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Die Geschichte eines Maskottchens

Hennes III. wurde als "Bock ohne Namen" zum achten Maskottchen des 1. FC Köln erwählt.

Der Erste bleibt für immer unvergessen – auch, weil er als Einziger noch zu Auswärtsspielen mitfuhr. Der Zweite wurde erst mit einem Moped zum Stadion gefahren und später angeblich vergiftet. Der Dritte gründete die Ära von „Bauer Schäfer“. Nummer vier starb ab Tag eines Sieges des Effzeh über den FC Bayern, Nummer fünf prägte die 80er Jahre. Mit dem Sechsten begann der sportliche Abstieg des Klubs. Und während der siebte Thronerbe erst zum Abstiegs- und Sünden- und später zum Rentenbock wurde, scheint mit dem achten Geissbock beim 1. FC Köln endlich wieder die Sonne zu scheinen. Die Geschichte eines Maskottchens.

Sein Lächeln wärmte das Herz vieler Kinder und FC-Fans. Hennes VII. schien es immer auf seinem Gesicht zu führen, die Mundwinkel zu einem verschmitzten Lächeln erhoben, eine Frohnatur, ganz gleich, was auf dem Rasen passierte. Vier Auf- und Abstiege erlebte der Geissbock, trat im Fernsehen auf, wurde wegen der Maul- und Klauenseuche zwischenzeitlich aus dem Stadion verbannt und musste miterleben, wie „Bauer“ Wilhelm Schäfer, 36 Jahre lang Hüter des Kölner Hennes, verstarb. Hennes VII. ist für viele FC-Fans noch heute DER Geissbock, war er doch nach Hennes I. mit über zwölf Jahren die zweitlängste Zeit in Amt und Würden.

Würde – darauf wären einige Fans in Rut un Wiess vor 65 Jahren nicht gekommen, als Carola Williams am 13. Februar 1950 dem FC eine einjährige Ziege schenkte. Williams, die Besitzerin des gleichnamigen Zirkus, hatte es anlässlich der zweiten Karnevalssitzung der Kölner als passend empfunden, dem Klub dieses originelle Maskottchen zu schenken. Während diverse Anhänger den Spott der gegnerischen Fans fürchteten, fand das possierliche Tierchen in Franz Kremer einen glühenden Anhänger und mit Hennes einen passenden Namen.

Das heute wohl bekannteste Maskottchen Deutschlands war geboren. Hennes I. folgte von 1950 an dem FC ins eigene Stadion und vielfach zu den Auswärtsspielen – mitunter im Mannschaftsbus. 16 Jahre und neun Monate amtierte Hennes I. und ist bis heute der Bock mit der längsten Regentschaft.

Es folgte Moped-Hennes II., der von seinem Betreuer Günter Neumann auf einem Anhänger zweirädrig durch Köln kutschiert wurde. Der Legende nach wurde Hennes II. im August 1970 von Gladbach-Fans vergiftet. In Wahrheit war er einer Schäferhund-Attacke zum Opfer gefallen.

Sein Tod war der Beginn einer anderen Ära. Mit Hennes III. trat „Bauer“ Wilhelm Schäfer ins FC-Leben ein und blieb bis zu seinem Tode am 11. Juni 2006 der Hüter des heiligen Geissbocks. Schäfer kümmerte sich um gleich fünf Würdenträger und trug sich so unlöschbar in die Geschichtsbücher des 1. FC Köln ein. Schäfer und seine Geissböcke Hennes III. bis Hennes VII. erlebten die erfolgreichsten Zeiten in Müngersdorf mit dem Gewinn des Doubles 1978 (Hennes IV.) und den totalen Absturz hin zu einer Fahrstuhlmannschaft unter Hennes VII.

Seit dem 24. Juli 2008 ist der einstige „Bock ohne Namen“ das Maskottchen des 1. FC Köln. Hennes VIII. musste zwar auch schon in die Zweite Liga. Doch seit zwei Jahren hat er gut Meckern. Auch, weil Anthony Modeste versichert hat, jubelnde Übergriffe auf Hennes zu unterlassen. Der stolze Geissbock muss also weniger um sein prächtiges Geweih fürchten. Eher sollte der Gegner in Hab-Acht-Stellung stehen: Der Geissbock kommt.

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