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Kommentar: Dieser FC ist nur noch auf Abschiedstournee


Der 1. FC Köln ist abgestiegen. Zwar steht der sechste Gang in die Zweitklassigkeit rein rechnerisch noch nicht fest, dennoch glaubt vier Spieltage vor dem Ende niemand mehr an die Rettung. Das bedeutet: Für die Spieler und den Verein geht es bis zum Saisonende noch darum, sich gebührend aus dem Oberhaus zu verabschieden und den Wettbewerb am Leben zu lassen. 

Köln – Während seine Kollegen mit gesenkten Köpfen in die Fankurve schlichen, marschierte Effzeh-Torhüter Timo Horn als Einziger direkt in die Katakomben des Berliner Olympiastadions. Ohne nach links und rechts zu blicken, ging der Keeper an den wartenden Journalisten vorbei ohne Umwege in die Kabine. Seine Körpersprache machte klar: Horn wollte nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Zu sauer war der Kölner Schlussmann über die 90 Minuten, die den Abstieg endgültig besiegelten. Zu groß war der Frust, erneut eine Führung und damit die große Chance, noch einmal heranzurücken, verspielt zu haben.

Der FC gibt sich seinem Schicksal hin

Dabei gehört Timo Horn eigentlich zu den wenigen Spielern, die sich in dieser Saison noch nach jeder Niederlage gestellt haben. Der immer Rede und Antwort gestanden und den Kopf hingehalten hat, obwohl er an den 58 kassierten Gegentoren wohl die wenigste Schuld getragen hatte. Doch auch er, der immer wieder beteuert hatte, an das Wunder noch zu glauben, wird jetzt realisiert haben: Dieser FC wird den Absturz nicht mehr verhindern können. Schon gegen Hoffenheim, als sich der Effzeh kampflos seinem Schicksal ergeben hatte, aber auch gegen Mainz, hatte man selten das Gefühl, die Spieler glauben noch an sich oder an die große Chance, die ihnen geboten wurde.

Den Klassenerhalt zu realisieren wäre in dieser Rückrunde kein Wunder gewesen. Die Möglichkeiten waren zuhauf vorhanden. Nur die Spieler versagten in den entscheidenden Momenten. Als die Gegentore in Berlin fielen, schienen es die Profis fast emotionslos hinzunehmen. Es gab niemanden, der einmal verbal oder auch auf dem Rasen dazwischenhaute. Mit gesenkten Blicken holten die Spieler den Ball aus dem eigenen Tor und gingen zurück zum Anstoßpunkt. Ärger? Proteste? Wut? Fehlanzeige.

Das Kapitel FC ist für einige Spieler beendet

Auch wenn einige seiner Mannschaftskollegen seit Wochen das gleiche Mantra des rechnerisch Möglichen aufsagen – man nennt dies im Fachjargon „Durchhalteparolen“ -, sah Leonardo Bittencourt den Tatsachen am Samstag nach dem Spiel ins Gesicht. „Ganz ehrlich: Viel Hoffnung habe ich nicht mehr“, gab der Torschütze zum 1:0 zu und sagte dann das, wonach es schon die letzten Spiele nur noch aussah: „Die Mannschaft wird sich bis zum 34. Spieltag so reinhängen, dass es mit Ehre und Würde nach unten geht.“ Der FC will sich in den verbleibenden Spielen also nicht mehr, wie in Hoffenheim, blamieren. Es geht nur noch darum, gerade eben so gut spielen, wie es eben geht in einer Situation, die ausweglos und allen klar ist. Für die Kölner gilt es in den letzten vier Spielen nur noch darum, sich nicht völlig peinlich und charakterlos aus der Liga zu verabschieden. Das haben sie schon in der Hinrunde hinbekommen.

Der Verein wie auch die Spieler befinden sich also nur noch auf einer Abschiedstournee. Der Klub, der dringend den Weg zu jener Demut zurückfinden muss, die ihn nach dem letzten Abstieg wieder so stark gemacht hatte. Die Spieler, die trotz aller Liebesbekundungen an Köln teilweise eben doch nicht bleiben und das sinkende Schiff verlassen werden. Neben dem Spiel gegen den Meister aus München treffen die Kölner noch auf Schalke, Freiburg und Wolfsburg. Während die Königsblauen um den Einzug in die Champions League spielen, geht es für die anderen beiden noch um den Ligaverbleib. Die Geissböcke sollten sich nach dieser katastrophalen und historisch schlechten Saison nicht auch noch nachsagen lassen, am Ende auch noch den Wettbewerb durch Halbherzigkeit verzerrt zu haben.

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