Beim 1. FC Köln stand Manfred Schmid lange Zeit im Schatten von Peter Stöger. Inzwischen ist der Österreicher seinen eigenen Weg gegangen – und sorgt in seiner Heimat für Furore. Ist sogar eine Rückkehr als Cheftrainer in die Bundesliga denkbar?
Ein kleiner Klub in der Steiermark sorgt einmal mehr für Furore: Nach dem Pokalfinale in der vergangenen Saison schaffte es der als Absteiger Nummer eins gehandelte TSV Hartberg in die Meisterrunde der österreichischen Bundesliga – und könnte es sogar bis nach Europa schaffen!
Der Macher dieses kleinen Fußball-Wunders ist kein Unbekannter in Köln: Manfred Schmid, lange Jahre Assistent von Peter Stöger und später Chefscout beim FC, ist seit anderthalb Jahren dort Trainer. „Wir sind der kleinste Klub der Liga, etwa wie Heidenheim in der Bundesliga, haben strukturell noch große Probleme. Deshalb ist der Einzug in die Runde wie ein Meistertitel“, sagt Schmid während der Länderspielpause dem GEISSBLOG.
Schmied setzt auf junge Talente
Nach der erfolgreichen Vorsaison brach die Mannschaft auseinander. Neben Anführer Donis Avdijaj (früher Schalke 04) verließen weitere Leistungsträger den Verein. Schmid nutzte sein Netzwerk, stellte eine junge Truppe zusammen und ließ einen pragmatischen, ergebnisorientierten Fußball spielen. Damit hat er die Mannschaft weit vorzeitig zum Klassenerhalt geführt, während sein vormaliger und ungleich finanzkräftigerer Klub, der Wolfsberger AC, in die Abstiegsrunde musste.

In Hartberg arbeitet Schmid unter Bedingungen, die weit entfernt sind von denen größerer Klubs: eingeschränkte Infrastruktur, kaum Scouting-Strukturen, ein kleiner Kader. Vieles läuft über ihn selbst. Schmid setzt konsequent auf junge Spieler. Am letzten Spieltag gegen Austria Wien hatte sein Team ein Durchschnittsalter von 22,8 Jahren. Hartberg ist Ausbildungsverein – Talente sollen sich entwickeln und den nächsten Schritt machen. „Man muss den Mut haben, sie spielen zu lassen“, sagt Schmid – und lebt das auch.
„Habe von meiner Zeit in Köln unglaublich profitiert“
Der nächste Schritt – wie könnte der aber für den Coach aussehen? Sein Vertrag läuft im Sommer aus, in diesen Tagen beginnen die Gespräche über eine Verlängerung in vertrauensvoller Atmosphäre. Und trotzdem traut sich Schmid auch höhere Aufgaben zu. „Auch wenn mich manche in Deutschland vielleicht eher als Co-Trainer sehen: Ich war vor meiner erfolgreichen Zeit mit Peter Cheftrainer, hatte unter ihm viele Freiheiten und bin jetzt wieder Cheftrainer. Ich habe von meiner Zeit in Köln unglaublich profitiert, habe ein riesiges Netzwerk. Ich habe acht Jahre in der Stadt gelebt, verfolge den Verein natürlich noch immer. Der FC ist immer in meinem Kopf und auch in meinem Herzen.“
Dann stellt sich die Frage: Ist Schmid einer für die Bundesliga? Der 55-Jährige antwortet mit Überzeugung: „Ich wüsste nicht, warum ich den Schritt in eine größere Liga nicht schaffen sollte.“ Sein Profil dafür ist geschärft: Erfahrung im Abstiegskampf, nachweisliche Entwicklung von Spielern, Erfolg unter schwierigen Bedingungen – und ein klarer Führungsstil. Schmid setzt auf Kommunikation statt Lautstärke, auf Vertrauen statt Druck. „In einem positiven Umfeld entwickeln sich Spieler besser“, sagt er.
Schmid wäre bereit für die Bundesliga
Dass ihm Wolfsbergs Präsident Dietmar Riegler hinterherrief, er sei manchmal „zu lieb“, entlockt Schmid nur ein müdes Lächeln. „Der hat 16 Millionen Euro mit Spielern eingenommen, die ich geholt und ausgebildet habe. Und die Saisonziele haben wir auch erreicht. So schlimm kann das nicht gewesen sein. Ich kommuniziere halt gerne mit meinen Spielern. Aber sie kennen die Grenzen. Und wer die nicht einhält, hat ein Problem mit mir.“
Mit seiner Arbeit in Hartberg hat sich Manfred Schmid zurück ins Blickfeld gearbeitet. Ist er einer für die Bundesliga – oder sogar für den FC? Der Österreicher ist sich sicher: Es braucht nur einen, der den Mut hat, ihm die Chance zu geben. „Ich wäre für den Schritt bereit.“








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