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Was sagen die „Rekorde“ wirklich über den Effzeh aus?

Seit einem halben Jahr ungeschlagen, die längste Auswärtsserie seit 1963/64, der beste Saisonstart seit 1987/88 und so weiter und so fort: Der 1. FC Köln lässt seit seiner Rückkehr in die Bundesliga auf gute, alte, längst in Vergessenheit geratene Zeiten hoffen. Aber was sagen diese Serien wirklich über den Effzeh aus? Ein Kommentar.

Köln – Zunächst einmal: Die meisten „Rekorde“ sind gar keine Rekorde. Sie sind das Einstellen oder Übertreffen alter Serien, denen meist noch älteren (und längere) Serien zugrunde liegen. Nur, weil der aktuelle Saisonstart der Beste seit der Saison 1987/88 ist, heißt das nicht, dass er einen Rekord darstellt. Ein Rekord ist eine Bestmarke – und diese stellten vor allem die Meister-Mannschaften der Effzeh-Historie auf.

Wann gab es das zuletzt? Genau, vor 53 Jahren!

GBK-Reporter Marc L. Merten.

GBK-Reporter Marc L. Merten.

Die Frage muss also gestattet sein: Was hilft das ständige Hinweisen und Hervorheben solcher Serien? Peter Stöger und seinem Team helfen diese Serien zunächst einmal: gar nicht. Sie sind irrelevant. Für den FC-Coach und seine Mannschaften sind andere Statistiken wichtiger: nicht einmal Zweikampfwerte, Passquote oder das neumodische Packing. Am Ende zählen für Stöger und Co. nur Tore und Punkte. Und zwar Woche für Woche. Denn sollte der Herbst 2016 wie im letzten Jahr zu einer Delle in eben jenen wöchentlichen Ergebnissen führen, interessiert schon bald keine noch so lange Serie mehr.

Und dennoch: Diese Serien zeigen, was der 1. FC Köln in den letzten vier Jahren erreicht hat. Dass nach dem letzten Abstieg nun tatsächlich wieder eine Mannschaft der Geissböcke in der Bundesliga spielt, die auswärts nur ein einziges Mal in ihrer Geschichte länger ungeschlagen geblieben ist  – nämlich vor 53 (!) Jahren – demonstriert eindrucksvoll, welch außergewöhnliche Entwicklung der Klub genommen hat. Auch die guten bis hervorragenden Starts in die letzten drei Spielzeiten waren über zwei Jahrzehnte hinweg alles andere als selbstverständlich für den Klub.

Mit dem Turbo Boost in die obere Tabellenhälfte

Dies auch dann nicht zu vergessen, sollte es in den kommenden Wochen und Monaten mal schlechter laufen, wird Aufgabe der Verantwortlichen, vor allem aber der Öffentlichkeit sein. Der Effzeh ist, gemessen an seinem Zustand im Sommer 2012, mit dem Turbo Boost zurück in die obere Tabellenhälfte der Bundesliga durchgestartet. Niemand darf erwarten, dass dieser Aufstieg auch in den kommenden Monaten weiter ohne Rückschläge vonstatten geht. Wenn, dann sollten diese Serien und Rekorde (so es denn welche sind) dazu dienen, eine Phase schlechterer Ergebnisse in einen breiteren Kontext zu stellen. Denn was nun vier Jahre lang richtig und auch statistisch nachweislich erfolgreich war und ist, darf nicht in Frage gestellt werden, sollte es einmal wieder schlechter laufen. Sollten die Serien also einmal enden, dann nur als Ansporn, neue zu starten.

Wie denkt Ihr über Serien, Rekorde und die FC-Entwicklung? Diskutiert mit!


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