäntchen hätten wir heute gebraucht. Dann wären wir vielleicht mit 1:0 in die Pause gegangen. Für uns bitter, für die Zuschauer bitter, weil wir es vielleicht noch etwas wilder hätten gestalten können.“
Gelb für El Mala, Gnade für Bayern-Star
Für die Zuschauer war Welz schließlich der Buhmann. Allerdings auch, weil der Schiedsrichter über die Abseits-Szene hinaus eine klare Linie an dem Abend hatte vermissen lassen. Während Said El Mala bereits in der 3. Minute mit seinem ersten Foul gegen Dayot Upamecano die Gelbe Karte gesehen hatte, war Michael Olise zur Verwunderung der Kölner trotz lautstarken Meckerns sowie eines harten Fouls gegen Kristoffer Lund ohne gelben Karton durchgekommen.
Für Verwirrung sorgte zudem eine Szene, als Olise sich vor einem Bayern-Eckball direkt vor der Südkurve das Trikot auszog, um sich seines langarmigen Unterhemds zu entledigen. Das Trikot ausziehen? Dafür gibt es nach Toren beim Jubel die Gelbe Karte. Welz jedoch ließ Gnade vor Recht ergehen, schließlich war das Trikotausziehen kein Teil eines Torjubels. Die FC-Fans regte es dennoch auf – und machte Welz an diesem Abend zum unbeliebtesten Mann im RheinEnergieStadion.







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