Borussia Dortmund zieht sich aus dem Poker um Said El Mala zurück. Der 1. FC Köln geht aus dem Transferstreit als Gewinner hervor, weil man im Gegensatz zum BVB standhaft geblieben ist.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Als die Nachricht am Freitag eintraf, dass sich Borussia Dortmund aus dem Werben um Said El Mala zurückziehen würde, hieß es schnell in der Dortmunder Bubble, der BVB habe knallhart entschieden. Dabei war es nicht Dortmund gewesen, das sich knallhart aus dem Poker verabschiedet hatte, sondern der FC, der knallhart bei seinen Forderungen geblieben war.
Der Grund für das Kölner Verhalten darf nicht überraschen: Die Dortmunder haben sich komplett verzockt. Während der BVB gerade bei Felix Nmecha selbst Mondpreise aufruft (120 Millionen Euro), war das erste Angebot für El Mala vor knapp einem Monat in Höhe von 28 Mio. Euro respektlos – gegenüber dem FC und auch gegenüber der Spielerseite. Wissend, dass El Mala deutlich mehr wert war, ist und sein wird. Wissend, dass der FC 50 Mio. Euro forderte. Wissend, dass es schon Angebote in dieser Größenordnung gegeben hatte.
Dortmund erhöhte respektloses Angebot um 66 Prozent
Dortmund hätte wissen müssen, dass Köln die 28 Mio. Euro niemals annehmen würde und dass dieses Angebot eigentlich auch keine Verhandlungsgrundlage für weitere Gespräche hätte sein dürfen. Seitdem musste die Borussia immer wieder mit neuen Angeboten kommen. Am Ende waren es 46 Millionen Euro plus Boni, also sage und schreibe 66 Prozent mehr als das erste Angebot. Und noch immer zu wenig.
Die FC-Verantwortlichen um Sportchef Thomas Kessler spekulierten darauf, dass der FC in jedem Fall als Gewinner aus der Transfer-Saga hervorgehen würde. Entweder mit einem prall gefüllten Konto oder mit dem besten Spieler weiterhin im Kader, der auch nächste Saison für den Klassenerhalt und mehr sorgen soll. Zudem mit dem ersten Kölner Nationalspieler seit Jonas Hector. Es hätte also schlimmer kommen können für den FC.
Der gute Draht zur El-Mala-Familie zahlt sich aus
So mancher FC-Fans ist gedanklich aber dennoch beim Worst-Case-Szenario angekommen. Was, wenn sich der Spieler schwer verletzt? Was, wenn der Spieler keine Lust mehr auf Köln hat, weil er zum BVB wollte? Was, wenn El Mala keine gute Saison spielt und im Marktwert sinkt? Eine schwere Verletzung kann immer passieren, egal wann, egal bei welchem Spieler. Auf Basis einer solchen Angst darf kein Sportchef Entscheidungen treffen. Darüber hinaus aber sind die FC-Bosse überzeugt, dass sich ihre Vorarbeit auszahlen wird.
Der FC hat mit Said El Mala und der gesamten Familie über die letzten zwölf Monate einen engen Austausch gepflegt. Die frühzeitigen Vertragsverlängerungen und deutlichen Aufbesserungen der Gehälter von Said und Malek im Sommer 2025 waren ein wichtiges Signal des Vertrauens. Daran scheinen sich die El Malas nun zu erinnern, denn Said zahlt es bislang mit starken Trainingsleistungen zurück, Malek bereits mit Toren in der U21. Und auch die Familie scheint akzeptiert zu haben, dass der FC auf seinen Forderungen bestehen musste und ein Transfer nur ab einer bestimmten Summe möglich gewesen wäre.
Jetzt kann der FC endlich mit El Mala planen
Natürlich kann die Stimmung immer kippen. Natürlich muss sich jetzt erst zeigen, dass El Mala wirklich wieder eine starke Bundesliga-Saison spielen kann. Dennoch ist nun klar, dass Kessler diese Position nicht neu besetzen muss und stattdessen mit dem besten Spieler im Kader planen kann. Nun kann der Kader final um den 19-Jährigen herum ausgerichtet und verstärkt werden. Nun können alle Beteiligten zeigen, dass der Verbleib des Stürmers auch eine riesige Chance für den FC sein kann.
Der Verkauf wäre eine ebenso große Chance gewesen. Doch der FC musste hart bleiben. Auch, um bei künftigen Verkäufen als harte Verhandler zu gelten. Nicht nur bei neuen Angeboten für El Mala. Der FC will bei den Großen auf dem Transfermarkt mitspielen. Nun hat Borussia Dortmund gezeigt bekommen, was das bedeutet.







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