Nach der Generalprobe: Gewinner, Verlierer – und eine bekannte Problemzone

Linksverteidiger Gideon Mensah ist noch nicht in Top-Form. (Foto: IMAGO / Panama Pictures)
Linksverteidiger Gideon Mensah ist noch nicht in Top-Form. (Foto: IMAGO / Panama Pictures)

Noch eine Trainingswoche bleibt dem 1. FC Köln, dann wird es mit dem Auftakt im DFB-Pokal bei den Würzburger Kickers erstmals ernst. Nach den verlorenen Generalproben in Paderborn: Welche Positionen sind besonders umkämpft – und welche bereiten Sorgen?

Ergebnistechnisch hatte sich der 1. FC Köln in diesem Sommer schadlos gehalten. Siege gegen Amateurclub Rheinsüd und Regionalligist Bergisch Gladbach, ein 2:2 gegen Hertha BSC, gleich zwei Erfolge gegen den spanischen Pokalsieger Real Sociedad. Zum Abschluss allerdings setzte es bei Aufsteiger Paderborn – dem Bundesligisten, der mit Abstand den niedrigsten Marktwert aufweist – zwei Niederlagen.

Thomas Kessler wollte die Ergebnisse nicht zu hoch hängen. „Viele Dinge der Vorbereitung haben wir auch heute wieder gesehen“, sagte der Sportchef am Sonntag und fasste knapp zusammen: „Es wäre vorne mehr drin gewesen und wir hätten hinten stabiler stehen müssen.“ Doch das sei „im positiven wie im negativen Fall im Laufe einer Vorbereitung immer mit Vorsicht zu genießen“.

Wagner: „Tun gut daran, zu analysieren“

Ab dem kommenden Montag, wenn der FC bei dem mit vier Punkten aus zwei Partien gestarteten Drittligisten Würzburg in die 2. Runde des DFB-Pokals einziehen will, gilt es. Zuvor wollen René Wagner und sein Trainerteam die Generalproben und die Vorbereitung insgesamt noch einmal Revue passieren lassen.

„Wir tun gut daran, in Ruhe zu analysieren und mit den Jungs zu reden“, wollte Wagner in Paderborn noch keine voreiligen Schlüsse mit Blick auf seine Pokal-Elf ziehen. Der FC-Trainer meint: „Zu dem Zeitpunkt war es der Test, den wir brauchten, um an ein, zwei Stellschrauben zu drehen, die jetzt wichtig werden.“ Wer sind die Wackelkandidaten – und wer konnte überzeugen?

In der Defensive deutet sich zum Pflichtspiel-Start eine fast schon traditionelle Problemzone an: Es sind mal wieder die Außenverteidiger-Positionen, die Anlass zur Sorge gaben. Gideon Mensah ist nach seinem verspäteten Einstieg in die Vorbereitung – nach WM-Urlaub und Infekt – anzumerken, dass er noch deutlich von seiner Topform entfernt ist.

Mensah mit Problemen

Auf das holprige Debüt gegen Real Sociedad folgte in Paderborn eine schwache Leistung des Linksverteidigers. Bei der 2:3-Niederlage im ersten Spiel resultierte der Freistoß zum Paderborner 1:1 aus einem Ballverlust des Neuzugangs, das 1:2 aus einer Hereingabe über seine Seite. Im Spiel nach vorne zeigte sich, dass Mensah noch nicht lange mit seinen Teamkollegen auf dem Platz steht. Einen wirklichen Herausforderer hat der Ghanaer allerdings nicht. Thomas Kessler fahndet nach einem weiteren Linksverteidiger, bis dahin nimmt Youngster Jonathan Friemel die Rolle als Back-up ein.

Paderborns dritter Treffer fiel derweil über die rechte Kölner Seite, wo sich Alessio Castro-Montes von Oliver Batista-Meier aus dem Spiel nehmen ließ – zugegebenermaßen durch eine Weltklasse-Ballmitnahme des Paderborners. Der defensiv stabilere Sebastian Sebulonsen fällt bekanntlich aufgrund eines Muskelfaserrisses aus. Doch Youngster David Fürst punktete im B-Team mit einem Assist und ist generell eine positive Überraschung der Vorbereitung.

Im Abwehrzentrum läuft es wie erwartet auf das Duo Jahmai Simpson-Pusey und Luka Lochoshvili hinaus, die sich in Paderborn wie schon gegen Real Sociedad einspielen durften. Drei Gegentreffer in nur 14 Minuten konnten auch die beiden Innenverteidiger nicht verhindern, doch gerade Simpson-Pusey rettete auch mehrfach in höchster Not und deutete seine Spielstärke mit einem feinen Ball auf Linton Maina an. So müssten Joel Schmied und Rav van den Berg auf die Bank, Julian Pauli und Elias Bakatukanda womöglich sogar auf die Tribüne.

Chance für Okon-Engstler, Pokalstart für Johannesson?

Im Mittelfeldzentrum durfte sich derweil Neuzugang Paul Okon-Engstler noch einmal im A-Team zeigen. „Wir haben geguckt, welches Pärchen noch nicht auf dem Feld war. Tom Krauß und Paul hatten wir zwar schon gegen Hertha gesehen, das war aber ein Spiel, als Paul erst kurz da war. Ich wollte ihm die Chance geben, sich noch mal anzubieten auf der Position“, erklärte Wagner im Anschluss.

Der Australier blieb weitestgehend unauffällig, während Isak Johannesson im zweiten Testspiel traf. „Isak hat es gut gemacht“, lobte Wagner und dürfte im Pokal auf Krauß und den Isländer setzen. Die Verpflichtung eines neuen Stabilisators für die Sechs steht weiterhin aus. „Wir werden sehen, wie wir in Würzburg reagieren. Aber alle haben versucht, sich von ihrer besten Seite zu zeigen“, sagte der FC-Trainer, der auch Youngster Patrik Kristal wieder viel Spielzeit schenkte.

„Sie hatten viele Phasen, wo sie es gut gemacht haben – und ein, zwei Phasen, an denen wir arbeiten wollen“, ergänzte Wagner. Wobei das nicht nur für die zentralen Mittelfeldspieler gelte. „Das ist bei jedem Spieler so, auf jeder Position. Es gibt gerade viel Konkurrenzkampf“, ergänzte der 38-Jährige, der auch im offensiven Mittelfeld noch mal eine neue Kombination ausprobierte. Neben dem bei Verbleib gesetzten Said El Mala liefen Jan Thielmann als Zehner und Linton Maina als Rechtsaußen auf.

Waldschmidt und Bülter treffen am häufigsten

Die beiden langjährigen FC-Profis, die auf eine enttäuschende Vorsaison zurückblicken, konnten die positiven Eindrücke der vergangenen Wochen durchaus bestätigen. Maina bereitete nicht nur den Führungstreffer durch Ragnar Ache vor, sondern legte in der ordentlichen ersten Halbzeit des A-Teams nahezu jede Kölner Möglichkeit auf. Als ein Gewinner des Sommers dürfte er zunächst erste Wahl sein.

Zwei Routiniers schlossen die Vorbereitung als erfolgreichste Torschützen ab und müssen bei den positiven Erscheinungen folglich ebenfalls erwähnt werden: Luca Waldschmidt und Marius Bülter trafen in den Testspielen jeweils fünfmal. Youssoupha Niang erzielte immerhin drei Tore und machte in Paderborn zumindest phasenweise als Rechtsaußen Betrieb. Mehr Betrieb als Reigan Heskey, der noch Anpassungsprobleme hat – die bei einem 18-Jährigen in seiner ersten Profisaison aber definitiv einzupreisen sind.

Im Angriff nutzte Ragnar Ache, der im GEISSBLOG-Interview in Kitzbühel angekündigt hatte, an seiner Chancenverwertung arbeiten zu wollen, seine beste Möglichkeit eiskalt aus. Zwar hat der FC am Montag mit Thijs Dallinga einen weiteren Mittelstürmer präsentiert, doch Ache dürfte zunächst gesetzt sein.

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
16 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete