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„Keine Trauerreise“ in eine surreale Parallelwelt

Die Reisen in der Europa League hätten in dieser Saison für den 1. FC Köln zur Kür werden sollen. Doch weil die Geissböcke in der Bundesliga ihrer Pflicht nicht nachkommen, gerät das Spiel bei BATE Borisov in zweifelhaftes Licht.

Köln – Jörg Schmadtke wurde nach dem 1:2 gegen Stuttgart gefragt, ob er sich in der aktuellen Situation noch freuen könne, unter der Woche nach Weißrussland zu fliegen. „Ich hab total Spaß nach Minsk und durch die ganze Welt zu fliegen“, grummelte der FC-Sportchef. „Ich freue mich jeden Tag.“

Chance auf Erfolg oder lästige Pflicht?

Freude ist wohl so ziemlich das Letzte, was die Geissböcke dieser Tage empfinden. Der Frust sitzt tief. Kommt das Spiel in Borisov dem Effzeh daher gelegen, weil es eine zusätzliche Ablenkung ermöglicht, eine zusätzliche Chance doch mal wieder ein Fußballspiel zu gewinnen? Oder ist aus der eigentlichen Kür die lästige Pflicht geworden, nun auch noch zwischendurch quer durch Europa zu tingeln, obwohl aktuell nur die Bundesliga zählt?

Es gehört zu den Aufgaben eines Trainers, in solchen Situationen das Beste in allem zu sehen, um mental nicht völlig abzuknicken. „Das ist keine zusätzliche Belastung, sondern die Chance, wieder was mitzunehmen“, sagt Peter Stöger daher auch. „Da können wir uns das Erfolgserlebnis holen, und so werden wir es angehen.“ Die Floskel „alles raushauen“ hört man von den FC-Profis, doch überzeugend klingt sie nicht. Die Europa-Euphorie ist im Schockzustand der Bundesliga zum Teil einer surrealen Parallelwelt erwachsen. Der Glanz, den die Geissböcke in dieser Saison auf europäischer Bühne in ihren Nadelstreifen-Trikots erleben wollten, verblasst angesichts der desaströsen Lage in der heimischen Liga.

Borisov wird keine Trauerreise für uns

Und so sehr Peter Stöger davon spricht, dass „der Blick geht gar nicht in Richtung Bremen am Sonntag geht – überhaupt nicht“, wird der FC-Coach in Borisov nicht seine aktuell beste Elf aufbieten, sondern anderen Spielern Spielpraxis verschaffen, damit diese unter Umständen wieder in einen Rhythmus kommen, der sie zu einer Alternative in der Liga werden lassen könnte. Dominic Maroh, Marco Höger, Pawel Olkowski, Jannes Horn, Christian Clemens und Sehrou Guirassy sind solche Kandidaten. „Borisov wird keine Trauerreise für uns“, sagt Stöger. „Darauf habe ich keine Lust. Es geht darum, etwas Positives mitzunehmen.“ Damit die Geissböcke überhaupt wieder auf irgendetwas Lust bekommen.

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