Overath

Zwischen Aussöhnung und Verdrehung der Geschichte

Beim 1. FC Köln steht eine Versöhnung der besonderen Art bevor. Wolfgang Overath und das amtierende Präsidium haben sich über die letzten Monate angenähert. Ein Treffen scheint möglich, sogar eine Rückkehr des FC-Idols ins RheinEnergieStadion. Die „Causa Overath“ zeigt aber auch, dass die Betrachtungswinkel noch immer absurd weit auseinander liegen.

Köln – Wer am Montagmorgen den Kölner Blätterwald konsultierte und miteinander verglich, staunte nicht schlecht. Da waren auf der einen Seite der „Express“ und die „Bild“, die von der bevorstehenden Versöhnung zwischen Ex-Präsident Overath und dem aktuellen Vorstand um Werner Spinner berichteten. Und dann war da der „kicker“.

Fatale Mischung aus erstaunlicher Inkompetenz und ewiggestriger Arroganz

Auf vier Seiten legte Reporter Frank Lußem unter dem Titel „Bock auf mehr“ dar, wie sich der Effzeh in den letzten Jahren gewandelt hat, mit „Kompetenz statt Arroganz“ und trotzdem mit kölscher Identität. Drei Seiten zuvor, im Editorial der Chefredaktion, hatte Jean-Julien Beer noch einen ganz anderen Ton angeschlagen: „Böse heruntergewirtschaftet, chaotisch geführt“, fällte Beer ein vernichtendes Urteil über den Effzeh kurz nach der Jahrtausendwende. „Ein so toller Verein – mit einer Fratze zum Fremdschämen. Um ein Haar, das ist inzwischen klar, hätte der erste Bundesligameister diese fatale Mischung aus erstaunlicher Inkompetenz und ewiggestriger Arroganz nicht überlebt.“

Eine gehörige Portion Mitschuld an letzterem Urteil, das ist (nahezu) unwidersprochen, hatte der damalige Präsident Wolfgang Overath. Gemeinsam mit Manager Michael Meier, Geschäftsführer Claus Horstmann und betriebsblinden Kontrollgremien hatte er den Effzeh an den Rande des Kollaps gewirtschaftet. Ein Umstand, den der heute 72-Jährige nie wirklich eingestanden hat. Dass Werner Spinner ihm dies später vorwarf und mit harten Worten kritisierte, hat Overath bis heute nicht verwunden. Der heutige FC-Präsident musste sich erst indirekt entschuldigen, ehe eine Annäherung möglich wurde.

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  1. Dennis

    Ich kann mich noch gut an dieses Zitat erinnern von Overath: „Ich werde am Samstag in Hannover sein und meine Freizeit opfern“ bei einem FC-Auswärtsspiel. Ein absoluter Schlag ins Gesicht aller Auswärtsfahrer vom damaligen Präsidenten und ich wundere mich bis heute, warum die Medien nicht mal darauf eingegangen sind. Kompetenz auf dem Platz war unbestritten. Aber als Präsident? 0,0.

    Seitdem kann er auch jetzt noch bleiben wo er ist.

  2. Klaus

    Kleine Randbemerkung – lustig dass Ihr die schwachen Kontrollgremien unter Overath ansprecht (zu Recht) und gleichzeitig in der Causa Mitgliederrat zu 100 % auf der Euch stetig O-Ton gebenden Vorstandsseite seid. Denn eben jener Mitgliederrat ist eine Errungenschaft des Papiertigers und Vorgängers Verwaltungsrat. Etwas mehr Differenzierung wäre da angebracht. Das normale Mitglied findet für einen Teilzeitjob eine Aufwandsentschädigung wie die eines Zahnarztes nämlich nicht so läppisch, dass man diese beleidigt ausschlagen müsste. Genauso wenig ist es zuviel verlangt, dass der Vorstand vor einer Neunominierung seine Ziele beim Mitgliederrat vorstellt.

  3. Tropper

    Ich versteh nicht warum das Thema „Wolfgang Overath“ alle paar Monate wieder hochkommt: Fakt ist das seine Bilanz als Präsident beim FC mies ist. Fakt ist seit dem er alles hingeworfen hat geht es beim FC aufwärts.

    Für mich klingt das immer so als ob es darum geht das man mit dem Namen Overath wieder PR machen möchte und ich sehe da die Gefahr dass dann recht schnell das Geheule wieder losgeht wenn Wolfgang Overath wieder Queer schießt.

    Ich glaube man fährt einfach besser so wie es nun ist.

  4. RainerAlbert

    Irgendwie spürt man es ihm ab ,dass er sich auch in Zukunft immer wieder unverstanden fühlen wird. Ein Plus für das jetzige Präsidium, mit dem vorherigen Präsidenten W.O. endlich ein Weg zum gemeinsamen Frieden zu finden.
    Wer wie er schon 5 Jahre aus Bockigkeit nicht mehr „seinen FC “ live im Stadion gesehen hat, wird sich auch für weitere Jahre nicht zu schade sein, sein FC-Image durch beleidigte Wichtigtuerei weiter zu ramponieren.

  5. udo schmidt

    Aussöhnung ja,aber nicht zu Kreuze kriechen.WO hat dem Verein schwer geschadet und ihn trotz Mahnungen an den Rand des Ruins getrieben.Eine Entschuldigung bei den Fans wäre das Mindeste was man ihm abverlangen müßte.Ansonsten kann er sich die Spiele im PayTV anschauen.

    • Hallo

      Wo habt ihr alle die Informationen her? WO hat den Verein in den Ruin getrieben und soweiter. Wenn du so etwas schreibst, dann lege mal Zahlen dar. Last doch mal den Mann in Ruhe, denn hat viel geleistet für den FC. Immer das negative über WO ,aber das andere wohl vergessen., oder noch nicht mal geboren zu der Zeit.

  6. Alex

    Spieler Overath? Eine Lichtgestalt des FC!
    Präsident Overath? Wer war das?
    Es scheitn als hätte Overath noch imme rnicht erkannt (oder er will es sich und anderne zumindest nicht eingestehen) das er den FC fast in den Ruin getrieben hätte. Ich nehem ihm sogar ab, dass er dies nicht absichtlich gemacht hat. Aber als Präsident trug er die verantwortung und hat einige haarsträubenden Entscheidungen getroffen.
    Ein grosser (Spieler, Sportler, Präsident) sollte auch den Schneid (die Eier!) haben dazu zu stehen, anstatt sich „groß, missverstanden und beleidigt“ zu fühlen.
    Ein Toni Schumacher war nachdem ihn der Verein 20(!) Jahre gedisst hat (übrigens flascherweise!) bereit Verantwortung zu übernehmen.
    Davon sollte sich Overath mal ne Scheibe abschneiden.

  7. Nick

    Man muss allen damals handelnden Personen hier Misswirtschaft vorwefen. Auch wenn die Satzung noch eine andere war, laut derer der Präsident einfach mehr zu entscheiden hatte, so gab es immer auch noch einen Geschäftsführer Klaus Horstmann, Aufsichtsräte und Gremien…

    Der größte Fehler war sicherlich das ein Abstieg als „unmöglich“ galt – die Spieler hatten keine angepassten Verträge für die 2.Liga usw. Man lebte in der Scheinwelt – „Wir sind der große Effzeh…“

    Ohne den Abstieg wären wir auch nicht in so finanzielle Schwierigkeiten geraten, was aber keine Entschuldigung sein soll. Es gab etliche Fehltransfers von Spielern und Trainern – einfach keine Kontinuität.

    Trotzdem ist Wolfgang Overrath immer noch ein Teil des Effzehs und wird es auch immer bleiben. Jedoch würde ich hier auch nicht zu sehr in den Ar… kriechen und auch keine Diskussionen über Express und Co. führen. Wenn ich lese WO hat gesagt – „Ich habe GELESEN was Werner Spinner gesagt hat…“ frage ich mich, warum fährt WS nicht einfach nach Siegburg und bespricht das in aller Ruhe und keiner bekommt es mit…Die Tür schlägt ihm WO bestimmt nicht vor der Nase zu und falls doch würde ich WO einfach bis zum Ende seiner (WS) Amtszeit in Siegburg vorm Fernseher sitzen lassen…

  8. Hanseatic Geissbock

    Die Präsidentschaft des Wolfgang Overath bleibt ein sehr unschönes Thema. Letztlich stand und steht WO seine große Eitelkeit im Wege.
    Vergleicht man zB den Umgang des FC Bayern mit Franz Beckenbauer mit der Situation bei uns, muss man feststellen, dass Franz Beckenbauer noch viel merkwürdigere Dinge von sich gegeben hat (auch zu seinen Zeiten als aktiver Präsídent und Kolumnist bei Bild), Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß es aber besser hinbekommen habe, diese Lichtgestalt so einzubinden, dass sie keinen Schaden anrichtet. Wie kommt es denn, dass wir diese ganzen furchtbaren FC-Entscheidungen alle WO anlasten, obwohl Michi Meier und Claus Horstmann mindestens einen ebenso großen Anteil an der Misere hatten. Ich finde es gut, dass man nun versucht, WO wieder einzubinden, aber zu viele Bücklinge müssen auch wirklich nicht sein….

  9. Rolf G.

    Ganz ohne Zweifel ist Wolfgang Overath eine Ikone des FC und des deutschen Fussballs allgemein. Verschiedene Kommentare zu seiner Amtszeit als Präsident scheinen mir aber sehr ungnädig auszufallen und zeugen auch nicht eben von der Sachkenntnis der jeweiligen Schreiber.
    Lange bevor WO unter allgemeiner Begeistung zum Präsidenten gewählt wurde, erlebte der FC eine jahrelange Periode scheinbar irreversiblen Siechtums, das schon Anfang der 1990er Jahre einsetzte und mit dem Abstieg 1998 einen ersten Höhepunkt fand. Wiederaufstieg 2001, erneuter Abstieg 2002, Aufstieg 2003, Abstieg 2004. Am 14. Juni 2004 wurde WO Präsident und, so schien es, die schlimmsten Zeiten für den FC waren vorbei. Schon damals gab es durch das Nichterreichen des Europapokals erst und der Zweitligajahre dann finanzielle Schwierigkeiten.
    Aber erstmal ging es weiter: Aufstieg 2005, Abstieg 2006, Aufstieg 2008. Es ging langsam aufwärts, bis eben 2012 das Kartenhaus zusammenbrach. Dass „ein Abstieg als unmöglich galt“, stimmt so ja wohl auch nicht. So gefestigt war der FC bei weitem nicht, als dass das nicht mit ins Kalkül gezogen werden musste.
    Es ist sicher richtig, dass der Kader teils überteuert war, teils auch charaktermässig nicht zusammenpasste, zumindest aber teilweise aus Akteuren bestand, die ihren Zenit überschritten hatten. Erinnern wir uns daran, dass der FC noch in der Winterpause 2011/12 mit 21 Punkten auf dem 10. Platz stand und absolut nichts darauf hinwies, dass die Mannschaft in der gesamten Rückrunde nur noch 9 Punkte (2 Siege, 3 Unentschieden, 12 Niederlagen) einfahren würde. Es ist nicht zu leugnen, dass damals gravierende Fehler gemacht wurden! Aber damals waren vor allem andere Leute für die sportliche Situation verantwortlich: Michael Meier, Volker Finke, Stale Solbakken. Richtig, WO als Präsident hatte die „politische“ Verantwortung, die ihn letzlich zum Rücktritt zwang.
    Im Vorfeld gab es zum Teil hässliche Auswüchse gegen seine Person, die er durch reichlich undiplomatisches Verhalten auch noch provozierte. Ein Machtkampf entbrannte, bis WO schliesslich entnervt „die Brocken hinschmiss“.
    WO war vom Wunsch beseelt, den FC wieder dahin zu führen, wohin er nach seinem Selbstverständnis und dem der allermeisten Fans hingehört: nach oben! Ich bin davon überzeugt, dass da nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wurde.
    Fehler sind gemacht worden, das ist ganz unzweifelhaft, teilweise sogar gravierende. Fehler sind aber auch sowohl davor als auch danach noch gemacht worden, denken wir z.B. an das „Ausmisten“, das den FC viel Geld gekostet hat.
    Es besteht allerdings kein Kausalzusammenhang zwischen der Abdankung von WO und den Erfolgen der gerade angelaufenen Ägide Spinner. Probleme gab es schon weit vor WO, Spinner hat hingegen ein Team von Fachleuten installiert, das mit Erfolg nicht nur die finanzielle Lage in den Griff bekommen, daneben auch noch sportlichen Fortschritt vorzuweisen hat. So gesehen war die Ära WO eine Fortsetzung der Politik der Neunziger, während Spinner als absoluter Glücksfall bezeichnet werden muss (weshalb ich auch den „Vergütungsvorschlag“ des Mitgliederrats für ein Beispiel kleingeistiger Kurzsichtigkeit halte).

    Den Versuch des jetzigen Präsidiums, WO zurück ins Boot zu holen, begrüsse ich ausdrücklich. Wem ist damit gedient, wenn dieser Mann, dem der FC wegen seiner sportlichen Leistungen so unendlich viel zu verdanken hat, zu Hause schmollt?
    Spinners Bemühungen liegt der Wunsch nach Einigkeit der FC-Familie zugrunde und entspringen seinem Harmoniebedürfnis. Wie man das mit „A … kriecherei“ verwechseln kann, ist mir eigentlich unbegreiflich.

    • Nick

      Richtig lesen – richtig beurteilen…wie ich nicht den „Kracher“ gefordert habe, habe ich auch nicht die Versuche der jetzigen Führung als „A…kriecherei“ bezeichnet. Sondern meine Zweifel daran geäußert ob es der Weg sein sollte, auch immer mal wieder über die Presse an WO heranzutreten. Ich begrüße die Bemühungen, aber wenn WO nicht will dann sollte man ihn in Ruhe lassen, alles weitere artet dann mal in die besagte „Arschkriecherei“ aus – bisher ist noch alles in Ordnung, nur ich würde mir wünschen, dass man das Thema nicht in der Öffentlichkeit austrägt, ebenso die Vergütungsdisskussion mit dem Mitgliederrat, die wurde auch seitens des Präsidums in die Öffentlichkeit gezogen…

      Das die damalige Führung jedoch auf einen Abstiegsfall so gut wie nicht vorbereitet war, sieht man doch an der Tatsache, dass die wenigstens Spieler Veträge bzw. angepasste Gehälter hatten…das hat doch nachher erst das „große Ausmisten“ und Retten durch die Fananleihe nötig gemacht. Die Spieler wurden teils „verschenkt“ nur weil man das Erstligagehalt nicht in der 2. Liga stemmen konnte…Also wissen tu ichs natürlich nicht, aber es sieht nicht so aus als wäre man auf den möglichen Abstiegsfall gut vorbereitet gewesen…

      • Rolf G.

        Wer lesen kann ist klar im Vorteil, sagt ein altes geflügeltes Wort. Das gilt für alle, sicherlich auch für mich oder dich! Ich weiss nicht, wie du darauf kommst, dass ich mich mit meinem Beitrag und der „A … kriecherei“ auf dich oder einen deiner Beiträge bezog – dem ist nicht so!
        Wohl habe ich dir in einem anderen Post und zu einem anderen Thema (ich weiss jetzt gar nicht mehr, um was es da eigentlich ging) fälschlicherweise etwas unterstellt und mich dann auch dafür entschuldigt.
        Mehr ist dazu nicht zu sagen.

        • Nick

          Ok. Ich dachte, weil ich der einzige war, der das genauso geschrieben hatte mit der „A….kriescherei“. Ich wollte auch nur klar stellen, das meine Meinung auch ist, das WO uns die Suppe nicht alleine eingebrockt hat und andere genannte Namen wie Meyer, Horstmann ganz außen vorgelassen werden.

          Aber ist doch schon das man mit Dir offen und sachlich diskutieren kann ;)

          • Rolf G.

            Warum gibt es hier eigentlich keine Smileys? Ich hätte dir jetzt gerne einen zugeschickt (das hattest du wohl auch versucht?!).
            Einen schönes Wochenende noch, am besten mit 3 Punkten aus Wolfsburg.


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