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Der schwelende Konflikt vor der Mitgliederversammlung

Es war eine überraschende, weil überhaupt die erste Äußerung der Vereinsführung des 1. FC Köln zur Mitglieder-Initiative „100% FC“. Werner Spinner hat bei der Saisoneröffnung des Effzeh erstmals verlauten lassen, wie der Effzeh-Vorstand über den Investoren-Antrag denkt, über den an der Mitgliederversammlung im September abgestimmt werden wird.

Köln – Es droht ein Thema mit Sprengkraft zu werden: der Antrag der Initiative „100% FC“, dass künftig die Mitgliederversammlung über jedwede Veräußerung von Anteilen am 1. FC Köln abstimmen muss. Die Initiatoren verteilten am Sonntag bei der Saisoneröffnung Flyer für ihre Sache.

Mitglieder müssen die Sachargumente abwägen können

Einer war nicht erfreut: Im Interview mit Michael Trippel auf der Bühne zeigte sich Werner Spinner „irritiert“, dass durch solch eine Aktion „Misstrauen hineingebracht wird, die nicht in den Verein gehört“. Damit offenbarte der 68-Jährige offenes Unverständnis für den Antrag und bezog damit erstmals öffentlich Position. Bis dato hatte sich der Klub nicht zu dem Antrag äußern, sondern zunächst intern abstimmen wollen. Der Präsident preschte nun vor und rief den rund 50.000 Fans auf den Stadion-Vorwiesen zu: „Kommt alle zur Mitgliederversammlung!“

Zuvor hatte sich Geschäftsführer Alexander Wehrle in dem am Samstag und Sonntag erschienene GBK-Interview vorsichtiger geäußert. „Die Mitglieder müssen in die Lage gebracht werden, diese Sachargumente im Wohle des Vereins abwägen zu können“, sagte Wehrle. Er habe vollstes Vertrauen in die Mitglieder, „dass sie die richtige Entscheidung treffen werden“. Nun ist klar, wie nach Sicht des FC diese richtige Entscheidung aussehen sollte: den Antrag auf Satzungsänderung abzuweisen.

Der Wunsch nach Basisdemokratie ist groß

Doch der Ausgang ist freilich offen, weil ein zukunftsweisendes Thema auf der Tagesordnung steht, das mit vielen Emotionen verbunden ist. Der Antrag berührt die FC-Fans in ihrem Inneren. Das Gefühl, einer der letzten sechs Bundesligisten zu sein, der noch komplett dem Verein und den Mitgliedern gehört, ist tief verankert in der kölschen Seele. Der Wunsch nach basisdemokratischer Entscheidungsfreiheit der Mitgliederversammlung als Souverän des Klubs ist groß.

Weiterlesen: Basisdemokratie versus repräsentative Demokratie

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23 Kommentare
  1. Pitter
    Pitter says:

    Ich denke, der Antrag hat rein gar nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun. Er zeigt einfach nur, wie wichtig es vielen Mitgliedern ist, dass der FC zu 100% dem Verein gehört. Da die Verantwortlichen laut eigener Aussage aktuell ohnehin nicht vorhaben, Investoren ins Boot zu holen, bräuchte der Antrag sieeigentlich auch nicht stören.
    Man kann eine solche Satzungsänderung genauso als klares Zeichen gegen Kozepte wie den Dosenclub sehen und ein Symbol schaffen, dass der FC eben ein Verein ist, in dem die Mitglieder noch ernsthaftes Mitspracherecht haben.

    Es wäre sehr schade, wenn der Vorstand den Antrag jetzt als persönlichen Angriff wertet und einzig aufgrund privater Befindlichkeiten doch noch Unruhe in den Verein kommt.

  2. Nick
    Nick says:

    Ich denke, nach den ersten Äußerungen von Wehlre und Spinner zu dem Thema, kann man schon annehmen, dass der Vorstand und die GF schon den Fall diskutiert haben und sich schon gut vorstellen können, ab einem bestimmten Vereinswert 25% an einen Investor abzugeben, um z.B. einen Stadionneubau möglich machen zu können.

    Bisher hat immer der Investor „Mitglied“ die Sachen „Vereinsrettung“ oder „Plätze im Grüngürtel“ stemmen können, das dürfte bei einem Stadionneubau schwierig werden.

    Ich kann die Äußerung von Spinner aber auch nicht nachvollziehen. Es geht hier ja nicht um Misstrauen in die aktuelle Führung, sondern einfach um die generelle Satzung. Nachdem wir schon erleben durften, dass ein Präsident auf der JHV einfach hingeschmissen hat, ist das einfach eine Absicherung für die Zukunft – wer weiß er nach Spinner & Co. mal so kommt…

    Aber es scheint wieder vor der JHV eine Konflikt innerhalb unseres Vereins zu geben, ähnlich wie letztes Jahr mit der Vorstandsvergütung. Statt uns darüber abstimmen zu lassen, haben Spinner & Co. das Thema damals geschickt umgangen, indem sie damals einfach drauf verzichtet haben, dieses Verhalten hat mir damals gar nicht gefallen. Ich hoffe es kommt nicht wieder so ein ähnliches Spielchen…

    Wer von den Mitgliedern Vetrauen fordert, der sollte auch seinen Mitglieden Vertrauen schenken. Ich bin nicht generell gegen einen Investor, z.B. wenn dadurch der Verein gerettet werden müsste, aber wenn so ein Fall eintreten sollte, dann möchte ich mir das gerne in Ruhe ansehen und darüber mit abstimmen, als irgendwann im Express verkündet zu bekommen „ab jetzt bist Du nur noch an 75% des Vereins beteiligt – der Rest gehört XY“

    Also kommt alle zur Mitgliederversammlung. Das ist generell immer richtig.

    • Pitter
      Pitter says:

      Kleine Anmerkung zum Punkt Stadionausbau/-neubau:
      Der FC könnte für diesen einen Kredit aufnehmen und sobald die aktuelle Stadionpacht wegfällt stattdessen den Kredit abbezahlen.
      Bis der Kredit abbezahlt ist, würde die finanzielle Belastung in den nächsten Jahren identisch bleiben. Sobald er abbezahlt ist, hat der FC ein größeres Stadion und zahlt keine Pacht mehr.

      Aber abgesehen davon hast du meine volle Zustimmung!

      • Nick
        Nick says:

        Ich sag mal, 80-100 Millionen Kaufsumme + 100 Millionen Umbau zahlt der FC gut alleine zurück. Für einen Neubau mit Infrastrukturanschluss, Grundstück usw. können das aber auch schnell 350-400 Millionen werden, da hilft Kapital von einem Investor schon…Ich hoff das wir beides nicht brauchen – weder Investor noch einen neuen Standort.

    • Hermann
      Hermann says:

      @ Nick: Ich vertrete auch den selben Standpunkt wie Sie, kenne mich jedoch im Finanzwesen nur mittelprächtig aus und daher steht für mich die Frage im Raum, ob die Kreditwürdigkeit des FC sinkt, wenn die handelnden Personen nicht die volle Handlungsfähigkeit in Bezug der Kapitalgenerierung haben, sondern erst durch einen demokratischen Prozess müssen, der ihnen beim FC und bei diesem Thema alles andere als in die Karten spielen wird. Solch ein monströser Kredit trägt sich über Jahre und der Erfolgsfall im Mannschaftssport ist, gerade in unseren Kategorien, nur schwer planbar. Wenn dem gegenüber nur eine partielle Handlungsfähigkeit der handelnden Personen steht

      @ Pitter: Korrekt, jedoch würde er noch die Pacht tragen, während er sich bereits im Neubau befinden müsste. Es wird einige Jahre zu einer Doppelbelastung kommen. Kennen sicherlich einige von uns; der Auszugstermin aus der alten Wohnung, passt nicht immer haargenau mit dem Einzugstermin der neuen Wohnung.

      • Ulrike
        Ulrike says:

        „… kenne mich jedoch im Finanzwesen nur mittelprächtig aus …“

        Eben! Das ist mein Argument! Warum willst du denn abstimmen, statt denjenigen zu vertrauen, die sich a/ prächtig damit auskennen und b/ es sogar seit 2012 Monat für Monat bei Effzeh beweisen?

        Ich kenne mich auch nicht gut damit aus! Und deswegen verlange ich nicht, dass die Geschäftsführung in der Öffentlichkeit so lange die Hose herunter lässt, bis ich glaube, irgendwas halbwegs verstanden zu haben. Hier fängt mein Vertrauen an. Basta.

      • Pitter
        Pitter says:

        Wenn man einen Kredit aufnimmt, muss man nicht zwingend im Folgejahr mit der Tilgung beginnen ;) Man kann den Kredit auch einfach so gestalten, dass die erste Rückzahlung erst ein paar Jahre später erfolgen braucht – z.B. dann wenn der Pachtvertrag ausgelaufen ist. Das führt möglicherweise zu einem höheren Zinssatz, würde aber die Doppelbelastung vermeiden und Planungssicherheit gewähren.

        Die Doppelbelastung bei einem Wohnungswechsel gibt es eigentlich nur bei standardisierten Mietverträgen. Vermieter bestehen einzig deshalb auf solche, weil sie befürchten, dass die zu vermietenden Wohnungen sonst leer stehen und sie hierdurch Einnahmen verlieren.
        Bankkredite – insbesondere im hohem zweistelligen Millionenbereich – werden hingegen üblicherweise sehr individuell gestaltet. Für eine Bank macht es kaum einen Unterschied, wenn sie das Geld erst später erhält (wenn es entsprechend verzinst wird). Genau das ist ja schließlich Sinn eines Kredites.

  3. Ralf
    Ralf says:

    Der Verkauf von Anteilen an einen Investor ist ein irreversibler Schritt.
    Dementsprechend sollten hier selbstverständlich vorab auch die Mitglieder befragt werden.
    Es ist auch ausdrücklich keine Initiative gegen den Vorstand.
    Solche Satzungsänderungen geht man an wenn es gut läuft und nicht wenn ‚die Kacke am dampfen ist‘.
    Wer kann schon sagen wer in 2-5 Jahren am GBH die Zügel in der Hand hält.
    Zudem ist es auch keine Initiative gegen einen Investor an sich…sollte der Vorstand ein nachhaltiges Konzept präsentieren wird sich sicherlich eine Mehrheit finden.
    Selbst die Gladbacher haben in den letzten Jahren ihre Satzung hinsichtlich des Zustimmungsbedarfs bei Anteilsverkäufen angepasst…da sollten wir uns einmal ein Beispiel dran nehmen ;-)

  4. Tünnes
    Tünnes says:

    Basisdemokratische Entscheidungsstrukturen sind grundsätzlich gut und richtig – in vielen Fragen aber auch sehr schwierig. Die Weltpolitik gibt dazu viele Beispiele. Ich glaube man bekommt mit repräsentativ demokratischen Entscheidungen öfters zum besseren Ziel als in der Basisdemokratie. Der FC hat in meinen Augen grundsätzlich eine sehr gute Struktur mit der sich bisher immerhin nahezu 100.000 Menschen identifizieren. Ich glaube auch, dass der FC leider kein Platz mehr für die große Fußballromantik ist – er ist Teil des großen Fußballgeschäfts und es gilt die Kölsche Seele darin möglichst zu erhalten. Ohne Investoren werden wir die erste Liga schwerer halten können und in internationale Regionen vorstoßen können. Machen wir uns nix vor, in dieser Bundesliga sind wir immer wieder einer von vielleicht 10-14 Kandidaten die auch ein Abstieg erwischen kann. Ich habe vollstes Vertrauen in die gewählte Vereinsführung, dass sie versuchen immer die beste Lösung für unseren Verein zu finden. Und ich stelle es mir sehr schwierig vor, wenn die Mitglieder in so einer komplexen Frage, wie die einer Investorenbeteiligung entscheiden sollen. Ich finde es gut, dass die Verantwortlichen nur bis zu einer Beteiligung von 25% und nicht 49,9% Entscheidungen treffen können. Und ich finde es gut, dass der Antrag der Initiative für die Mitgliederversammlung zugelassen wird. Das zeigt den Unterschied zu anderen Clubs – Hannover lässt grüßen. Ich bin dafür es so zu belassen wie es ist und das sich der FC möglichst nachhaltig entwickeln und halten kann. Mein Durst nach Fußballromantik lösche ich dann woanders …

    • Peter
      Peter says:

      Der Artikel suggeriert eine Gegenüberstellung, die so nicht existiert. Es geht gar nicht darum, nun (andauernd) basisdemokratische Entscheidungen treffen zu können. Dass der Profifußball purer Kapitalismus ist, ist jedem bewusst – auch den Antragsstellern.

      Aber: ein Verkauf – selbst von „nur“ 20% – ist ein irreversibler Schritt und betrifft alle Mitglieder. Hinzu kommt, dass man nie weiß, wer in Zukunft Vorstand sein wird.

      Man sollte die Mitglieder nicht unterschätzen. Sie sind klug genug, gut strukturierte Investorenanträge auch eventuell zu akzeptieren, wenn es zu gegebener Zeit sinnvoll ist.

      Aber dieses Entscheidungsrecht sollte man ihnen zumindest einräumen.

  5. Hermann
    Hermann says:

    Ich schliesse mich den für mich wichtigen Kernkriterien, welche hier schon erwähnt wurden, unumwunden an.
    Ich sehe es ebenfalls nicht als Misstrauensvotum gegen unsere jetzige Führung. Spinner, so sehr ich ihn schätze, fasst den 100% FC Vorstoss über die Emotion auf, was kein guter Ratgeber ist.
    Es muss eine grundsätzliche Struktur implementiert werden, durch die es unmöglich wird, bei nachteiligen Gegebenheiten, den Organhandel einzuläuten.
    Es muss feststehen, egal wer uns, egal wann, egal in welcher Liga führt, das kein Teil von uns verkauft wird, ohne das wir gefragt werden. So ist es anständig und redlich.

    • Ulrike
      Ulrike says:

      Ich glaube nicht, dass Spinner den Vorstoß emotional oder persönlich auffasst. Viel mehr hat er, als international erfahrener Geschäftsmann und Vorstand berechtigte Vorbehalte gegen „öffentliche Geschäftsführung“. Was er sagt, geht einfach einen Schritt weiter als das, was Wehrle gesagt hat:

      Wehrle: „Die Mitglieder müssen in die Lage gebracht werden, diese Sachargumente im Wohle des Vereins abwägen zu können“

      Auch wenn Effzeh dabei (ziemlich selbstmörderisch) die Details solcher Vereinbarung zwangsläufig veröffentlicht hätte: Wie viele von den stimmberechtigten Mitgliedern schaffen es denn, ihre eigene Steuererklärung ohne Hilfe von „9,95€ Software“ abzugeben? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Hälfte der Mitglieder die Pro- und Contra- Abwägungen a/ bis in die letzte Konsequenz überhaupt nachvollziehen, b/ über die emotionslos entscheiden könnten und c/ zu einem besseren Fazit kommen als das Präsidium, Geschäftsführung und sämtliche Räte des Effzehs!

      Nun, Emotionen sind gut, wenn man Sitzblockade gegen RB-Mannschaftsbus startet, aber nicht, wenn man in der kommenden Dekade in der Liga mithalten will. Das Mitbestimmung-Experiment bei Fortuna Köln lässt grüßen!

      • Hermann
        Hermann says:

        Wenn ich von Vertrauen spreche sind wir im emotionalen Bereich….

        Man könnte als anderes Wort für Mitbestimmungsexperiment auch Demokratie nehmen….

        Sehe ich anders wie Sie Ulrike. Ich muss nicht alles können als „Souverän“. Ich bin selbstständig, habe eine kleine Firma, meine Steuerangelegenheiten regelt eine externe Dienstleistung, wie bei den meisten Unternehmen. Natürlich habe ich Vertrauen zu meiner Steuerberaterin, aber Anteile von meinem Unternehmen kann sie nicht verkaufen, nur weil sie einen Aufgabenbereich abdeckt, den ich nicht abdecken kann. Ein anderes Beispiel einer GmbH. Die Gesellschafter bestimmen über den Verkauf der Anteile, nicht der Geschäftsführer, es sei denn er ist gesellschaftender Geschäftsführer. Die Personalabteilung muss nicht selbst Stapler fahren können um einen Staplerfahrer einzustellen. Es gibt einen haufen Beispiele die belegen das Ihre Argumentation begrenzt ist. Ihrer Logik folgend darf sich durch Wahl nur der am politischen Prozess beteiligen, der auch Politik studiert hat. Wollen Sie das Mitbestimmungsrecht an Kompetenz binden? Vielleicht wäre das sogar sinnvoll in gewissen Dingen, aber dies läuft dem Verständnis einer demokratischen Organisation davon.

        Ich sehe Spinner, Wehrle, Schmadtke etc. als unsere Erfüllungsgehilfen an. Ich habe schon zu viele kommen und gehen sehen, als das ich noch irgendeinen Personenkult fröhnen würde. Sie haben zu tun was der Souverän verlangt, solange sie dies tun ist Platz für sie in unserer Mitte. Es ist ja wohl nahezu frech, dem Souverän durch Reglementierung die Möglichkeit eines Eingreifens, oder Mitbestimmens nehmen zu wollen, selbst wenn dieser ein Mitspracherecht in einem Bereich verlangt, in dem er nicht Experte ist. Sollte sich Spinner und Co. dagegen stellen, ja erst dann fängt bei mir persönlich der Vertrauensbruch an.

        • Ulrike
          Ulrike says:

          Nö! Man kann auch völlig emotionslos die fachliche Kompetenz eines anderen Menschen anerkennen und ihm das Vertrauen aussprechen. Fachliche Kompetenz ist messbar, wie sprechen nicht über Intuition oder einen „feinen Riecher für gute Deals“.

          Ich frage mich, wie sich die Befürworter der global-demokratischen Entscheidungsfindung die Umsetzung genau vorstellen! Abgesehen von Null Ahnung in der Materie bei überwiegenden Mehrheit der Fans … Man müsste jedem Hans-Jürgen aus Poll sämtliche Infos zu Verfügung stellen, über die bisher Express & Co. vergeblich spekulieren dürften. Die anderen Klubs würden selbstverständlich und fairerweise all diese Bild-Artikel nicht lesen. Und am Ende sagt Hans-Jürgen aus Poll „kapiere eh nix davon, Helmut, was meinst du?“.

          • Pitter
            Pitter says:

            Ich gebe dir in dem Punkt völlig Recht, dass womöglich nur ein Bruchteil der Mitglieder das fachliche Know-How hat, um sämtliche finanzpolitischen Feinheiten eines Anteilsverkaufes von z.B. 20% bis ins letzte Detail nachvollziehen zu können. Wenn mit einem mal 30% der Anteile verkauft werden sollen, haben dies aber genauso wenige Mitglieder. Stand heute müssen sie bei 30% zustimmen, bei 20% jedoch nicht. Warum? Die Regelung mag mal sinnvoll gewesen sein, als man wegen einer drohenden Insolvenz dem Vorstand schnelle Handlungsmöglichkeiten geben wollte. Aber warum soll denn heute noch ein Unterschied zwischen Verkäufen von 20% und 30% so elementar sein, dass ersteres deutlich geringere Hürden hat?

            Wenn die Mitglieder zustimmen müssen hat dies einerseits die Konsequenz, dass ein Anteilsverkauf von 20% mehr Zeit benötigt, als zuvor. (Bei 30% bleibt alles so, wie bisher.) Ist das ein Nachteil? Mag sein. Wenn, dann aber nur ein sehr kleiner.
            Genauso wie bei einem Verkauf von 30% läuft es darauf hinaus, dass die Verantwortlichen den Mitgliedern den Deal erklären und sie von diesem überzeugen müssen. Wenn die Mitglieder den Verantwortlichen grundsätzlich vertrauen, stimmen sie zu. Auch dann, wenn sie ihn vielleicht nicht zu 100% verstanden haben mögen. Sie haben aber zumindest die Garantie, vor solchen irreversiblen Entscheidungen umfangreich über diese aufgeklärt zu werden.

            Dass vor einer entsprechenden Abstimmungen Informationen raussickern könnten, mag sein. Das Problem gäbe es genauso aber bereits bei Anteilsverkäufen von 30%. Wäre es denn wirklich so schlimm, wenn andere Vereine wissen, was die Deals alles umfassen? Wenn ja, warum lässt man es dann bei Verkäufen von 30% zu? Dort müsste es einem doch eigentlich viel wichtiger sein, dass nichts nach außen dringt…

            Meiner Meinung nach gibt es für das Prozedere von Anteilsverkäufen eigentlich nur 2 sinnvollere Varianten: Entweder die Mitglieder müssen sämtlichen Anteilsverkäufen zustimmen oder bei sämtlichen Anteilsverkäufen bis 49,9% kann der von den Mitgliedern gewählte Vorstand komplett selbst entscheiden.
            Eine Unterscheidung ab einer willkürlich gezogenen Grenze von 25% ergibt für mich (Stand heute!) keinen Sinn mehr.

          • Hermann
            Hermann says:

            Auch wenn es die von Ihnen geschilderten Fälle geben sollte, sie bedienen sich eines Extrembeispiels, welches Sie exemplarisch zur Verallgemeinerung erheben, um Ihre Argumentation zu verfestigen. Das kann ich auch: „Wir akzeptieren die jetzige Situation, der Verein entschließt sich Anteile zu verkaufen und es endet wie bei den Sechzigern.“ Muss nicht sein, kann aber wie gesehen.
            Ich möchte nicht den Standpunkt vertreten; „die Mitglieder sollen brav zahlen und bei der Hymne schön mit dem Schal wedeln, aber wenn es ans Eingemachte geht, sind sie eh zu doof um nach Ihrer Meinung gefragt zu werden“. Unanständig finde ich auch zu behaupten, das wenn sich ein FC Fan nicht im Kapitalwesen auskennt, er kein Mitspracherecht bei fundamentalen Fragen zugeteilt bekommt. Wie bereits erwähnt; “ hat nicht Politik studiert, bekommt das Wahlrecht bei der Bundestagswahl entzogen“ in meinen Augen die gleiche, falsche Logik.
            Ich bin bereit den komplizierteren und langsameren Weg der allgemeinen Mitsprache, bei elementaren Fragen des Vereins zu gehen.

          • Ulrike
            Ulrike says:

            @Hermann, im Grunde genommen egal ob wie bei 60er oder wie beim HSV … In beiden Klubs haben die Fans zuerst gejubelt. Beim HSV jubeln sie zum Teil immer noch über ihrem Kühne, der Häppchen für Häppchen seine Leihen in Anteile umwandeln ließ. Wer weiß, bei wie viel mehr als die 17% er jetzt wäre, wenn Didi B. die ganze Zeit da säße. In beiden Klubs (und jetzt auch bei Hannover) haben die Fans vorher nichts verhindert sondern den Vorständen zugejubelt und von „CL mindestens“ geträumt. Ich schrieb schon: Fans selbst haben nicht mal bei Fortuna Köln das Selbstbestimmung-Experiment über die Zeit retten können.

            Entweder hat man klugen Vorstand (den man eben vertrauen kann) oder nicht. Den Bayern z.B. schaden die verkauften Anteile überhaupt nicht. Ich finde, die Pest ist netter als sie, aber die Führungsetage handelt dort im Sinne des Klubs nahezu perfekt.

      • Hermann
        Hermann says:

        Wie gesagt Ulrike, auch das Beispiel von Fortuna Köln ist ein Extrembeispiel eines Scheiterns. Es ist für mich etwas aus dem Kontext geglitten, den weder befinden wir uns in solchen Zuständen, noch sind sie wünschenswert, oder entstehen sogar durch den 100% FC Vorstoss.
        Es geht ja nicht darum, das wir basisdemokratisch jede Kleinigkeit abwägen und im Zweifelsfall blockieren und so den FC handlungsunfähig machen. Es geht doch nur darum das wir gefragt werden wollen, wenn es zu schwerwiegenden Entscheidungen, wie Anteilsverkauf, kommt. Diese Entscheidung obliegt uns Ulrike und je mehr sich Spinner + Co. sträuben, umso richtiger ist es das wir bei dieser Entscheidung das letzte Wort haben. Wenn jemand Macht erhalten hat und nun einen wichtigen Teil davon nicht zurückgeben will, ist er ab sofort als suspekt zu betrachten.
        Seien sie gegrüsst und bis bald

        • Ulrike
          Ulrike says:

          Nenne mir einfach ein Beispiel, bei dem eine basisdemokratische Entscheidung das Richtige war!

          Ich habe nix gegen Schwarmintelligenz, die ist aber in vielen anderen Bereichen gut und nicht bei denen, bei denen ein Wissen über Internas(!!!) und fachliche Kompetenz gefragt sind.

          Wie gesagt, Teile der HSV jubeln immer noch! Und wir haben alle auch – ohne die Internas zu kennen – gejubelt, dass Daum-der-Messias wieder kam.

          Mir ist egal wer sich deiner Fantasie nach dagegen sträubt. Das ist deine Vorstellung. Mir dreht sich schlicht der Magen um, wenn ich an eine Hinz-&-Kunz Abstimmung zu diesem Thema denke.

          Es reicht mir völlig, ein paar Stammtisch-Diskussionen in einer Transferperiode mitzubekommen. Wenn man nur die Hälfte der kursirenden Vorschläge umgesetzt hätte, gäbe es bei uns weder eine geschlossene Mannschaft, noch Geld, noch Leistung. Ich traue uns Fans vieles zu, aber nicht einen klaren, analytischen Verstand wenn es um Effzeh geht

        • Ulrike
          Ulrike says:

          Nachtrag:
          Erstens: Nenne mir bitte auch ein einziges Beispiel dafür, dass die „Spinner + Co.“ die sich in deinen Augen so „sträuben“ mal nicht im Sinne des Effzehs gehandelt haben. Oder anders: Aufgrund von – zum Kuckuck – welchen Indizien soll ich es den Herren plötzlich nicht mehr trauen?

          Zweitens: Aufgrund von welchen Informationen und Wissen willst du denn die richtige Entscheidung treffen, wenn du gefragt sein solltest?

          Drittens: Spreche nicht in meinem Namen! :-) Mir persönlich obliegt lediglich regelmäßig die Entscheidung, ob die Herren Spinner, Ritterbach und Schumacher weiter als Präsidium im Sinne des Effzehs handeln dürfen. Gibt es für mich keine Gründe, meine Stimme zu enthalten, bekommen sie von mir „Chapeau und weiter so bitte!“

          Btw. Da oben soll am Ende ein „:-)“ als Emoji stehen, ist wohl verschluckt worden!

  6. Marcello
    Marcello says:

    Ich bin auf jeden Fall auch für den Antrag auf Satzungsänderung! Ohne es als Kritik am derzeitigen Vorstand zu sehen … und wie oben schon erwähnt: Wenn es gute Grüne für einen Verkauf von Anteilen gibt, würde ich zu gg. Zeit auch dafür stimmen.

    Leider kann ich in diesem Jahr nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen. Daher kann ich meine Stimme leider nicht dafür abgeben …

  7. Rolf G.
    Rolf G. says:

    Die hier vorstehenden Beiträge bieten ein breites Spektrum verschiedener Meinungen zu diesem Thema. Meine eigene Meinungsbildung ist da bei weitem nicht abgeschlossen, ich tendiere zur Zeit aber eher dazu, eine eventuelle Satzungsänderung abzulehnen!

    Basisdemokratie ist ein schöner Begriff, der aber in der Welt von Kapitalgesellschaften nebst Investoren leicht anachronistisch erscheint. Wir behandeln ja hier nicht die Frage, ob das Kölsch im Ausschank vielleicht 10 oder 20 Cent weniger kosten oder ob die Vereinsfarben in Zukunft eher mit weiss/rot als mit rot/weiss angegeben werden sollten (was ja sicher auch eine Diskussion von enormen Ausmassen nach sich ziehen würde). Hier dreht es sich nicht mehr aber bestimmt auch nicht weniger darum, wie der Verein, dem wir als Mitglieder angehören, sich in Zukunft aufstellen und wie das Thema „Investoren“ (deren Erscheinen ich leider als unumgänglich erachte) zu behandeln sein wird.
    Jemand hat geschrieben (@ULRIKE), dass man sich „nicht vorstellen kann, dass die Hälfte der Mitglieder die Pro- und Contra- Abwägungen a/ bis in die letzte Konsequenz überhaupt nachvollziehen, b/ über die emotionslos entscheiden könnten und c/ zu einem besseren Fazit kommen als das Präsidium, Geschäftsführung und sämtliche Räte des FC“ – eben, das deckt sich zu 98% mit meiner augenblicklichen Meinung.

    Immerhin muss verhindert werden, dass bei uns ein Effekt wie beim Brexit-Referendum in GB entsteht, als die breite Masse der populistischen Meinungsmache gefolgt ist und sich hinterher fragte, warum in Herrgottsnamen man gewählt hat wie man gewählt hat.
    User @TÜNNES hat dazu heute Morgen einen interessanten Artikel geschrieben, der in einem Satz gipfelt, den ich mir zu eigen machen will: „Ich bin dafür es so zu belassen wie es ist und dass sich der FC möglichst nachhaltig entwickeln und halten kann“.

  8. Nick
    Nick says:

    Ich finde das Argument vom Pitter absolut treffend – bei mehr als 25% sollen, nein MÜSSSEN, die Mitglieder zustimmen, da sind alle Gedanken von Nicht-Kompetenz verflogen…dann können sie es auch bei 5% oder 10%…

    @ Ulrike – glaube mir, Du wirst als Mitglied wieder Wochen vorher per Brief über alle Änderungen informiert. Es wird Für und Wieder erklärt werden (natürlich aus GF-Sicht). Aber jeder der lesen kann und es tut wird gut informiert sein. Wenn trotzdem jemand einzelne Punkte nicht verstanden hat, hat er genug Zeit Freunde zu fragen oder z.B. das Thema hier zu diskutieren. Auch der Geissblog wird sicher in den nächsten Wochen noch den ein oder anderen Artikel dazu bringen. Sei Dir also sicher, jeder der informiert sein will, der wird es auch sein und wem die Sache dann wichtig ist, der kommt dann auch zur JHV…

    Wäre doch mal schön wenn wenigstens mal 2000 Leute kommen würden und am Ende noch über 1000 da wären…Wir wollen alle nicht sein wie RB, Bayer oder VW…dann sollten wir auch mal unsere Pflichten wahr nehmen!!!

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