Das eigentliche FC-Problem? „Keiner wusste, was zu tun ist“

Die FC-Profis um Linton Maina waren gegen Bremen in der zweiten Halbzeit ratlos. (Foto: Bucco)
Die FC-Profis um Linton Maina waren gegen Bremen in der zweiten Halbzeit ratlos. (Foto: Bucco)

Gut angefangen, stark nachgelassen: Der 1. FC Köln hat den Heimsieg gegen Werder Bremen aufgrund einer schwachen zweiten Halbzeit aus der Hand gegeben. Linton Maina fand im Anschluss deutliche Worte.

Phasenweise sieht der Saisonstart des 1. FC Köln gut aus. Aber eben nur phasenweise. Beim 1:1 gegen Werder Bremen zeigten die Geißböcke zum wiederholten Male innerhalb eines Spiels zwei verschiedene Gesichter. Genau wie in Stuttgart trat die Mannschaft von René Wagner nach der Halbzeit wie verwandelt auf – diesmal allerdings im negativen Sinne.

„Irgendwie haben wir den Faden verloren“, sagte ein mächtig gefrusteter Linton Maina. „Wir haben abgewartet, sind vielleicht zu tief angelaufen, hatten Abstimmungsfehler – da kam einiges zusammen, sodass wir gar nicht mehr gut ins Spiel gefunden haben.“ Dabei waren Spieler und Trainerteam nach dem immer passiveren Ende des ersten Durchgangs vorgewarnt: „Eigentlich haben wir es in der Kabine angesprochen“, berichtete Maina.

Maina: „Es darf nicht so dahinplätschern“

Doch weder auf dem Platz noch an der Seitenlinie war der FC in der Lage, den Bremer Aufschwung zu stoppen. Das 1:1 war die logische Konsequenz. Sind es die fehlenden Automatismen, die das neu zusammengestellte Team zwischenzeitlich zusammenbrechen lassen? „Das kann ein Grund sein. Mit der Mannschaft haben wir noch nicht gespielt“, sagte Maina, wollte dies aber nicht als Ausrede gelten lassen: „Jeder hat schon in vielen Mannschaften gespielt. Wir probieren, so schnell wie möglich Fuß zu fassen und umzusetzen, was der Trainer von einem will.“

Das eigentliche Problem aus seiner Sicht: „Die Sachen, die von uns nicht so gut waren, waren kommunikativ – dass keiner so richtig wusste, was zu tun ist.“ Maina, der inzwischen zu den dienstältesten FC-Profis zählt, nahm vor allem sich und seine Teamkollegen in die Pflicht: „Ich will nicht sagen, dass wir uns auch mal anschreien müssen, aber es darf nicht so dahinplätschern, dass wir gefühlt warten, bis ein Tor fällt.“

Das ist echt kräftezehrend, wenn du nur hinterherläufst. Man hat es gesehen: Die Mannschaft war kaputt.

Linton Maina

In schweren Phasen fehlt es dem FC offenbar an Führung auf dem Rasen. „Ich glaube, jeder war so ein bisschen mit sich selbst beschäftigt und wusste nicht so richtig, was der Fehler ist“, so Maina. Zu lieb sei die Mannschaft nicht. „Aber wir müssen Lösungen finden, damit diese Phasen nicht über einen solch langen Zeitraum gehen. Das ist echt kräftezehrend, wenn du nur hinterherläufst. Man hat es gesehen: Die Mannschaft war kaputt“, sendete der Torschütze einen Hilferuf, bei dem natürlich auch René Wagner gefragt ist.

„Wenn man das Gefühl hat, dass man für 20 Minuten nicht mehr richtig hinten rauskommt, gibt das jedem ein schlechtes Gefühl“, zeigte der FC-Trainer Verständnis für den Frust und kündigte an: „Für uns gilt es, das zu analysieren und zu schauen, was die Gründe waren. Ohne die Emotionen zu vergessen.“

Wagner: „Nicht immer alles wie am Reißbrett“

Und auch Wagner nahm seine Führungsspieler in die Pflicht: „Ein Gegner stellt sich ein, hat andere Ideen. Es wird nicht immer funktionieren, dass wir vorher sagen, was passiert. Im Stadion vor 50.000 Leuten können wir nicht jede einzelne Aktion von draußen mitgeben. Dann ist es wichtig, dass wir die Mannschaft darauf vorbereiten, dass wir in der Lage sind, selbst Lösungen zu finden.“

Schon während der Saisonvorbereitung hatte sich Wagner zeitweise bewusst zurückgenommen und während des Trainings nur beobachtet, damit mehr Kommunikation auf dem Platz stattfindet. Es herrscht weiterhin klarer Verbesserungsbedarf. „Es ist nicht immer alles wie am Reißbrett oder an der Taktiktafel zu lösen – die Jungs müssen es schaffen, in Phasen, wo es mal nicht für sie läuft, Führung zu übernehmen.“

Für den Kölner Coach ein verständlicher Prozess: „Die Mannschaft ist mit neuen Spielern bestückt. Da geht es darum, sich zu finden. Das müssen wir jeden Spieltag wieder neu versuchen. Dann wird sich der Kern im Laufe der Saison festigen.“ Noch ist der neue FC in der Findungsphase.

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