Wagner oder wer sonst? Das große Pro & Contra zur Trainerfrage

Thomas Kessler und René Wagner. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler und René Wagner. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln und die Trainerfrage: Sollte Thomas Kessler auf René Wagner setzen oder braucht es einen erfahrenen Trainer? Ein Pro und Contra der GEISSBLOG-Redaktion.

Vor dem Spiel war René Wagner noch optimistisch, doch die 1:3-Niederlage gegen Heidenheim war ein Schlag ins Kontor. Was beim 1. FC Köln nach dem verpfuschten Heimabschluss bleibt, ist ein schaler Beigeschmack, den kaum etwas am kommenden Wochenende beim Auswärtsspiel gegen Meister FC Bayern München kitten kann.

Doch nach der Pleite den Stab über dem Trainer zu brechen, scheint unfair. Für Sportchef Thomas Kessler und den FC gilt es, das Gesamtbild zu betrachten. Ein Pro und Contra zur Trainerfrage – was spricht für René Wagner als Cheftrainer, was gegen ihn?

Pro: Deshalb sollte Wagner Trainer bleiben

Der Klassenerhalt

Die Aufgabe war klar umrissen: Als Kessler bei Lukas Kwasniok die Notbremse zog, erhoffte er sich von Wagner, dass der Interimscoach an den kleinen Stellschrauben dreht, um den Klassenerhalt zu sichern. Das beinhaltete einen etwas anderen Trainingsrhythmus, eine bessere Kommunikation, insbesondere mit den Spielern der zweiten Reihe, sowie eine leicht veränderte Rolle für Shootingstar Said El Mala. Auch wenn beim Spiel gegen Werder Bremen Glück und der Gegner halfen: Am Ende hat Wagner den Klassenerhalt geschafft.

Die Daten

Es gab keine große Wende unter Wagner, doch die Statistiken sprechen eindeutig für einen Aufwärtstrend nach dem Kwasniok-Aus: ein höherer xG-Wert (2,6 statt 1,4), mehr Torschüsse (16,3 statt 12,0) und mehr Pässe ins gegnerische Drittel (58,0 statt 45,7) – das Spiel des FC war zielstrebiger als noch unter seinem Vorgänger. Vor allem gegen Leverkusen erspielte sich das Team eine Vielzahl an Chancen, die sonst für drei Spiele gereicht hätten.

Rückhalt in der Mannschaft

Im Rückblick muss man feststellen, dass Kwasniok die Mannschaft spätestens im Wintertrainingslager verloren hatte. Wagner blieb die Vertrauensperson im Trainerstab für die Profis. Diesen Drahtseilakt zwischen Loyalität und Verantwortung für das Gesamtgebilde meisterte der Coach eindrucksvoll, der Rückhalt in der Mannschaft ist ihm gewiss. Er setzte die Vorgaben Kesslers nach dem Kwasniok-Aus um, beseitigte wesentliche Schwachstellen und rettete den Verein – auch dank der Schwäche der Konkurrenz – am Ende ohne Zittern. 

Eine Frage der Alternative

In den letzten zwölf Jahren hat der 1. FC Köln zwölf Trainer verbraucht. Eine Garantie, dass es auch unter einem namhaften Coach deutlich besser wird, kann Sportchef Kessler niemandem geben. Lediglich Peter Stöger (viereinhalb Jahre) und Steffen Baumgart (zweieinhalb Jahre) hinterließen längerfristig Spuren. Während Wagner das Team und den Staff kennt und vielleicht nur noch Unterstützung durch Spezialisten im Trainerteam benötigt, würde ein neuer Trainer auch neue Assistenten mitbringen und wieder alles komplett auf null stellen. Ein Trainer der Kategorie Dino Toppmöller wäre zudem ein großes, wirtschaftliches Wagnis. Christian Eichner oder Horst Steffen hingegen haben genauso wenig bis weniger Bundesliga-Erfahrung als Wagner.

Contra: Was für einen Trainerwechsel spricht

Die magere Ausbeute

Ein Sieg, zwei Niederlagen, sonst nur Unentschieden – wirklich beeindruckend ist das nicht, was der FC nach dem Aus von Kwasniok ablieferte. Einsatz und Leidenschaft zeigte die Mannschaft auch vorher schon, die Ausbeute war ähnlich lausig, Kwasniok holte 0,96 Punkte pro Spiel, Wagner 1,0 Zähler, beide rangieren damit in der FC-Historie am unteren Ende. Für den Klassenerhalt kann sich der 1. FC Köln in diesem Jahr vor allem bei der schwachen Konkurrenz bedanken.

Der verspielte Kredit

Gerade an einem Standort wie Köln ist es für Trainertalente nicht leicht, eine Chance als Chefcoach zu erhalten und diese zu nutzen. Ein gutes Beispiel ist André Pawlak, der einst als großes Talent galt, sich jetzt aber im Nachwuchsfußball bei den DFB-U17-Junioren wohler fühlt. Ein anderes Beispiel ist Stefan Ruthenbeck, der sich nach dem Stöger-Aus gut schlug, von Sportchef Armin Veh aber nie ernst genommen wurde und keine echte Gelegenheit bekam, sich bei den Profis festzubeißen, obwohl er bereits ein etablierter Zweitligatrainer war. Vielleicht deshalb gab es seit Christoph Daum und Erich Rutemöller keinen Chefcoach mehr aus dem eigenen Stall. Dafür braucht es Kredit bei den Fans und dem Umfeld – und den hat Wagner scheinbar kaum.

Kein Spielraum im verflixten zweiten Jahr

Egal, ob es Heidenheim oder St. Pauli erwischt: Ihre Bilanzen machen deutlich, wie viel härter das zweite oder auch dritte Jahr in der Bundesliga oft ist, wenn einen keine Aufstiegseuphorie trägt, Stars verkauft wurden und die Konkurrenz die eigenen Stärken ausgemacht hat. Da bleibt kein Spielraum für Experimente. Ein solches wäre Wagner, da er letztendlich nicht nachgewiesen hat, dass er einen völlig neuen Impuls geben kann.

Starker Coach, starke Mannschaft?

Die Tatsache, dass sich die Spieler nach der Partie gegen Heidenheim wünschten, Wagner würde FC-Trainer bleiben, ist nicht unbedingt ein Argument für eine Weiterbeschäftigung. Nicht nur die Undiszipliniertheit von Jahmai Simpson-Pusey macht deutlich, dass es Zug in der Veranstaltung, Autorität und eine klare Hand braucht. Zudem könnte ein starker Trainer auch ein Korrektiv für Sport-Geschäftsführer Kessler darstellen, der sich die gesamte sportliche Hierarchie nach eigenem Gusto aufgebaut hat. Insbesondere Wagner verdankt seinen Aufstieg allein Kessler. Ein wenig mehr Unabhängigkeit könnte bei der Trainerpersonalie sinnvoll sein.

Fazit: Wagners Kabinen-Wirkung kann entscheiden

Für Sportchef Kessler, den Vorstand und den Gemeinsamen Ausschuss, die letztlich die Trainerverpflichtung verantworten, ist es keine einfache Entscheidung. Einerseits hat der 1. FC Köln mit dem jungen, talentierten Trainer einen Verantwortlichen, dem auch von der Konkurrenz viel Gutes nachgesagt wird. Er kennt das Umfeld unter unterschiedlichen Gegebenheiten und möchte gerne als Chefcoach in die neue Saison gehen.

Andererseits verliefen die ersten Wochen nicht erfolgreich genug, um trotz der Vorschusslorbeeren eine Euphorie um den Cheftrainer-Rookie entstehen zu lassen. Während Kwasniok über Monate hinweg geschützt wurde, schlug Wagner nach dem Spiel in Heidenheim von Teilen der Öffentlichkeit harscher Gegenwind entgegen. Ist das ein Vorgeschmack darauf, was bei einem Fehlstart in die nächste Saison blühen könnte?

Kessler muss wissen, ob die Autorität Wagners in der Kabine groß genug ist, um den nötigen Zug in den Kader zu bringen. Denn der Kader, darin sind sich eigentlich alle einig, ist das wahre Problem beim FC, weil längst noch nicht fertig umgestaltet. Daran muss Kessler arbeiten – und einschätzen, wie er das vorhandene Geld investieren will. Die letztlich entscheidende Frage ist: Welcher Trainer mit welchem Staff und welcher Mannschaft bietet dem FC die höchste Chance, auch in der neuen Saison über dem Strich zu bleiben?

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