Der 1. FC Köln lässt mit Vollzugsmeldungen in der Kaderplanung auf sich warten. Der Markt bleibt schwierig, Pokerqualitäten sind gefragt. Eine Analyse der Situation.
Auch wenn es derzeit kaum Vollzugsmeldungen gibt – oder vielleicht gerade deshalb: Die Arbeit an der Kaderplanung des 1. FC Köln läuft auf Hochtouren. Sportchef Thomas Kessler, Kaderplaner Tim Steidten, Scouting und Datenanalyse können aktuell zwar nur wenige Entscheidungen final treffen, weil der Transfermarkt im WM-Sommer nur langsam Fahrt aufnimmt, hinter den Kulissen wird aber dennoch intensiv gearbeitet.
Es werden Gespräche geführt, Listen erstellt, Berater kontaktiert und Strategien entwickelt, wie der Kader des Bundesliga-Aufsteigers in der kommenden Saison aussehen soll.
Curda ein Kandidat?
Namen dringen dabei kaum nach außen. So wird das Interesse an Paderborns Laurin Curda kolportiert. Ein Gerücht, das sich hält, wenngleich es keine Bestätigung aus den Reihen des FC gibt nicht – auch wenn der U21-Nationalspieler durchaus in das Anforderungsprofil der Kölner passen würde.
Für Kessler und sein Team bleibt die Kaderplanung ein Pokerspiel mit gleich mehreren Variablen. Noch immer muss man beim FC mit dem Verlust seiner beiden Offensivstars Jakub Kaminski und Said El Mala rechnen. Damit stünde ein Großteil der Torgefahr und Kreativität der bisherigen Mannschaft auf dem Spiel. Aber sicher ist auch das nicht – der FC kennt momentan nicht einmal sein eigenes Blatt.
Borussia Mönchengladbach handelte frühzeitig
Andere Clubs haben in dieser Hinsicht einen Vorteil. Borussia Mönchengladbach wusste frühzeitig, dass der Verkauf von Rocco Reitz rund 20 Millionen Euro in die Kassen spült – und konnte dieses Geld bereits in neue Perspektivspieler investieren. Doch frühes Handeln hat auch seine Kehrseite. Wer sein Budget schon weitgehend verplant hat, verliert Flexibilität. Sollte sich später im Sommer plötzlich eine außergewöhnliche Gelegenheit ergeben, sind die Möglichkeiten oft begrenzt.
Genau dort beginnt für Vereine wie den 1. FC Köln die eigentliche Herausforderung. Der FC gehört zwar wieder zur Bundesliga, bewegt sich finanziell aber weiterhin in einer Kategorie mit Clubs wie Werder Bremen oder dem Hamburger SV. Hochkarätige Transfers lassen sich selten erzwingen. Viel häufiger geht es darum, auf den richtigen Moment zu warten.
Deshalb gleicht die Arbeit von Kessler derzeit eher einem Schachspiel als einem Wettrennen. Spieler und Berater werden früh über das grundsätzliche Interesse informiert, Kontakte gepflegt und Optionen offengehalten. Nicht jeder Wunschspieler ist im Juni oder Juli erreichbar. Manche Türen öffnen sich erst ganz am Ende des Transferfensters – wenn größere Vereine ihre Kader aussortieren, Leihgeschäfte möglich werden oder Talente merken, dass sie bei ihrem Club doch nicht auf die erhofften Einsatzzeiten kommen. Genau dann muss der FC vorbereitet sein.
Kaminski als Blaupause für die FC-Pläne
Das beste Beispiel lieferte der vergangene Sommer. Jakub Kaminski schien grundsätzlich außerhalb der finanziellen Möglichkeiten der Kölner zu liegen. Kurz vor dem Trainingsauftakt ergab sich die Chance auf ein Leihgeschäft – und der FC schlug zu. Sportlich entwickelte sich der polnische Nationalspieler zu einem der entscheidenden Faktoren auf dem Weg zurück in die Bundesliga. Wirtschaftlich könnte sich der Transfer ebenfalls noch auszahlen, sollte Kaminski den Verein nun für eine Millionenablöse verlassen.
Dieses Modell dürfte auch künftig eine Blaupause für die Kölner sein. Verpflichtungen, Leihgeschäfte und klug ausgehandelte Kaufoptionen müssen nicht nur den sportlichen Erfolg sichern, sondern im Idealfall gleichzeitig neue Vermögenswerte schaffen. Spieler wie Kaminski oder Said El Mala zeigen, wie wichtig es für einen Verein in der finanziellen Größenordnung des FC geworden ist, Qualität nicht nur einzukaufen, sondern auch Wertsteigerungen zu erzielen.
Geduld und Timing bei Top-Verpflichtungen
Dennoch bleibt der Handlungsbedarf groß. In nahezu allen Mannschaftsteilen suchen die Kölner nach Verstärkungen. Besonders auf zentralen Positionen wird Qualität benötigt. Gleichzeitig wartet man am Geißbockheim beinahe sehnsüchtig darauf, dass einige große Transfers im internationalen Markt endlich Bewegung auslösen. Denn erst wenn das Geld bei den Spitzenclubs fließt, beginnt häufig jene Kettenreaktion, von der Vereine wie der FC profitieren können.
Kessler wird einige Planstellen mit entwicklungsfähigen Perspektivspielern besetzen. Die Spieler aber, die am Ende den Unterschied zwischen Klassenerhalt und gesichertem Bundesliga-Mittelfeld ausmachen könnten, werden möglicherweise erst spät verfügbar sein. Vielleicht sogar erst während der letzten Wochen der Vorbereitung oder nach den ersten Pflichtspielen, wenn sich bei europäischen Spitzenvereinen herauskristallisiert, welche Talente tatsächlich Spielzeit erhalten – und welche doch noch verliehen werden. Genau dieses Gespür für den richtigen Moment bewies zuletzt der Hamburger SV, der sich im vergangenen Sommer mehrfach spät, aber äußerst clever verstärkte.
Mit Jakub Kaminski und Said El Mala wird es schwierig, zwei derart herausragende Spieler zu halten.
Dominique Heintz
Nicht nur Ex-FC-Profi Dominique Heintz sieht den FC deshalb vor einer anspruchsvollen Spielzeit. „Ich glaube, die kommende Saison wird es nochmal schwer. Aufsteiger Schalke kommt mit Wucht, die Bundesliga wird auf keinen Fall leichter. Der FC wird nichts anderes ausrufen als: schnell an die 40 Punkte“, sagte der Innenverteidiger dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Und weiter: „Mit Jakub Kaminski und Said El Mala wird es schwierig, zwei derart herausragende Spieler zu halten. Der FC muss gut nachlegen und sie möglicherweise ersetzen. Sie brauchen erfahrene Spieler. Ich hoffe, dass ,Kess‘ mit seinem Team die richtigen Entscheidungen trifft.“
Genau darin liegt die Aufgabe des Sportchefs. Thomas Kessler muss den Spatz in der Hand erkennen – jene verlässlichen Bundesliga-Spieler, die dem FC Stabilität geben. Gleichzeitig darf er aber die Tauben auf dem Dach nicht aus den Augen verlieren. Denn die Transfers, die einen Kader wirklich besser machen, werden für den 1. FC Köln oft nicht im Juni entschieden, sondern erst dann, wenn sich irgendwo anders eine Tür schließt und am Geißbockheim plötzlich ein Fenster aufgeht. Geduld, Fingerspitzengefühl und perfektes Timing könnten in diesem Transfersommer die wertvollsten Qualitäten des Kölner Sportchefs sein.







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