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Gute Offensive aber fehlende Effektivität: Das war gut, das war schlecht

Der 1. FC Köln hat eine große Chance verpasst, um sich endgültig im Abstiegskampf zurückzumelden. Trotz couragierter erster Halbzeit stand der Effzeh am Ende mit leeren Händen da. Nach der Führung durch Claudio Pizarro leitete ein Doppelschlag der Gäste aus Stuttgart – unter gütiger Mithilfe der Kölner – kurz vor dem Halbzeitpfiff die bittere Niederlage ein.

Aus Köln berichten Jonas Klee und Carsten Ruge

Werder Bremen hat einen Punkt geholt, der VfL Wolfsburg hat verloren, Hamburg und Mainz trennten sich im direkten Duell mit einem Remis – die Konkurrenz hatte vor der Partie der Kölner gegen den VfB Stuttgart gepatzt und damit dem Effzeh die Tür Richtung Klassenerhalt ein Stück weit auf gemacht. Doch die Domstädter konnten die Vorlage nicht nutzen. Trotz einer starken ersten Hälfte hat das Team von Stefan Ruthenbeck nun acht Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz.

Das war gut

So spielt kein Tabellenletzter. Engagiert, zweikampfstark und spielerisch sehr ansehnlich präsentierte sich die Elf von Stefan Ruthenbeck im ersten Durchgang gegen den VfB Stuttgart. Aus der Abwehr heraus kombinierten die Geißböcke sicher nach vorne und spielten sich dadurch im Laufe der ersten 45 Minuten mehrere hochkarätige Chancen heraus. Die Mannschaft nahm ihr Schicksal selbst in die Hand und agierte mutig.

Ruthenbeck hatte die richtige taktische Aufstellung gewählt: Im Angriff spielte Simon Terodde als Sturmspitze. Etwas hinter dem ehemaligen Stuttgarter, in den Halbräumen, agierten Claudio Pizarro und Yuya Osako. Beide waren in der ersten Hälfte sehr präsent, holten sich viele Bälle ab und wurden selbst immer wieder von Vincent Koziello und Marco Höger in Szene gesetzt. Auch über Kölns linke Seite von Jonas Hector sorgte der Effzeh immer wieder für gefährliche Vorstöße. Der VfB kam somit kaum ins Spiel – erst die Umstellung von Tayfun Korkut nach einer guten halben Stunde brachte den Gästen etwas mehr Stabilität.

Das war schlecht

Aus seiner Überlegenheit machte der Effzeh zu wenig. In der halben Stunde nach der Führung hätte das Team nachlegen müssen. Es fehlte der letzte Punch vor dem gegnerischen Gehäuse. Simon Terodde vergab gleich zwei gute Gelegenheiten, um auf 2:0 zu erhöhen. So hätte das Team mit einer klaren Führung im Rücken in die Kabine gehen können. Doch das gelang nicht. Stattdessen lud der Effzeh den VfB Stuttgart zu Toren ein.

Die individuellen Fehler kurz vor der Halbzeit kosteten am Ende die wichtigen Punkte im Abstiegskampf. Beim ersten Treffer verlor Höger auf der Außenbahn unglücklich den Ball gegen Thommy, obwohl er den Ball eigentlich schon gewonnen hatte. Bei der Hereingabe stand Jorge Meré zu weit weg von Gomez, der den Ball annehmen konnte und zum 1:1 ins Tor jagte. Das zweite Tor der Schwaben ging auf das Konto des sonst so verlässlichen Timo Horn. Der Torwart ließ einen harmlosen Gomez-Schuss durch. Ein Patzer, der zum 1:2 kurz vor der Halbzeit sorgte – und die Niederlage endgültig einläutete.

So geht es weiter

Durch die Heimniederlage beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nun acht Punkte. Die wohl letzte Chance auf das Wunder vom Klassenerhalt hat der Effzeh am Montag in einer Woche in Bremen. Doch dort zu gewinnen wird schwer: Werder zeigte sich zuletzt in guter Form. Die Norddeutschen gewannen das Derby gegen den HSV und holten am 25. Spieltag auswärts in Gladbach nach einem 0:2-Rückstand noch einen Punkt. Dennoch sollte den Kölner die gute erste Hälfte gegen den VfB Mut machen.

5 Kommentare
  1. Detlef Lodenkämper says:

    Wenn man die momentane Tabelle hochrechnet, braucht man am Ende 34 Punkte für den Reli-Platz. Demnach müsste der Effzeh in den letzten 9 Spielen noch einmal 17 Punkte holen: 5 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen. Boah, wie soll das gehen? Man kann nur hoffen, dass wir einerseits den HSV überholen und dass andererseits Mainz oder Wolfsburg noch total abkacken. Haltet mich nicht für blöd, aber wir haben ja noch die Bayern am 33. Spieltag, der ist direkt nach dem CL-Halbfinalrückspiel, das die Bayern hoffentlich erreichen. Könnte man da nicht vielleicht etwas reißen, ein Punkt vielleicht, vorausgesetzt, der Abstand nach oben ist bis dahin noch knapp genug? Sicher ist nur, dass, wenn wir in Bremen abschmieren, alles vorbei ist.

    • OlliW says:

      Richtig. Denn da sind wie gegen Mainz und Wolfsburg die Big Points gegen direkte Konkurrenten. Vielleicht kommt noch Freiburg in diese Kategorie dazu bis zum Spieltag.
      Aber Bremen und die Breisgauer werden sehr, sehr schwere Auswärtsspiele. In Berlin und bei den 1899ern kann was gehen. Einrechnen sollte man es aber nicht. Ebenso wenig, wie sich gegen Bayer, S04 und Bayern daheim was Zählbares erhoffen.
      FC ist noch für die eine oder andere Überraschung gut. Es werden noch Punkte kommen. Auch solche, mit denen nicht zu rechnen ist. Aber diese werden hart, hart erkämpft werden müssen, während die Tore gegen uns fast immer wie Trainingseinheiten aussehen. Fürchte das bleibt so. Und daher wird es am Ende nicht reichen. FC landet knapp hinter Platz 16. Mit zwei, maximal drei Punkten Abstand. Und dann spätestens wird man den vielen schönen versäumten Chancen wie gestern hinterhertrauern.

  2. Dieter says:

    Träumen ist zwar erlaubt aber hilft jetzt wirklich wenig.
    Dazu müsste die Defensive erst mal 2-3 Spiele zu null gewinnen. Wenn ich alles glaube, daran kann kein normal denkender Mensch auch nur im Traum denken.
    Die Saison ist verkackt; ich hake zwar noch nicht ab – aber realistisch gesehen wird der FC wieder mal eine Liga nach unten gehen.
    Neue Mannschaft aufbauen – neuen Trainer engagieren und der AV muss eine schlagkräftige Truppe zusammen kaufen (aufbauen).
    Und wenn es dann wieder mal hoch geht brüllt das gesamte Stadion
    “ NIE MEHR 2: LIGA; NIEMEHR; NIEMEHR.
    Und das Spiel geht wieder von vorne los.
    Erst Klassenerhalt – dann Mittelfeld – dann Höhenflug mit anschließendem Absturz. Dafür bin ich eigentlich schon zu alt.
    Vielleicht steige ich um auf Schach oder Boccia. Ist gesünder.

  3. Karl Heinz Lenz says:

    Ich will mal versuchsweise solche Sachen wie Pech, Pannen, Verletzungen, falsche Entscheidungen durch Schiedsrichter und Videoassistenten, Belastung durch Europa League-Spiele, Modeste-Abgang, aber auch die vieldiskutierten Rollen und Versäumnisse von Jörg Schmadtke und Peter Stöger für den Moment einfach mal weglassen, sondern nur mal auf Schwierigkeiten in unserer Mannschaft gucken.

    Dann fallen folgende Sachen auf, die nicht neu sind, sondern die es auch in den vergangenen Bundesliga-Spielzeiten so oder ähnlich schon gab:
    – Es fällt der Mannschaft schwer, nach dem ersten Tor noch einmal nachzulegen. Das zweite Tor, geschweige dann das dritte oder vierte Tor will nicht oder eher selten fallen. Man könnte so sagen: Es fehlt an „Killer-Instinkt“.
    – Die Mannschaft ist in den ersten Minuten nach Spielbeginn empfindlich für Gegentreffer. Anscheinend ist das Team des Öfteren zu Beginn des Spiels noch nicht auf Temperatur.
    – Auch kurz vor Ende der 1. Hälfte fängt der FC – meiner Beobachtung nach – häufiger als andere Teams Gegentreffer ein. Der Mannschaft fällt es schwerer als anderen, die Spannung bis zum Schlusspfiff hochzuhalten.
    – Spiele, in denen die Mannschaft über die vollen 90 Minuten auf dem Platz wirklich präsent wirkt, sind eher selten. Oft gelingt ihr nur eine gute Hälfte.
    – Schon seit der letzten Saison 2016/2017 wirkt die Abwehr nicht mehr sicher. Man hat zwar den Eindruck, dass die einzelnen Abwehrspieler gut sind, aber dennoch wirken die Spieler im Verbund im Abwehrverhalten oft unaufmerksam. Der Führungstreffer der Leipziger beim kürzlichen Auswärtsspiel unserer Jungs dort war ein krasses Beispiel. Und jetzt auch gegen den VfB.

    Man könnte es vielleicht so sagen. Die Mannschaft hat unbestreitbar Qualität, aber es fehlt ihr etwas. Könnte man das fehlende „Wettkampf-Härte“ nennen? In der Leichtathletik benutzt man diesen Begriff, soviel ich weiß.

    Wenn das so wäre, dann müsste man sagen, dass es hier ein Versäumnis auf Seiten des alten Sport-Geschäftsführers und des alten Cheftrainers gab. Die Mannschaft ist – was die „Wettkampf-Härte“ angeht – nicht weiterentwickelt worden. Da ist, was wir von außen sehen können, nicht viel passiert.

    Zwischenbemerkung zur „Qualität“: Ich glaube auch nicht, dass in der Ära Schmadtke/Stöger unsere Spieler „besser gemacht“ worden sind. Das ist ja in den Medien immer wieder gesagt worden, vor allem in Bezug auf den alten Cheftrainer: „Stöger hat die Spieler besser gemacht!“ Das sehe ich nicht.

    Zurück zur „Mentalität“: Wir wissen ja nicht, was in den letzten Jahren innerhalb der Mannschaft wirklich los war. Von daher bleibt alles Vermutung. Manchmal war zu lesen, da hätte es zu viel „Wohlfühl-Atmosphäre“ gegeben und zu wenig Klartext. Statt die Spieler dauernd zu tätscheln, sei versäumt worden, sie bei passender Gelegenheit auch mal in den Hintern zu treten (im übertragenen Sinne). Wir wissen nicht genau, was da los war. Jedenfalls verblüffte mich in diesen Tagen ein Interview, das unser Fredrik Sörensen (zusammen mit Dominik Heintz) gab. Sörensen wurde gefragt, wie es denn zu dem Rekord-Absturz (3 Punkte aus 14 Spielen) hätte kommen können. Das war Sörensen, wie ich im Internet las, vor zwei oder drei Wochen auch von einer dänischen Zeitung gefragt worden. Beide Male sagte er sinngemäß: Das wäre doch ganz einfach. Die Mannschaft wäre durch die vielen Europa-League-Spiele überlastet gewesen und keiner der Spieler sei damit zurecht gekommen, weil die Situation doch für alle Spieler neu gewesen sei. Ich war verblüfft. Sörensen hätte doch auch sagen können, dass die Spieler im Sommer in einem schlechten körperlichen Zustand aus den Ferien kamen, eine schlechte Vorbereitungsphase spielten und in der Liga eine Niederlagen-Serie starteten, obgleich die Euro-League noch gar nicht angefangen hatte. Der Reporter fragte dann weiter, wie er darüber denke, dass seine Leistungen beim FC zuletzt kritisiert worden seien. Sörensen antwortete (unterstützt von Heintz), er würde besser spielen als von ihm behauptet wird und er sein sowieso gewohnt, dass er als Ausländer deutlich kritischer bewertet wird als einheimische Spieler. Das habe er auch schon in Italien, wo er ja ausgebildet wurde, erlebt.
    Mir geht es mit dieser Schilderung nicht speziell um Sörensen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er mit seiner wenig selbstkritischen Haltung vielleicht im Team gar nicht alleine dasteht. Wir wissen es nicht. Die Interviews mit Timo Horn, der ja immer auch selbstkritisch mitdenkt, könnten ja vermuten lassen, dass in unserer Mannschaft alle so ticken. Aber so muss es nicht sein.

    Zurück noch einmal zum Thema der Wettkampfhärte und des Besser-Machens unserer Spieler. Stefan Ruthenbeck und sein Trainerteam müssen damit arbeiten, was sie vorgefunden haben (plus der zwei Neuverpflichtungen). Ich denke, dass sie das sehr gut machen.
    Für das neue Jahr – egal in welcher Liga – würde ich mir wünschen, dass es im Kader unseres FC einen Umbruch gibt. Es hat nicht alles nur an Schmadtke und Stöger gelegen, um es mal so zu sagen.

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