Streetwork ist aus dem Stadtbild Kölns nicht mehr wegzudenken. Im Sommer kamen zwei Kunstwerke einer niederländischen Graffiti-Gruppe in Ehrenfeld und dem Belgischen Viertel dazu. Sie verewigten die FC-Legenden Christoph Daum und Bodo Illgner an prominenten Stellen der Stadt.
Dass der 1. FC Köln ein Teil des Stadtbilds und der Kultur rund um den Dom ist, wird niemand ernsthaft bestreiten. Wenn man mit offenen Augen durch Köln geht, wird man dabei so manches Mal an die große Historie des Clubs erinnert. An die großen Zeiten unter Hennes Weisweiler, an die Legenden um Wolfgang Overath, natürlich auch an Lukas Podolski, nicht zuletzt durch seine Döner-Kette.
Aber auch an die letzte, zwar titellose aber erfolgreiche Epoche des Clubs wird jetzt an zwei Stellen der Stadt die Erinnerung wachgerufen – mit Graffitis von Kult-Coach Christoph Daum und Torwart-Legende Bodo Illgner.
Illgner & Daum: Zwei ambivalente FC-Legenden
Zu beiden gibt es unter den FC-Fans ein durchaus ambivalentes Verhältnis. Bei Trainer Daum war es die bis heute mysteriöse Entlassung während der Weltmeisterschaft 1990. Sie war für viele der Beginn des Niedergangs des Vereins hin zu der Fahrstuhlmannschaft der vergangenen fast 30 Jahre. Auch die Rückkehr mit teils kuriosen Transfers, dem anfänglichen Misserfolg, den Schlagzeilen um seine Söldner-Truppe und dem Last-Minute-Abschied in Richtung Istanbul 2010 lassen die Fans mit gemischten Gefühlen an den 2024 verstorbenen Coach denken. Das Graffiti in Ehrenfeld mit dem impulsiven Bild des charismatischen Trainers spiegelt jedoch all die Kraft und die Leidenschaft wider, die in dem Kölner gesteckt haben.
Ganz prominent direkt am Brüsseler Platz springt einem seit Juni dagegen Bodo Illgner ins Auge – und das in einem ganz besonderen Trikot. Es ist das „Regenbogen-Jersey“ aus der Saison 1992/93 mit dem damaligen Sponsor Citibank auf der Brust. Das Puma-Trikot ist bis heute Kult, war es doch in seinen grellen Farben für damalige Zeiten komplett neuartig.
Illgner erhoffte sich davon sicher auch eine psychologische Wirkung, wenn der Weltmeister von 1990 im Neonlook unerschrocken den gegnerischen Stürmern entgegensprang. Die Saison war allerdings die letzte Illgners. Im Sommer danach zog der Keeper mit seiner Partnerin Bianca eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag. Er wechselte am letzten Tag der Transferperiode zu Real Madrid.
Ein Warhol für Schumacher, ein Graffiti für Illgner
Und doch ist die Keeper-Legende in FC-Kreisen unvergessen. Vorgänger Toni Schumacher war einst von Andy Warhol gedruckt worden, aber Illgner freut sich auch über diese Streetart-Kunst: „Das ist ja der Oberhammer. Dass sich jemand so eine Mühe macht, freut mich sehr“, sagt er zum GEISSBLOG. „Dazu muss man sagen: Es ist auch noch außergewöhnlich gut gemacht!“
Doch wer steckt hinter der Streetart von Illgner und Daum mitten in den Kölner Hotspots? Unterschrieben sind die Werke von „Kamp Seedorf“ und wer auf Instagram sucht, findet die Graffiti-Künstler schnell. Es ist eine Gruppe aus Amsterdam, die sich im Sommer auf Deutschland-Tour gemacht und überall ihre Duftmarken hinterlassen hat. Unter anderem mit weiteren Kölner Größen: Die Maus und der Elefant aus der „Sendung mit der Maus“ wurden ebenfalls verewigt.
Kamp Seedorf-Künstler: „Illgner der König des Styles“
Aber wie kamen die Amsterdamer ausgerechnet auf die kölschen Stars? Der GEISSBLOG hakte nach. „Wir haben ein paar Torhüter in unserer Truppe und sie haben schon immer dieses verrückte Trikot geliebt. Bodo war für uns der König des Styles“, lassen die Seedorf-Jungs wissen.
Und Daum? „Auch er ist für uns eine Legende und wir haben natürlich alle verrückten Storys auf und neben des Platzes gehört. Wir mögen Leute, die nicht stromlinienförmig sind oder langweilig, sondern alles für den Fußball geben, aber dann auch mal Dinge tun, die sie vielleicht bereuen würden. Oder auch nicht. Möge er in Frieden ruhen.“








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