Nach der So-gut-wie-Rettung kann der 1. FC Köln mit der Bundesliga planen. Das bedeutet, dass Sportchef Thomas Kessler zunächst die Trainerfrage klären muss. Und da tun sich nun Fragezeichen auf.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Die Fans des 1. FC Köln können erleichtert aufatmen. Sie haben nach einer spannenden Saison voller Aufs und Abs alles Recht, ihre Freude über den Klassenerhalt rauszulassen. Vor allem am Sonntag, wenn gegen den 1. FC Heidenheim auch rechnerisch alles perfekt sein soll. Dann soll nicht mehr nur die Tordifferenz über die Rettung entscheiden.
Dann soll auch ein letzter Heimsieg die Saison beschließen, ehe es am 34. Spieltag zum Duell beim FC Bayern kommt und beide Seiten jubeln wollen – die Meisterschaft der Münchner, der Klassenerhalt er Kölner. Beide Mannschaften haben es sich verdient. Die Bayern mit ihrer starken Saison, die Kölner mit ihrer Widerstandsfähigkeit.
Die Schwäche der Konkurrenz hilft dem FC
Denn das waren die Geißböcke in dieser Saison. Widerstände gab es genug: eine fast schon absurde Serie an Verletzungen, ein Cheftrainer mit verlorener Linie, interne Querelen und – bei allem positiven Wahnsinn um seine fantastischen Leistungen – auch der Hype um Said El Mala, der nicht immer einfach gewesen sein muss auszublenden als Spieler und als Team.
Während sich die Fans freuen können, müssen die Verantwortlichen dagegen nüchtern bleiben und analysieren. Fakt ist: Das Saisonziel wird nach 34 Spieltagen erreicht sein. Fakt ist aber auch: Mit 32 Punkten aus 32 Spielen haben die Geißböcke eine in den Ergebnissen schwache Saison gespielt, die keinesfalls automatisch für die Rettung reicht. Am Ende hat auch die Schwäche der Konkurrenz geholfen – wie sinnbildlich am 32. Spieltag, als der FC bei Union die eigene Chance auf einen Sieg wegwarf und trotzdem darauf zählen konnte, dass St. Pauli und Wolfsburg nicht gewinnen.
Jetzt ist Kesslers Analyse gefragt
Sportchef Thomas Kessler wusste schon letzten Sommer, dass der Umbruch des Kaders gerade erst begonnen hatte und 2026 im Sommer weitergehen würde. Nur hätte sich der 40-Jährige gewünscht, diesen mit Lukas Kwasniok weiterzugehen. Doch die Personalie musste Kessler korrigieren, und so steht er aktuell ohne Cheftrainer für die neue Saison da. René Wagner ist eine Option. In Berlin bei Union aber hat es erste Anzeichen gegeben, dass er womöglich noch nicht reif für die Position ist.
Es gibt einiges aufzuarbeiten: Wie kam es zu den zwei jeweils acht Spiele andauernden Sieglos-Serien im Herbst und im Frühjahr? Auf welche Spieler kann und soll der FC in Zukunft tatsächlich bauen? Wird der FC die prognostizierten El-Mala-Millionen wirklich kassieren, um sie reinvestieren zu können? Und wenn ja, wo sieht der Sportchef die größten Kader-Baustellen?
Wie bringt Wagner die Saison zu Ende?
All diese Fragen spielen aber erst dann eine Rolle, wenn Kessler die Trainerfrage geklärt hat. Das Wichtigste zuerst, wie es im Volksmund heißt. Während die Fans feiern, kann Kessler nun noch eine Woche lang Wagner beobachten. Wie geht der Trainer mit der neuen Tabellensituation um? Wie stellt er seine Mannschaft gegen Heidenheim ein? Wie bringt er die Saison zu Ende?
Spielerisch lag auch unter dem 37-Jährige vieles im Argen – auf gute Auftritte wie in Frankfurt und gegen Leverkusen folgten schwache Leistungen wie auf St. Pauli und in Berlin. Gelöst hat Wagner die Probleme also nicht. Kann er dies in einer Vorbereitung? Wie gefällt ihm die Rolle in der aufgeregten Stadt Köln? Kann er auch diese Felder bespielen? Es bleiben zur Rettung viele Fragen. Das ist aber normal. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen sie in Ruhe beantworten – während die Fans feiern dürfen.







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