Wagner soll erstes Eigengewächs seit Daum und Rutemöller werden

Christoph Daum und Erich Rutemöller 1990. (Foto: IMAGO / Pressefoto Baumann)
Christoph Daum und Erich Rutemöller 1990. (Foto: IMAGO / Pressefoto Baumann)

Der 1. FC Köln will mit René Wagner in die Zukunft gehen. Die Trainer-Entscheidung wäre ein Novum in der jüngeren Geschichte des Clubs. Die letzten echten Eigengewächs auf der Trainerbank waren zwei spätere Legenden.

René Wagner hat eine außergewöhnliche Vita für einen Bundesliga-Trainer. Der 37-Jährige gelangte über ein Stipendium nach Hawaii, spielte dort selbst, wurde dort Trainer, wechselte über mehrere Stationen in den USA schließlich zurück nach Deutschland und landete 2021 erstmals beim 1. FC Köln. Fünf Jahre später soll er als Cheftrainer die Geißböcke in die Zukunft führen.

Die Entscheidung (GEISSBLOG berichtete) ist zwar noch nicht offiziell, doch Thomas Kessler sagte am Donnerstag unzweideutig: „René hat die Stellschrauben genau im richtigen Moment verändert, wir haben die nötigen Punkte geholt, auch in extrem wichtigen und schwierigen Auswärtsspielen. Er macht einen sehr guten Job. Das ist aller Ehren wert in so einer entscheidenden Situation erstmals als Cheftrainer das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen und das dann so souverän umzusetzen.“

Daum und Rutemöller – danach schaffte es keiner mehr

Auf GEISSBLOG-Nachfrage, ob Kessler Wagner zutraue, eine Mannschaft auch mittelfristig zu entwickeln, antwortete der Sportchef: „Das traue ich ihm definitiv zu.“ Damit würde Wagner seinen besonderen Weg zum Cheftrainer in Deutschland krönen – und gleichzeitig erstmals seit 35 Jahren wieder als Trainer-Eigengewächs dauerhaft zum Chef aufsteigen. 1986 stieg einst Christoph Daum vom Trainer der zweiten Mannschaft über seine Co-Trainer-Rolle zum Cheftrainer auf und wurde Ende der 80er Jahre zweimal mit dem FC Vize-Meister.

Nach seiner überraschenden Entlassung während der WM 1990 übernahm erneut ein Trainer der zweiten Mannschaft, es war Erich Rutemöller. Der heute 81-Jährige spielte mit dem FC europäisch und führte die Geißböcke ins DFB-Pokal-Finale. Daum und Rutemöller – zwei Trainerlegenden, auf die in den folgenden Jahrzehnten keine weiteren erfolgreichen Trainer-Beförderungen aus dem Nachwuchs folgten.

Gelingt Kessler und Wagner ein nachhaltiger Erfolg?

Frank Schaefer blieb nicht lange unter Volker Finke, obwohl er eigentlich erfolgreich war. Wolfgang Jerat und Christoph John konnten einst ihre Chancen nicht nutzen. Stephan Engels machte auch nur 23 Spiele als Cheftrainer. Stefan Ruthenbeck konnte den Abstieg 2018 nicht verhindern. Andre Pawlak bekam die Chance nicht, obwohl er sie gerne ergriffen hätte. So ist also Wagner erstmals seit Daum und Rutemöller wieder ein echter Kandidat für die FC-Zukunft.

Kann ihm gelingen, die Geißböcke in der Bundesliga zu stabilisieren? Klar ist: Die Ziele des FC wachsen in den nächsten Jahren nicht hoch hinaus. Der Klassenerhalt wird auch in der kommenden Saison oberste Priorität haben. Der Club strebt nach einem neuen Weg. Und der soll mit Sportchef Kessler als Eigengewächs an oberster Stelle sowie mit Wagner als Trainer-Eigengewächs erfolgreicher und vor allem nachhaltiger werden als alles, was der Club seit Daum und Rutemöller durchgemacht hat.

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