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Schmadtke zum China-Boom: "Ob das stressresistent ist?"


Kein Wunder, dass man in Europa und auch in Deutschland den chinesischen Markt genau im Blick hat. Auch beim 1. FC Köln. Geschäftsführer Alexander Wehrle hatte in der „Bild“ unlängst erklärt, dass für den Klub „die Internationalisierung in Sachen Sponsoren und Merchandising Richtung Asien ansteht“. Asien bedeutet für die Vermarktung einerseits Japan, wo der Fußball bereits eine gewichtige Rolle einnimmt und wo der Effzeh nicht nur dank Yuya Osako und zwischenzeitlich Kazuki Nagasawa gute Chancen sieht. Auch China ist längst in den Fokus der Kölner gerückt. Einen 600-Milliarden-Euro-Markt kann man nicht so einfach ausblenden.

Alles bislang im absehbaren Rahmen

Von der Vermarktung abgesehen – der Effzeh plant in diesem Jahr erstmals eine Post-Season-Promo-Tour – bleibt aber die Frage: Muss auch ein Klub wie der 1. FC Köln darauf vorbereitet sein, Spieler künftig nicht nur aufgrund des Geldes nach England zu verlieren, sondern auch nach China? Und könnte der chinesische Markt nun ebenfalls einer sein, der dem Effzeh durch einen großen Transfer-Deal eine ungeahnte Finanzspritze liefert?

Peter Stöger umarmt Yuya Osako. (Foto: Mika Volkmann)

Yuya Osako wird ein wichtiger Faktor für die Vermarktung in Japan sein. (Foto: Mika Volkmann)

Jörg Schmadtke nimmt die Entwicklungen bislang ungerührt zur Kenntnis. „Wir sollten ruhig bleiben und abwarten“, sagte der FC-Sportchef dem GEISSBLOG.KOELN. „Die Chinesen haben im Winter hoch ins Regal gegriffen, das stimmt. Aber bisher hielt sich das noch im absehbaren Rahmen.“ Es stimme, dass mittlerweile auch jüngere Spieler nach China wechselten, nicht nur Altstars, die noch einmal abkassieren wollten. „Aber diese Spieler werden sich gut überlegen müssen, was sie wollen.“

Rein wirtschaftlich sehr lukrativ, aber…

Schmadtke verwies auf die Karriereplanung eines jeden einzelnen über die aktive Zeit hinaus. Wer im Fußballgeschäft bleiben wolle, müsse sich im Klaren sein, was ein solcher Wechsel mit sich bringe. „Wer mit 28 für drei, vier Jahre aus Europa nach China weg geht, verliert hier auch sein Netzwerk. Für diejenigen, die hinterher nach der Profikarriere wieder in Europa arbeiten wollen, ist das eine lange Zeit. Da können viele Kontakte verloren gehen“, so Schmadtke. Entscheidend sei nicht, dass man mit Anfang 30 ausgesorgt habe. „Ausgesorgt zu haben heißt ja nicht, dass man nicht mehr arbeiten will.“

Deswegen sei China „rein wirtschaftlich für einige Spieler natürlich sehr lukrativ. Es bleibt aber erstens abzuwarten, ob auch wirklich so viele Spieler nach China wechseln wollen“, sagte Schmadtke. „Und zweitens, ob dieser Trend wirklich stressresistent ist.“ Denn bislang basiert die Entwicklung alleine auf staatlicher Intervention. Wie lange diese anhält und was passiert, sollte Xi Jinping irgendwann sein Präsidentenamt abgeben, ist noch nicht abzusehen. Ein politisch motivierter Aufschwung macht das Reich der Mitte jedenfalls noch nicht zum Mittelpunkt des Weltfußballs.

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