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Merk fordert Videobeweis: Wann lernt der Fußball?

Schiedsrichter zu kritisieren ist einfach. Auf dem Platz sind sie das leichteste Opfer. Doch sie tragen eine besondere Verantwortung. Längst geht es nicht mehr nur um die Frage, ob der Ball im Tor war oder nicht – das Beispiel Leon „Handreasen“ hat es gezeigt. Die Entstehung eines vermeintlichen Treffers oder einer kritischen Szene im Strafraum ist oft viel wichtiger. Deswegen fordern immer mehr Verantwortliche den Videobeweis. Haben sie recht? Ein Kommentar.

Köln – In Champions League und Europa League turnen sie mittlerweile zu sechst über den Platz: ein Schiedsrichter, zwei Assistenten, der Vierte Offizielle, zwei Torrichter. Sechs Offizielle, die noch immer die gleiche Anzahl an Fehlern begehen, weil sie auch nur Menschen sind. In der Bundesliga haben sie sich nach Jahren des Ringend zumindest für die Torlinien-Technik entschieden. Ein wichtiger und richtiger Schritt, der aber trotzdem zu kurz greift.

Der elfte Spieltag als abschreckendes Beispiel

Die Installation der viele hunderttausend Euro teuren Anlage beantwortet nun zwar tatsächlich zuverlässig die Frage, ob ein Ball mit vollem Umfang die Linie überschritten hat. Ob dies aber mit rechten Dingen zugegangen war, das beantwortet das „Hawk Eye“ nicht. Deswegen wird auch in dieser Saison wieder munter weiter gestritten und dilettiert. Leon Andreasen mit seinem Hand-Tor gegen den 1. FC Köln, am Samstag zwei klare Elfmeter-Situationen für den Effzeh, die nicht gepfiffen wurden. Andernorts ein Abseits-Tor von Wolfsburg, das es so wahrscheinlich noch nie in der Liga gegeben hat und in seiner Lächerlichkeit kaum zu überbieten war. Dazu ein nicht gegebener Elfer für Wolfsburg, dagegen ein falscher gegen Mainz. Und das an einem einzigen Spieltag.

Ob es tatsächlich mehr solcher Szenen geworden sind, müssen Statistiker bewerten. Das ist aber gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass es diese Szenen immer noch gibt und der Fußball sich mit hanebüchenen Argumenten dagegen sträubt, den Videobeweis einzuführen. Statt den Vierten Offiziellen als Babysitter die Trainer betreuen zu lassen, könnte er im stillen Kämmerlein, mit Monitoren und allen Zeitlupen und Perspektiven ausgestattet, in Sekundenschnelle entscheiden, was wirklich passiert ist. Wie im Tennis oder Hockey gang und gäbe, könnte jede Mannschaft ein oder zwei „Einsprüche“ erhalten, um das Video-Auge anzurufen. In den allermeisten Fällen würde die Entscheidung weniger lang dauern als die Reklamationen und Diskussionen zwischen aufgebrachten Spielern und Referees.

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