Nach verlorenem Wahlkampf: Ex-Berater des Vorstands schießt gegen FC

Carsten Wettich und Werner Wolf. (Foto: Bucco)
Carsten Wettich und Werner Wolf. (Foto: Bucco)

Den Kampf um die Macht beim 1. FC Köln hat er mit dem Vorstands-Team um Carsten Wettich verloren. Drei Monate nach dem Wahlkampf schießt Mike Kleiß nun gegen das neue FC-Präsidium und insbesondere gegen Aufsichtsrat Lionel Souque. Seine Motive bleiben dabei unklar.

Der Machtkampf beim 1. FC Köln ist seit knapp drei Monaten entschieden. Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek haben die Wahl zum Vorstand gewonnen und auf der Mitgliederversammlung Ende September ein deutliches Votum erhalten. Einer, der sich einen anderen Ausgang gewünscht hätte, ist Mike Kleiß.

Kleiß war in den letzten zwei Jahren in verschiedenen Funktionen für den ehemaligen Vorstand aktiv gewesen, zwischenzeitlich als Berater und Podcast-Gastgeber für „FC Inside“, in dem die damalige FC-Führung vermeintlich über die Transfersperre aufklären wollte. Zuletzt war Kleiß als Kommunikationsberater für das Vorstandsteam um Carsten Wettich (mit Wilke Stroman und Tugba Tekkal) tätig gewesen.

Angst vor der Fanszene

Die Wahlniederlage am 27. September scheint noch an Kleiß zu nagen. In seinem Fußball-Podcast mit Moderator Thomas Wagner schoss Kleiß gegen den FC, insbesondere gegen die neue FC-Führung inklusive Aufsichtsrat und REWE-CEO Lionel Souque. Kleiß‘ Kernthema, wie bereits im Wahlkampf: die vermeintliche Machtübernahme des FC durch die Ultras.

„Nach und nach übernimmt die Fanszene den Verein“, sagte Kleiß. „Vielleicht wissen 147.000 von 150.000 Mitgliedern nicht, dass das jetzt eingefädelt wurde. Der Mitgliederrat ist eindeutig von der Fanszene dort hingesetzt wurden. Dann gibt es Menschen wie Souque, die während der Wahl eingegriffen haben, streckenweise Journalisten bedroht haben und ihnen gesagt haben, was sie schreiben und nicht schreiben sollen. Da ist viel Zündstoff im Hintergrund unterwegs.“

Vorwurf gegen Souque würde noch mehr für Wettich gelten

Letzteren Vorwurf gegen Souque musste Kleiß im späteren Verlauf des Podcasts noch abschwächen, wohl auch, um keine rechtlichen Konsequenzen fürchten zu müssen. Doch Souques Rolle beim FC scheint Kleiß ein Dorn im Auge. Der naheliegende Grund: Der Aufsichtsrats-Chef hatte sich offen gegen Wettich und damit gegen Kleiß‘ Team gestellt und das nun amtierende Vorstandsteam unterstützt. „Lionel Souque greift massiv ein in die Belange des 1. FC Köln“, empörte sich Kleiß. „Keiner beim FC will Investoren, aber jetzt hast du einen, der eigentlich nur Sponsor ist, der aber schlimmer ist als jeder Investor.“ Zudem unterstellte Kleiß Souque, „augenscheinlich irgendwann mal Präsident werden“ zu wollen und sich deswegen „mit der Fanszene verheiratet“ zu haben.

Auch warf Kleiß Souque als jangjährigem Mitglied im Aufsichtsrat und Gemeinsamen Ausschuss vor, an den vielen Fehlentscheidungen der Vereinsführung direkt beteiligt gewesen zu sein – und damit Teil des Problems gewesen zu sein. Was Kleiß nicht erwähnte: Sein eigener Auftraggeber Wettich hatte selbst in den letzten fünf Jahren als Vizepräsident maßgeblichen Anteil an der Transfersperre und dem Absturz unter Ex-Sportchef Christian Keller und seit einem Jahrzehnt unterschiedliche Gremien- und Führungspositionen beim FC besetzt.

Fast 3700 Stimmen für den Vorstand

Der GEISSBLOG meint: Der Wahlkampf ist vorüber, und das nicht erst seit gestern. Drei Monate später noch einmal nachzutreten, hilft weder dem FC, noch bringt es die Diskussion rund um die Struktur des FC weiter. Hört man sich dieser Tage am Geißbockheim um, hat der Wahlkampf für viel Verunsicherung und Verärgerung in der Geschäftsstelle gesorgt. Auch, weil das Team Wettich mit Kleiß im Hintergrund die Grenzen zwischen Wettichs Vizepräsidenten-Funktion und Wettich als Wahlkämpfer verwischt hatte.

Es ist an der Zeit, das Wahlergebnis anzuerkennen. Wer auf der Mitgliederversammlung war, weiß: Der neue Vorstand wurde von deutlich mehr Menschen gewählt als lediglich von den knapp 1000 Ultras, die es rund um den Verein gibt. 3685 Stimmen erhielt das Team Stobbe, nur 1428 Stimmen das Team Wettich. Manchmal sagen tausende Stimmen eben mehr als wenige Worte.

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