In der Rückrunde hat Ragnar Ache gezeigt, dass er auch in der Bundesliga ein Torjäger sein kann. Und der Stürmer des 1. FC Köln investiert viel, um jetzt eine komplette Saison abliefern zu können. Im Interview mit dem GEISSBLOG spricht Ache über seine akribische Arbeit, sein Tore-Ziel, seine spezielle Verbindung mit Said El Mala und vieles mehr.
Das Interview in Kitzbühel führten Marc L. Merten und Martin Zenge
GEISSBLOG: Ragnar Ache, die ersten Vorbereitungswochen sind vorüber. Wie ist Ihr bisheriger Eindruck von der Mannschaft und dem neuen Trainerteam?
RAGNAR ACHE: „Gut. Wir sehen den Plan und wir wissen, wie der Trainer denkt. Jetzt geht es darum, es umzusetzen.“
Sie selbst wurden nach Ihrer Muskelverletzung zum Ende der vergangenen Saison zunächst noch geschont. Wie geht es Ihnen?
„In der ersten Trainingswoche habe ich noch etwas reduzierte Trainings-Einheiten absolviert, jetzt mache ich voll mit. In Bergisch Gladbach habe ich eine halbe Stunde bekommen, die Spielzeit bauen wir jetzt auf. Ich fühle mich gut.“
Ache: „Meine Basis ist viel besser als vor einem Jahr“
Die Verletzung zogen Sie sich Mitte April auf St. Pauli zu. Handelte es sich um eine komplizierte Verletzung oder warum mussten Sie jetzt noch gesteuert werden?
„Nein, es ist nur so: Nach solch einer langen Pause vergisst man, dass man verletzt war. Man fängt wieder mit der Mannschaft an, muss aber berücksichtigen, dass die Jungs sieben Wochen frei hatten und ich davor schon vier Wochen raus war. Das letzte Mannschaftstraining war für mich drei Monate her. Deswegen musste ich aufgebaut werden.“
Sie haben in Ihrer Karriere einige Erfahrungen mit Verletzungen machen müssen. Was sagt Ihnen Ihr Körper jetzt?
„Ich habe volles Vertrauen in meinen Körper. In der Offseason habe ich daran gearbeitet, den Muskel und meinen Körper generell zu stärken. Die Verletzung ist gar nicht mehr in meinem Kopf. Meine körperliche Basis ist ohnehin viel besser als vor einem Jahr. Daran haben wir die ganze letzte Saison gearbeitet.“
Sie sprechen es an: Als Sie im vergangenen Sommer aus Kaiserslautern nach Köln gewechselt sind, gab es für Sie einen speziellen Plan, um sie zu stabilisieren.
„Und der Plan war perfekt – bis zu dieser sehr unnötigen Verletzung. Der Rest war top. Ich habe die nötige Zeit bekommen. Natürlich war nach dem Wechsel zum FC ein bisschen Druck da, aber der Trainer und die athletische Abteilung haben mir gesagt: ‚Mach dir keinen Kopf, wir bauen dich jetzt auf, sodass du über die Saison hinweg performen kannst. Nach einer Zeit wirst du merken, dass du dich besser und fitter fühlst, auch die 90 Minuten spielen kannst.‘ Das ist genauso gekommen.“
Klar hätte ich gerne schon früher mehr Tore gemacht, aber am Ende des Tages war ich sehr zufrieden.
Ragnar Ache
Wie nervig war der Rückschlag gegen St. Pauli, wenn man bedenkt, wie viel Sie investiert haben?
„Natürlich ist so etwas nervig. Wir achten einfach auf jede Kleinigkeit, aber trotzdem bleibt ein Restrisiko. Die Verletzung gegen St. Pauli war Pech. Ich habe direkt beim Antritt gemerkt, dass in dem Muskel irgendwas passiert ist.“
Mit sieben Toren und fünf Vorlagen in der Bundesliga sowie einem Treffer und zwei Assists im DFB-Pokal waren Sie dennoch der zweitbeste FC-Scorer. Stellt Sie diese Ausbeute zufrieden?
„Bis zum Winter hatte ich nur ein Tor und einige Vorlagen – am Anfang war ich eher Joker. In der zweiten Saisonhälfte lief es viel besser. Klar hätte ich gerne schon früher mehr Tore gemacht, aber am Ende des Tages war ich sehr zufrieden. Vor allem, weil ich viele Spiele gemacht habe – mehr als die meisten erwartet hätten.“
Sie haben bei Frankfurt einst schon Bundesliga gespielt, dann noch mal einen Umweg über die 2. Liga genommen und in Kaiserslautern geglänzt. War die Rückrunde der Beweis, dass Sie in die Bundesliga gehören?
„Viele Leute sagen: Wenn man in der 2. Bundesliga gut spielt, heißt das noch lange nicht, dass man in der Bundesliga funktioniert. In der ersten Saisonhälfte hieß es dann auch bei mir: Viele Assists, wenig Tore – wofür ist ein Stürmer da? Umso glücklicher war ich über meine Tore in der zweiten Saisonhälfte.“
Bitterer Moment gegen Union – Verbindung mit El Mala
Mit dem Fallrückzieher gegen Hoffenheim als Highlight?
„Das kann man schon sagen. Manchmal wird mir das Tor bei Social Media vorgeschlagen, aber ich gucke es mir nicht mehr an (lacht).“
In Erinnerung geblieben ist auch eine Szene aus dem Spiel gegen Union Berlin im Dezember. Nach Ihrer Auswechslung saßen Sie völlig niedergeschlagen auf der Bank. Was hat Sie in dem Moment so getroffen?
„Ich wurde ganz früh nach der Halbzeit ausgewechselt – obwohl der Trainer in der Halbzeit gesagt hatte, dass wir gut spielen und einfach weitermachen sollen. Als er mich dann in der 58. Minute ausgewechselt hat, habe ich mich gefragt: Was habe ich in den paar Minuten falsch gemacht? Das waren die Gedanken in meinem Kopf. Zumal es ein Spiel war, bei dem ich nach einer längeren Zeit wieder in der Startelf stand.“
Die Flanke zu Ihrem Fallrückzieher hat Said El Mala geschlagen. Wie froh wären Sie, auch in der neuen Saison von seinen Flanken profitieren zu können?
„Sehr froh. Aber es geht nicht nur um Flanken. Ich lege den Ball auch gerne auf ihn ab, damit er ins Dribbling geht. Es ist einfach geil, zu sehen, wie er an den Leuten vorbeigeht, obwohl da eigentlich kein Durchkommen ist.“
Am Anfang habe ich schon ein paar Witze darüber gemacht. Gefühlt sind 1000 Vereine an ihm interessiert.
Ragnar Ache über El Mala
Warum passen Sie beide so gut zusammen?
„Ich bin jemand, der in Kopfballduelle geht und den Ball festmacht. Dann ist mein Job beendet und Said kann seinen machen, kann ins Dribbling gehen. Das passt zueinander. Mich werdet ihr fast nie dribbeln sehen (lacht). Dann lege ich lieber den Ball auf Said ab und gehe in die Box. Das hat gut funktioniert, wir verstehen uns richtig gut – auch neben dem Platz. Es ist schön, mit ihm zusammenzuspielen.“
Über Saids Zukunft wird täglich spekuliert. Drücken Sie ihm auch mal einen Spruch und scherzen?
„Am Anfang habe ich schon ein paar Witze darüber gemacht. Gefühlt sind 1000 Vereine an ihm interessiert. Aber das nervt ihn ja auch nach einer Zeit. Momentan ist das eigentlich gar kein Thema in der Mannschaft.“
Haben Sie ihn nach der Nicht-Nominierung für die WM getröstet?
„Ich habe ihm geschrieben, dass er den Kopf hochhalten muss.“
Aches Tore-Ziel: „Zweistellig wäre schön“
Was sind Ihre persönlichen Ziele für die neue Saison?
„Fit bleiben, Tore schießen und Assists machen – der Mannschaft helfen. Ich bin niemand, der sich eine konkrete Marke als Ziel setzt, aber zweistellig wäre schön.“
Wo sehen Sie für sich noch Potenzial?
„In der Chancenwertung – auch wenn sie am Ende der Saison relativ gut war. Und ich will ein bisschen mehr mitspielen, nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Ich will mich mehr anbieten, im Sechzehner anspielbar sein, mich nicht verstecken. Das fordert René auch von mir. Auch bei den Kopfballtoren ist noch Potenzial da. Das hat viel mit dem Stellungsspiel zu tun, die Abwehrspieler in der Bundesliga sind ein wenig schlauer als in der 2. Liga.“
Der FC sucht dem Vernehmen nach noch einen weiteren Mittelstürmer. Was würden Sie Thomas Kessler raten: Reicht ein Back-up für Sie oder brauchen Sie einen Konkurrenten?
„Konkurrenten sind immer gut. Dann werde ich besser, dann wird er besser. Wer kommt, müssen andere entscheiden – das ist nicht mein Job. Mein Job ist, fit zu bleiben und Tore zu schießen.“








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