Mit seiner Roten Karte hat Rav van den Berg den 1. FC Köln gegen Union Berlin auf die Verliererstraße gebracht. Während es verschiedene Sichtweisen auf die spielentscheidende Szene gab, hofft man am Geißbockheim, dass das DFB-Sportgericht Gnade walten lässt.
So ganz will es noch nicht funktionieren mit Rav van den Berg und dem 1. FC Köln. Der Niederländer kam als teuerster Zugang des Sommers für acht Millionen Euro aus Middlesbrough und konnte sein großes Potenzial bereits mehrfach andeuten. Doch van den Berg erlebte mit seiner Schultereckgelenksprengung, die ihn über zwei Monate zum Zuschauen zwang, sowie der Roten Karte gegen Union Berlin auch schon zwei Tiefpunkte.
Die 83. Spielminute am Samstagnachmittag: Van den Berg will einen Diagonalball auf Livan Burcu abfangen, steht aber falsch und muss den rechten Arm zur Hilfe nehmen. Weil Burcu ansonsten wohl alleine aufs Tor zugelaufen wäre, zückt Schiedsrichter Christian Dingert umgehend Rot und schickt den Innenverteidiger vom Rasen.
Kwasnioks Rat: „Beim nächsten Mal nicht mit der Hand“
Die Meinungen über den Platzverweis des 21-Jährigen im sechsten Bundesliga-Einsatz gingen auseinander – auch innerhalb des FC. Van den Bergs Abwehrpartner Dominique Heintz sah wenig Spielraum für Dingert: „Wir brauchen nicht drumherum zu reden, wenn der Ball durchgeht, läuft er alleine auf das Tor zu. Ich hätte da wohl nicht mehr eingreifen können. Dafür muss der Schiri eine Rote Karte geben. Das tut sehr weh, weil wir das Spiel bis dahin im Griff hatten.“
Thomas Kessler wiederum war sich nicht so sicher, der FC-Sportdirektor berichtete: „Ich habe den Schiedsrichter nach dem Spiel kurz darauf angesprochen. Er sagte mir, dass der Spieler blank alleine aufs Tor zuläuft, dass es für ihn eine 100-prozentige Torchance ist, wenn Rav den Arm nicht dazunimmt. Ich hatte auf der Tribüne ehrlicherweise nicht die gleiche Wahrnehmung. Blank aufs Tor laufen bedeutet für mich, dass er hinten durch ist. Ich glaube, das ist ein Ball, der diagonal quer über den Platz segelt und flattert.“
Lukas Kwasniok sprach ebenfalls von einer „harten Entscheidung“, nahm sie aber hin: „Wenn die Regelauslegung so ist, gilt es, das zu akzeptieren und beim nächsten Mal am besten nicht mit der Hand hinzugehen.“ Ein Ratschlag, den der Trainer seinem Innenverteidiger wohl nicht persönlich übermitteln musste – van den Berg dürfte selbst wissen, was für einen Bärendienst er seiner Mannschaft erwiesen hat.
Wie lange wird van den Berg gesperrt?
Die Rote Karte war jedoch nicht nur für den Verlauf des Heimspiels gegen Union bitter, sondern auch mit Blick auf die Fortsetzung der Hinrunde im neuen Jahr. Wenn der FC am 10. Januar in Heidenheim gastiert, wird van den Berg definitiv gesperrt zuschauen. Und womöglich fehlt der U21-Nationalspieler auch noch anschließend gegen den FC Bayern München (14. Januar).
Wird durch ein Handspiel eine klare Torchance verhindert – die Schiedsrichter Dingert gegen Union offenbar sah –, kann dies laut DFB-Regelwerk zu einer Sperre von mehr als nur einer Partie führen. Das Sportgericht wird entscheiden. Am Geißbockheim hofft man, dass van den Berg nur einmal aussetzen muss und die Abwehr-Not nicht zusätzlich verschärft wird.
Während Timo Hübers und Luca Kilian bekanntlich noch für den Rest der Saison ausfallen, soll Joel Schmied nach seiner Oberschenkelverletzung zum Jahresstart im Trainingslager im spanischen La Nucia wieder einsteigen. In welcher Form sich der Schweizer dann präsentiert und ob es bereits gegen Heidenheim fürs Comeback reicht, bleibt aber abzuwarten. Nicht umsonst ist die Innenverteidigung eine der Positionen, auf der sich die Verantwortlichen im Winter auf dem Transfermarkt umschauen wollen.








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