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Kaugummi-Attacke und die Beerdigung des Fairplay

Es lief die erste Minute der Nachspielzeit zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem 1. FC Köln, als die Lage eskalierte: Erst wurde Lukas Klünter gefoult, dann erzielte Kevin Volland den Ausgleich zum 1:1-Endstand und schließlich gingen beide Trainer aufeinander los. Mittendrin: Jörg Schmadtke, der ein Kaugummi in Richtung Julian Nagelsmann warf.

Sinsheim – Der Effzeh tobt. Wieder einmal. Weil Schiedsrichter Deniz Aytekin ein klares Foulspiel an Klünter übersehen hatte. Weil weder der Schiedsrichter das Spiel unterbrach, noch die Hoffenheimer den Ball nach gebotenem Fairplay ins Aus spielten, sondern Sekunden später den Ausgleich erzielten. Und insgeheim wohl auch, weil sich die Kölner bei diesem Angriff der Gastgeber ungeschickt verhielten und das Gegentor teils selbstverschuldet hinnehmen mussten.

Stöger sauer: „Das geht mir auf den Sack“

Stein des Anstoßes, wie schon am Freitagabend in Leverkusen beim Spiel von Bayer 04 gegen Wolfsburg, war ein Zweikampf, infolge dessen ein Spieler liegen blieb, die gegnerische Mannschaft aber weiterspielte und ein Tor erzielte. Im Gegensatz zur Szene in der BayArena (dort war Dante nicht einmal gefoult worden, aber trotzdem liegen geblieben) war Klünter tatsächlich hart getroffen worden. So hart, dass er am Montag in Köln nach seiner Rückkehr am rechten Oberschenkel untersucht werden muss. So viel zur Frage, ob es ein Foul war oder nicht.

Jedoch ging es den FC-Verantwortlichen nicht einfach darum, ob es ein Foulspiel war oder nicht. Klünter war vor Schmerzen liegen geblieben. Hoffenheim hätte, zumindest nach landläufigem Fairplay-Denken, aufhören müssen zu spielen. Sie taten es aber nicht, sondern erzielten den Ausgleich. „Das geht mir auf den Sack“, schimpfte Peter Stöger hinterher. „Die einen spielen den Ball raus, die anderen nicht.“

Verhalten zeigte, dass sie das gutieren

Das hatte er seinem jungen Kollegen Nagelsmann unmittelbar nach der Szene auch im direkten Vier-Augen-Streitgespräch mitgeteilt. Der Österreicher war, zusammen mit Sportchef Schmadtke und Leonardo Bittencourt, in Richtung Hoffenheimer Verantwortliche gestürmt. Der Grund aus Stöger Sicht: „Das Verhalten der Bank hat mir gezeigt, dass sie das gutieren. Dann muss ich meine Schlüsse daraus ziehen.“ Und diese Schlüsse heißen: künftig ebenfalls nicht mehr auf Fairplay achten.

Weiterlesen: Schmadtke wirft Kaugummi und sieht Fairplay beerdigt

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8 Kommentare
  1. Rupert
    Rupert says:

    Fairplay wird bei fast allen nur dann gespielt, wenn es der eigenen Mannschaft nicht schadet. Ich finde, Stöger hat recht! Weiterspielen, solange der Schiedsrichter nicht pfeift. Gerhardt oder Risse mussten einfach „professioneller“ sein und das taktische Foul gegen Kramaric ziehen.

  2. Björn
    Björn says:

    Ich denke eher das es der Frust über die eigene Leistung ist. Wir haben es nicht geschafft die guten Konter zu vollenden und das zweite Tor zu machen. Wären wir in der Situation der Hoffenheimer, hätten wir auch weitergespielt. Es war ein vielversprechender Angriff und der Gegner war unsortiert. Ich finde das nicht verwerflich.

    Die Spieler sind durch ihr Verhalten mit der Schauspielerei selber Schuld. Es wird so oft als unfaires Mittel eingesetzt um den Angriff des Gegners zu unterbinden. Was wäre denn wenn ein Spieler, der auf dem Platz behandelt wird oder der Schiedsrichter wegen ihm das Spiel unterbricht, anschließend noch 3 Minuten draußen bleiben muss. Ich glaube wir hätten weniger „Gejammer“ auf dem Feld…

  3. Nick
    Nick says:

    Wir sind schon wegen „Fairplay“ das erste mal abgestiegen – „Hast Du den Ball mit der Hand gespielt???“…

    Aber kann man den Hoffenheimern hier nen Vorwurf machen? Hätten wir nicht auch weiter gespielt? Ich meine, dass wir es diese Saison sogar schon mal genauso gespielt haben… nur wir haben kein Tor geschossen…

    Klünter hätte die Situation anders lösen müssen – an der Aussenbahn dran vorbeilaufen statt in den Zweikampf zu gehen, Stöger hätte nicht die körperliche Präsenz von Vogt gegen Hemd Hartel tauschen sollen und wenn Vogt halt nicht mehr aufm Platz ist, dann muss halt irgend ein anderer dazwischen hauen und den Konter nach der Mittellinie stoppen.

    Jetzt jammern hilft doch nix. Punkte holen gegen Vizekusen – Klassenerhalt zu Hause feiern.

  4. ulli
    ulli says:

    Unverständlich, dass ausgerechnet unsere Rookies am Schluss eingesetzt werden, um das Spiel über die Runden zu bringen. da wären mir „erfahrene“ Spieler lieber gewesen. Aber Nick hat recht, jammern nützt nix.

  5. Rolf Dieter Kolatka
    Rolf Dieter Kolatka says:

    Ich bin 1. FC Köln FC-Fan.
    Warum sollte der Ball ins Aus gespielt werden.
    Der am Boden liegende Spieler war nicht in Gefahr.
    Viele der angreifenden Hoffenheimer Spieler haben garnicht bemerkt, daß ein Kölner Spieler verletzt am Boden lag.
    Für mich völlig in Ordnung, daß der Schiedsrichter hat weiterspielen lassen, wenn er kein Foul gesehen hat.
    Es ist ärgerlich, daß, trotz Überlegenheit des 1. FC Köln, in der Nachspielzeit noch 2 Punkte eingebüßt wurden

  6. Manuel
    Manuel says:

    Ich bin TSG-Fan ;-) habe mich über Umwegen hierher verirrt.
    Muss erst einmal die bisherigen Beiträge, die mich dazu veranlasst haben den Kommentar zu verfassen loben, sehr sachlich von Euch, auch wenn durch die Situation Euch 2 Punkte fehlen.

    Den TSG Spielern kann man wirklich keinen Vorwurf machen, entweder der Schiri pfeift, oder nicht. Wenn ein schweres Foul zuvor geschehen wäre, wird es immer noch so gehandhabt, wenn der Schiri es nicht sieht, den Ball ins Aus zu spielen. Es war allerdings aus Spieler nicht Gefahr in Verzug – Sprich eine Unterbrechung war nicht zwingend nötig, um akutes medizinisches Eingreifen zu ermöglichen. im Abstiegskampf kann man leider nicht immer 120% fair sein.

    Jetzt darf ich aber auch etwas Kritik äußern… es ist schon bedenklich als Fan von Fairplay zu sprechen und darauf zu pochen, aus „Höflichkeit“ den Ball ins Aus zu spielen, wenn man vor dem Spiel und während Funktionäre des Vereins gezielt beleidigt. und Böller auf Ordner wirft.
    Wer so einen Aufschrei Medial verursacht, sollte eine weiße Weste haben ;-)

  7. Udo
    Udo says:

    Die Bundesliga bzw. der Hochleistungssport im Allgemeinen ist doch nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.Gegenseitiger Respekt,gutes Benehmen oder Rücksichtnahme ist OUT.Sich persönliche Vorteile verschaffen um jeden Preis,Schuld nur bei anderen suchen und seine Interessen rücksichtlos durchsetzen ist IN.
    Insofern spiegeln die Vorfälle in Hoffenheim nur den ganz normalen Alltag wieder.

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