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Großbaustelle Effzeh: Gründe für den Absturz

Seit dieser Saison blickt der GEISSBLOG.KOELN in der Serie „Das war gut, das war schlecht“ nach jedem Spieltag auf die Leistung des 1. FC Köln. Nach der fünften Bundesliga-Niederlage in Folge braucht es aber einen tieferen Blick in die Probleme der Geissböcke.

Köln – Nach dem 0:1 gegen Eintracht Frankfurt muss der 1. FC Köln aufpassen, mit einer weiteren Niederlage in Hannover am Sonntag nicht den schlechtesten Start in der Geschichte der Bundesliga hinzulegen. Dafür muss Trainer Peter Stöger gleich ein halbes Dutzend Großbaustellen bearbeiten. Alle wird er nicht auf einmal schließen können.

1. Cordoba ist kein Modeste

Anthony Modeste ist nicht mehr in Köln. Das muss man akzeptieren. Die Entscheidung fiel aus wirtschaftlichen Gründen. Die Lücke, die der Franzose riss, ist riesig. Nicht nur sportlich, auch menschlich. Die FC-Profis liebten den Stürmer, auf dem Platz, in der Kabine und an gemeinsamen Abenden war die Spaßkanone wichtig für die Stimmung. Der 29-Jährige ist nicht mehr da, für ihn kam Jhon Cordoba. Auf dem Rasen ist der Kolumbianer ein gänzlich anderer Spielertyp, doch viele FC-Spieler wähnen noch immer Modeste in der Sturmspitze. Doch das Spiel muss sich verändern, Cordoba – das war gegen Frankfurt sichtbar – kann mit den vielen langen Bällen deutlich weniger anfangen als Modeste. Der FC muss sein Offensivspiel dringend verändern und mehr auf die Stärken des 24-Jährigen ausrichten. Denn ein Modeste-Klon wird Cordoba nicht mehr. Und abseits des Platzes müssen andere Spieler in die Rolle des Gute-Laune-Bärs springen. Gerade jetzt, da die Stimmung brenzlig wird.

2. Die Abwehr patzt in Serie

Dominic Marohs fataler Rückpass vor dem 0:1 gegen Frankfurt war nur der letzte in einer ganzen Reihe von katastrophalen Abwehrfehler des FC in den letzten Wochen. Jannes Horn und Jorge Meré gegen Dortmund, Frederik Sörensen und Jonas Hector gegen Augsburg, zwei nicht verteidigte Standards gegen den HSV, dazu reihenweise Fehler im Aufbau wie vor dem 0:1 in Gladbach, die den Gegner zu Kontern einluden: Der Effzeh schafft es bislang nicht, ein Spiel über 90 Minuten ohne Fehler zu verteidigen. Das biedere Frankfurt hatte zwar kaum eine Chance, eine Einladung wie die Marohs ließ sich aber selbst ein harmloses Team wie die Eintracht nicht entgehen. Mannschaftlich sah es gegen die SGE zwar deutlich kompakter aus, doch individuell patzte der FC bislang viel zu häufig. Die Fehlerquote muss deutlich reduziert werden, sonst wird Köln auch Hannover wieder zum Toreschießen einladen.

3. Im Zentrum ohne Ideen und Tempo

Mit Matthias Lehmann und Marco Höger verfügt der 1. FC Köln zwar über ein erfahrenes und giftes Duo auf der Doppel-Sechs. Ihr Hauptmanko wurde aber gegen Dortmund und Frankfurt offensichtlich: Beiden fehlt das Tempo, nicht nur läuferisch, sondern auch im Spiel nach vorne. Nur in zwei Situationen gegen Frankfurt schaffte es Kapitän Lehmann durch öffnende Pässe schnelle Umschaltsituationen gefährlich zu machen. Viel zu wenig, um Lücken in gegnerische Abwehrreihen zu reißen. Viel zu wenig, um Überraschungsmomente zu kreieren. Und auch viel zu wenig, um den Ball dauerhaft vom eigenen Tor fern zu halten. Obwohl Jonas Hector auf der Linksverteidiger-Position besser aufgehoben ist: Die Verletzung des Nationalspielers schädigt auch die Kompaktheit der Geissböcke im Zentrum.

Weiterlesen: Das Flügelspiel, die Verletzungen und fehlende Alternativen

11 Kommentare
  1. C W
    C W says:

    Sehr treffend beschrieben. Dem kann man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen.

    Außer vielleicht etwas das vollkommen offtopic ist und mir gerade richtig auf die Nerven geht… die fünf Fakten nach dem 5. Spieltag… dieses Video nervt. Beim ersten mal wars ja noch interessant. Aber das sich das bei jedem Seitenwechsel öffnet und automatisch anfägt und dann auch penetrant und vergrößert unten recht angezeigt wird wenn man dran vorbei scrollt….

    • Jürgen Staubesand
      Jürgen Staubesand says:

      Das ist finde ich eine sehr zutreffende Analyse der Probleme. Sie waren in der Rückserie in großen Teilen schon vorhanden und zu sehen. Offensichtlich hat die sportliche Leitung da eine andere Meinung gebabt. Ich frage mich nur wie will Herr Stöger diese Probleme in den Griff kriegen, abarbeiten oder gar abstellen. Das geht doch garnicht. Oder? Mannschaft A hat die beschriebenen Probleme und Mannschaft B (oder besser die der Mannschaft A in den Hintern beissen) gibt es nicht. Alle die den Club lieben müssen ganz stark sein in diesem Jahr. Das kann ganz ganz böse enden. Und das hat jetzt nicht mit dem Thema zu tun. Ich finde Präsidium und GL sollten Ihre Stadionpläne wieder rausholen wenn der FC SICHER im ersten Drittel der Bundesliga etabliert ist. Da macht man sich ja selbst lächerlich, der Abstieg schwebt wieder über dem Club und man denkt an eine Arena für 75.000. Das ist echt nicht so schlau.

  2. Helmut Klöckner
    Helmut Klöckner says:

    Ich sehe nur eine Lösung: Der FC sollte sich sofort auf dem Transfermarkt nach vereinslosen Spielern umsehen. Claudio Pizarro z.B. könnte dem FC nützlich sein. Es gibt noch etliche Spieler, die sicherlich besser spielen als das, was im Moment gezeigt wird.

    • Max Dresbach
      Max Dresbach says:

      Geht das „unter der Saison“? Dann sollte man mal drüber nachdenken. Ist natürlich ein deutliches Zeichen an den vorhandenen Kader, aber immer noch besser, als es nicht versucht zu haben.
      Ist der Tosic auch vereinslos? IMHO war der im Sommer ablösefrei zu haben.

      Jörg Jakobs scheint im Scouting-Bereich einen besseren Job gemacht zu haben…

  3. Horst Simon
    Horst Simon says:

    Wenn der Sportmanager nicht erkennt, wo der Kader seine Schwächen hat,
    muß hier ein Wechsel erfolgen.
    Mit den Modeste Millionen hätte man 3-4 gute Spieler mit Erstliganiveau holen können,
    welche uns sofort weitergeholfen hätten.
    Geholt wurde ein überteuerter mittelmäßiger Stürmer und 4 Talente.
    Ich traue dem Manager nicht zu, daß er in der Winterpause die richtigen Leute holt.
    Die Scouting-Abteilung sollte mit Experten besetzt werden.
    Vielleicht kommt es im nächsten Jahr zum Stadtduell gegen Fortuna.

  4. Kurt Bade
    Kurt Bade says:

    Nun, der Sportmanger hat seinem Sohn einen tollen Posten beim FC besorgt wo von er keine Ahnung hat. Klüngel . Er hat doch immer wenn es darauf ankam die Flinte ins Korn geschmissen. In Aachen, Hannover war es so. Rausch, Horn, Zoller, usw. überteuerte 2. Liga Spieler. Modeste war der einzige richtige Einkauf . Der Rest Alibi-Spieler wo er nicht wusste wo er was brauchbares auf dem Markt bekommt. Der schlechteste Start der Liga ab Sonntag. Stöger ein hilfsloser Trainer aus dem Skigebiet Österreich . In der Vorbereitung habe ich in Kitzbühel nicht verstanden das bei den Testspielen nicht die Mannschaft spielt die ich mir als Trainer für die Liga vorstelle. Wenn man bedenkt das Spieler auf dem Markt waren wie Weiser, Großkreutz und auch Poldi für relativ wenig Geld, kann ich nur vermuten das Herr Stöger nur ja
    sager haben will. Jeder Jugendspieler sollte nicht zum FC wechslen ,denn da versauert man nur. 2. Liga wir kommen unter dieser Führung ganz bestimmt zu euch .

  5. ralf brostewitz
    ralf brostewitz says:

    ,,,bei allen sorgen manche von euch schreiben unter aller sau, auch ich weiss das es eine ganz schwere saison wird aber was bisher alles gut war kann doch nun nicht alles falsch sein und ausserdem ruft euch die hymne mal ab und zu ins gedächtnis ! auch für mich haben die verantwortlichen im sommer fehler in der einkaufspolitik begangen und meiner meinung nach sollte endlich mal einer dazu stehen und den fehler einzugestehen ! und wenn schon im sommer fehler gemacht wurden warum versucht man die jetzt nicht etwas zu korrigieren – vereinslose spieler ? der HSV hats vorgemacht – Sejad Salihović ! in der momentanen situation hätte er uns mit seiner abgeklärtheit und bei standardsituationen durchaus helfen können ! ich verstehe auch nicht warum alle die augen davor verschließen wie es vorige saison war – wir haben nicht im hurrastil den 5. platz erspielt – wir hatten viel glück und einige mannschaften haben uns geholfen mit ihren spielerischen ausfällen – reell wäre ein platz 8-10 gewesen ! spielerisch waren wir auch limittiert mit den langen bällen nach vorn auf tony – nur das er oftmals viel daraus gemacht hat ! jetzt haben wir eine neue saison mit 3fach belastung !? und was hat sich am kader verändert? NIX im gegenteil wir haben den besten abgegeben ! der kader ist einfach nicht breit und gut genug aufgestellt – das sollten die verantwortlichen doch endlich mal zugeben ! und wenn dann wie jetzt verletzungen ( JONAS) dazu kommen – ich ahne böses ….

  6. Georg Scherr
    Georg Scherr says:

    Guter Artikel. Spricht die Probleme fast in Gänze an. Das größte Problem ist m.E. die missratene Transferpolitik. Die bekannten Schwachstellen im defensiven Mittelfeld und auf den offensiven Außen wurden wieder einmal konsequent ignoriert. Stattdessen wurden für viel Geld Nachwuchsspieler auf Positionen geholt, wo überhaupt nicht der dringendste Bedarf bestand. Das kann man machen, wenn man eine gefestigte Buli-Mannschaft hat. Diese Mannschaft wurde aber deutlich überschätzt. Die letzte richtig gute Transferphase war im Sommer 2015 – danach ging es stetig bergab. Woran liegt das? Als Fan kann man nur mutmaßen. Aber es ist schon offensichtlich, dass Jörg Jakobs damals einen exzellenten Job gemacht hat. Ich glaube jedenfalls, er ist als Kaderplaner und Chefscout deutlich wertvoller für uns, als im Jugendbereich. Neben der mehr als fragwürdigen Kasderzusammenstellung muss man nun mal auch das Scouting hinterfragen. Für Höger, Rausch, Rudnevs, Clemens, Subotic, Mere oder Cordoba brauche ich keine Scouts. Die kennt jeder. Für Guirassy und Queiros schon. Die spielen sportlich aber nunmal überhaupt keine Rolle bisher. Das ist wirklich eine mehr als dürftige Ausbeute in den letzten drei Transferphasen, OBWOHL wir jetzt deutlich mehr finanzielle Mittel haben. Deshalb FC: Bitte einmal selbstkritisch hinterfragen, ob man da vor 2-3 Jahren mit Jakobs nicht deutlich besser aufgestellt war?

  7. Michael Hennemann
    Michael Hennemann says:

    Wenn man auf den Transfermarkt schaut, ginge bei den Vereinslosen tatsächlich noch etwas. Claudio Pizarro ist immer für ein Tor gut. Mit einem prämienbezogenen Vertrag wäre hier sicher etwas zu erreichen. Ashkan Dejagah wäre auch ein Kanditat für mehr Drive im Mittelfeld.

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