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Kölner Vergangenheit als Berliner Pokal-Hoffnung

Als der Präsident des 1. FC Köln, Werner Spinner, während der Saisoneröffnung die Fans fragte, wer denn mit nach Berlin reisen werde, skandierten die Kölner Anhänger: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ Spinner musste präzisieren. Seine Frage sei auf den 20. August bezogen und nicht auf eine potentielle Fahrt im Mai 2017.

Von Walter Pieper, Berlin

Berlin – Die Chance, dass der 1. FC Köln im Mai 2017 tatsächlich erneut nach Berlin fahren wird, ist eher gering. Die letzte Finalteilnahme liegt 25 Jahre zurück, der letzte Pokal-Triumph stammt noch aus einer Zeit, in der das Pokalfinale nicht zwangsläufig im Berliner Olympiastadion stattfand. Zwischen damals und heute liegen für die Fans der Geißböcke mehrheitlich deprimierende Erinnerungen an jenen Wettbewerb, über den selbst Trainer Peter Stöger sagt: „Er ist der kürzeste Weg nach Europa.“

Wer erinnert sich noch an Beckum?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gibt es kaum eine Mannschaft, die sich in derart regelmäßigen Abständen auf diesem „kürzesten Weg nach Europa“ mächtig verfahren hat. Zwischen 1995 und 2000 scheiterte der „Effzeh“ vier Mal in der ersten Runde. Die durchaus illustren Schreckgespenster auf des Gegners Seite hießen damals unter anderem SpVg Beckum, der SSV Ulm und der 1. FC Magdeburg.

Unvergessen und noch immer ein regelmäßiger Gast in den Alpträumen der Kölner Anhängerschaft ist auch das Halbfinale 1994/95 gegen den damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg, einen krassen Außenseiter, der in Köln mit 1:0 gewann. Es gab Pleiten wie ein 0:8 beim FC Bayern München im Jahr 2003, eine schmerzhafte Halbfinal-Niederlage gegen den Erzrivalen aus Leverkusen ein Jahr zuvor in der Verlängerung, und natürlich weitere Erstrunden-Blamagen wie gegen die Kickers Offenbach und Werder Bremen II.

Woher kommt bloß diese Sachlichkeit?

Und doch, seit Peter Stöger das Ruder in der Domstadt übernommen hat, scheint Schluss zu sein mit diesen Blamagen. Zwar kam der FC auch unter dem Österreicher bislang nicht über das Achtelfinale hinaus. Die Hürden in der ersten Runde gegen die vermeintlich Kleinen nahmen die Geißböcke zuletzt aber mit einer erstaunlichen Sachlichkeit und Ernsthaftigkeit. In Meppen vor einem Jahr dauerte es nur wenige Sekunden, ehe Anthony Modeste die Kölner auf die Siegesstraße brachte, 4:0 endete die Partie. Mit dem gleichen Resultat entledigte sich der FC ein Jahr zuvor dem FT Braunschweig. Und Eintracht Trier ging es vor drei Jahren nicht viel besser, konnte beim 0:2 aber zumindest noch halbwegs Paroli bieten.

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