Pierre Littbarski spielte bei drei Weltmeisterschaften und stand dreimal im Finale. Davon ist der deutsche Fußball aktuell weit entfernt. Das Idol des 1. FC Köln sagt: „Wir stehen vor den Ruinen des deutschen Fußballs.“
Für Pierre Littbarski war es ein mehr als gebrauchter Abend vor dem Fernsehbildschirm. „Erst habe ich mit den Japanern mitgefiebert, dann habe ich der deutschen Mannschaft die Daumen gedrückt. Jetzt sind beide raus“, sagte der Weltmeister von 1990 und einstige Publikumsliebling des 1. FC Köln dem GEISSBLOG am Dienstag. „Allerdings gibt es einen großen Unterschied: Das Ausscheiden der Japaner hatte Größe, hatte Würde.“
Und weiter: „Sie haben sich teuer verkauft, alles gegeben. Und trotzdem kullern am Ende die Tränen, man kann die Emotionen auf dem Platz spüren. Das kann man von der deutschen Mannschaft nicht behaupten. Wir haben uns die Leidenschaft wegtrainiert. Aber wir lügen uns im deutschen Fußball schon lange in die Tasche und machen uns alles kaputt, was wir bis 2014 erarbeitet haben. Wir stehen vor den Ruinen des deutschen Fußballs.”
Wenn Johannes B. Kerner ihm eine Frage stellt, dann hat er vernünftig zu antworten, denn er antwortet nicht Kerner, sondern den Menschen
Pierre Littbarski
Harte Worte von Littbarski, der besonders Julian Nagelsmann ins Zentrum seiner Kritik nahm. „Alle sagen immer: Das ist ein guter Trainer. Zu meiner Zeit waren gute Trainer solche, die mehr Spiele gewinnen als verlieren. Ich erkenne da keine Entwicklung. Dazu kommt noch dieses patzige Auftreten.“ Und dann wurde er deutlich:
„Wenn Johannes B. Kerner ihm eine Frage stellt, dann hat er vernünftig zu antworten, denn er antwortet nicht Kerner, sondern den Menschen, die mit ihrem Geld für Tickets und Trikots sein Gehalt bezahlen. Da wirkte er wie ein bockiges Kind“, sagte der 66-Jährige. „Vor allem hat er es nicht geschafft, aus noch immer guten Einzelspielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Er hat bestimmt 60 Spieler ausprobiert, aber keine Struktur in den Kader gebracht.“
Littbarski: „El Mala hätte uns helfen können“
Bereits vor dem Turnier hatte Litti eine Nominierung von Said El Mala gefordert. „In so einem Spiel wie gegen Paraguay hätte er uns helfen können. Er ist jemand, der mal was erzwingen will. Wie bei seinem Tor gegen die Bayern. Der will mal mit dem Kopf durch die Wand. Bei Sané, Wirtz und Musiala wirkt es dagegen so, als würden die sich vorher die Erfolgschancen ausrechnen und im Zweifel lieber kein Risiko eingehen. Die sind nicht frei im Kopf.“
Aber warum reagiert sein Freund und Weltmeister-Kollege Rudi Völler dann nicht, sondern lobt Nagelsmann sogar noch? „Ich kann Rudi ja verstehen. Während der WM vor Ort ist das schwierig. Aber das muss man jetzt analysieren. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.“ Dem langjährigen Publikumsliebling der Geißböcke, der bei der Weltmeisterschaft in Italien ein prägender Teil des Teams gewesen war und mit sieben WM-Torvorlagen zu den besten Deutschen gehörte, fällt als Nachfolger nur Jürgen Klopp ein. „Aber der kann sich auch keine Spieler kaufen, sondern muss eine neue Mannschaft aufbauen, die zu ihm passt. Das wird dann auch vier Jahre dauern. Aber Zeit haben wir ja jetzt erst einmal.“








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