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Kommentar: Findet Hector einen Weg in die Fan-Herzen?

Jonas Hector bleibt beim 1. FC Köln. Auch im Abstiegsfall. Und das bis 2023. In der jüngeren Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes gab es nur zwei Spieler, die trotz Abstiegs ihres Klubs den Weg in die Zweite Liga mit angetreten sind: Jonas Hector und Lukas Podolski. Das zeigt, wie außergewöhnlich dieser Schritt – und der Klub – sind.

Köln – Jonas Hector ist kein einfacher Mensch. Mit der (medialen) Öffentlichkeit, die sein Job mitbringt, kann der 27-Jährige herzlich wenig anfangen. Das haben in der Vergangenheit einige Journalisten ebenso wie einige FC-Fans erleben müssen. Hector geht Medienvertretern ebenso wie wartenden Anhängern gerne mal aus dem Weg. Fotos mit Fans oder Autogramme nach dem Training gehören nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Auch deshalb wurde der kühle Saarländer in Köln bislang zwar als Fußballer auf dem Platz immer geschätzt. Geliebt wurde er von der breiten Masse der FC-Fans aber nicht.

Ich gehöre zum FC

Das könnte sich nun ändern. Und genau jener Fan, der in Berlin dem Nationalspieler dessen Trikot wieder vor die Füße war, dürfte sich nun fragen, was ihn da geritten hat. Denn Jonas Hector hat einen außergewöhnlichen Schritt vollzogen. Er hat nicht einfach nur erklärt, er wolle den Abstieg korrigieren und Köln zurück in Liga eins führen. Jonas Hector hat eine für ihn in dieser Form besondere Liebeserklärung an den 1. FC Köln geschickt. „Ich gehöre zum FC“ ist, verbunden mit seiner Vertragsverlängerung bis 2023, eine Aussage, wie sie kaum ein Fußballer in der heutigen Zeit noch treffen würde. Doch der 27-Jährige ist kein gewöhnlicher Fußballer. Das hat mit seiner Entscheidung bewiesen.

Jonas Hector riskiert seine Position als Nationalspieler. Jonas Hector wird viel weniger verdienen als es ihm bei Borussia Dortmund oder dem FC Bayern München möglich gewesen wäre. Jonas Hector wird mit dem FC im Gegensatz zu den genannten Topklubs wohl auf absehbare Zeit keine Titel gewinnen. Doch all das ist Hector nicht so wichtig wie das persönliche Gefühl, in Köln zuhause zu sein, beim FC eine sportliche Heimat gefunden zu haben und diesem Klub das wiederzugeben, was er ihm mit dem Aufstieg aus der Regionalliga in die Bundesliga und damit in die Nationalmannschaft gegeben hat.

Ein Weg in die Kölner Fan-Herzen?

Für dieses Signal, das auch andere Spieler wie Timo Horn und Leonardo Bittencourt wahrnehmen werden, gebührt ihm Respekt und Anerkennung, weit über die Domstadt hinaus. Denn es ist auch ein Signal an den Fußballkommerz, an die Bierhoffs, Rummenigges, Grindels, Watzkes und Rangnicks dieser Welt. Vielleicht hat Jonas Hector gerade damit nun den Weg in die Kölner Fan-Herzen gefunden. Denn berührt hat er sie, das zeigen die ersten Reaktionen auf seine Entscheidung, mit Sicherheit.

37 Kommentare
  1. FC Fan im Exil says:

    Wenn er es bisher noch nicht war, mit diesem Signal hat er sich einen Herzblut Platz erobert. Und dies in Zeiten wo der Fußball immer mehr von kommerziellen Motiven überlagert wird. Ich freue mich riesig über die Entscheidung von Jonas Hector, spürbar anders. Da Capo. ..

  2. Stefan Schmitz says:

    „In der jüngeren Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes gab es nur zwei Spieler, die trotz Abstiegs ihres Klubs den Weg in die Zweite Liga mit angetreten sind: Jonas Hector und Lukas Podolski.“

    Ein unfassbarer Vergleich.
    Hector ist 27 und hat bereits 36 Länderspiele absolviert.
    Podolski hatte in der Abstiegssaison 2003/04 gerade erst seinen Durchbruch beim FC und 20 Profispiele absolviert. Der war zu dem Zeitpunkt nicht mehr als ein Talent! An seinem damaligen Verbleib war nichts besonderes. Wie sehr ihm der FC wirklich am Herzen liegt, hat er ja anschließend 2x eindrucksvoll bewiesen…NICHT!

    Was Hector jetzt macht ist ein außergewöhnliches Beispiel für Anstand und Vereinstreue. Ein jeglicher Vergleich mit „Prinz Straßenkicker von und zu Ultrakölsch“ ist eine absolute Frechheit.
    Er opfert wohlmöglich seine letzte Chance auf einen Wechsel zu einem großen Club UND auf einen Verbleib in der Nationalmannschaft. Das kann der Bergheimer nicht von sich behaupten.

  3. Elke L. says:

    upps, da ist der Jonas wohl den Kölner Medien mal auf die Füße getreten. Für mich war er schon immer ein besonderer Spieler und das jetzt um so mehr. Dafür benötige ich nicht unbedingt seine Aufmerksamkeit, wenn ich denn mal beim Training vor Ort bin.

  4. Birgit Wieland says:

    Was für ein tolles Zeichen in der jetzigen Situation.
    Das verdient Hochachtung, Respekt und Bewunderung.
    Danke Jonas!!!

    Es ist schön zu sehen, das manche nicht vergessen haben wem sie was zu verdanken haben.

    Damit zeigt er nicht nur seine Liebe und Verbundenheit zum FC, sondern setzt er auch ein klares Zeichen an die Kollegen.
    Das wird immer in Erinnerung bleiben, wir sagen unserem Vizekapitän :
    Super , wir freuen uns riesig Dich weiter im FC-Trikot spielen zu sehen!

  5. Timo says:

    Diese Entscheidung ist wirklich ein Grund zur Freude! Allerdings frage ich mich, warum die Frage aufgeworfen wird, ob JH so einen Weg in die Fan-Herzen findet?! Hat er den nicht schon längst?!
    Ich zumindest habe z.B. doppelt und dreifach so laut gejubelt, als gerade unser kölscher Hector bei der EM den entscheidenden Elfmeter gegen Italien verwandelt hat…

  6. Karl Heinz Lenz says:

    Was die Medien angeht: Ich meine, ich hätte das bereits in unserem Forum schon mal geschrieben. Zu Anfang seiner Kölner Zeit hatte Jonas Hector ziemlichen Ärger mit der Kölner Presse, da er sich der „Medienarbeit“ entzog. Daraufhin wurde er in den Spielberichten unter Wert gehandelt und bekam auch in der sonstigen Berichterstattung von den Sportjournalisten die kalte Schulter gezeigt. Das war damals ein richtiges Problem. Das änderte sich erst, als der regelmäßig in der Nationalmannschaft spielte und sich im Umgang mit den Medien ein bisschen lockerte. Als Nationalspieler war er dann nicht mehr so richtig angreifbar.

    Was die Fans angeht: In diesen Tagen habe ich ziemlich alles gelesen, was von den Teilnehmern unseres Forums über den FC und seine Spieler geschrieben wurde. Das war ja jede Menge. Es waren einige sehr kritische Kommentare dabei, die sich damit befassten, wie Jonas reagiert, wenn er auf Autogramme oder auf die Hergabe des Trikos angesprochen wird. Bei einigen von uns spürte man noch deutlich den Zorn, den sie empfanden, als Jonas ihnen in einer bestimmten Situation zum Beispiel kein Autogramm gegeben hatte.
    Dazu nur eine kurze Geschichte aus meiner Zeit als Kind, als ich Anfang der 1960er Jahre regelmäßig am Geißbockheim stand und die damaligen Lizenzspieler um Autogramme bat. Die meisten von ihnen gaben gerne. Einer aber war dabei, der nur ganz selten Autogramme gab. Wenn man von ihm dann trotzdem einmal eins bekommen hatte, dann war das eine große Ehre und ein großes Glück. Man musste dann das Autogramm den anderen Kindern und Erwachsenen, die ebenfalls am Geißbockheim standen, als besonderes Glück vorzeigen. Die anderen waren nämlich neidisch, weil die leer ausgegangen waren. Wer mag dieser Spieler gewesen sein? Hans Schäfer! Der Hans Schäfer, der noch kürzlich in den ihm gewidmeten Rückblicken als sehr freundlicher und sehr bescheidener Mensch gewürdigt wurde. Hans Schäfer war natürlich alles andere als ein bescheidener Mann. Wie sein Vereinspräsident Franz Kremer war er eine absolute Autoritäts- und Chefperson, heute sagt man ein leader. Wir damals wären nie auf die Idee gekommen, Hans Schäfer – den Weltmeister von 1954 und den Kapitän der Meistermannschaften des 1. FC Köln – wegen seiner Unlust Autogramme zu geben, zu kritisieren, geschweige denn zu beschimpfen.
    Gut, die Zeiten haben sich heute geändert, und das ist ja auch nicht schlecht. Dennoch: Die Ansprüche der Presse und mancher Fans gehen mir manchmal zu weit.
    Wir können froh sein, dass Jonas Hector jemand ist, der nicht allen in den Hintern kriecht.

  7. Bernd Müller says:

    Auch ich habe mich schon über Jonas Hector wegen seiner Autogramm-Muffelei geärgert, freue mich aber den Fussballer Hector weiter beim FC sehen zu können. So schlecht wie manche ihn machen kann er nicht sein sonst wäre er keine Nationalspieler, wahrscheinlich gibt es einfach nur zu viele „Amateur-Bundestrainer“ unter den FC-Fans. Für die Entscheidung verdient er jedenfalls größten Respekt. Hoffentlich gibt es Spieler die es ihm und MH gleichtun – man muss und darf nicht alle behalten, aber ein gewisser Stamm sollte schon bleiben. Come On FC!

  8. Klaus-Uwe Saiko says:

    Jonas Hector, ein echter Kölsche Jung der sein Herz an der richtige Stelle trägt. Charakterlich einwandfrei, weiß was er will und wo er hingehört. Ein Vorbild für viele seiner Kollegen und das nicht nur beim Effzeh. Dafür sollten wir ihm dankbar sein. Für das schlechte Abschneiden in der Hinrunde kann er mitunter am wenigsten, da er die meiste Zeit verletzt war. Er wird wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden, davon bin ich überzeugt.

  9. NICK says:

    Nochmal meinen Respekt, für beide Seiten. Für Jonas und den Effzeh. Das war wirklich mal spürbar anders. Aber die Lehren dieser Saison sollten uns auch zeigen, dass es Sachen geben kann, mir denen man nicht gerechnet hat. Spielt der Jonas eine Bomben-WM und es klopft doch nochmal Real an, dann könnte es doch nur ein abkaufen der Austiegsklausel gewesen sein…also ich trau der Sache noch nicht voll und ganz…und ich würde ihm bei >20mio nach der WM auch keine Steine in den Weg legen…aber wenn er wirklich bleibt bestätigt das seinen guten Charakter und macht ihn wirklich zu einer „Legende“ von denen man noch seinen Enkeln erzählen kann…

  10. Karl Heinz Lenz says:

    Wenn ein ruhiger und überlegter Typ wie Jonas Hector eine solche Entscheidung trifft, dann hat er sich vorher sicher auch Gedanken über die Situation des FC als Profifußballklub gemacht. Von daher spricht seine Entscheidung auch für den FC und die dort handelnden Personen, zum Beispiel für Armin Veh und andere Entscheider. Interessant, dass durch den Dienstantritt des ruhigen und sachlichen Armin Veh etwas in den Verein hineingekommen zu sein scheint, dass dem FC ganz allgemein gut tut. Während die Presse-Meute nach der Entlassung von Peter Stöger die Parole ausgab „Der FC ist wieder der ewige Chaos-Club“ (und große Teile der Fans in diese Schmähung einstimmten), wirkt der FC unter Armin Veh und Alexander Bade seriös wie nie, und das trotz aller Emotionen, die ein Abstieg hochspült. Wollen wir hoffen, dass dies auch bis zum Abschluss des 34. Spieltages so bleibt. Der FC braucht das, damit die Planung für die 2. Liga gut gelingt.

  11. Robert H. says:

    Ich denke, diese Entscheidung ist noch ein deutlicher Nachklang des „Jeföhls“ aus der Stöger-Ära – – Stichwort „menschliche Werte“. Ich hoffe, dass das nicht irgendwann negativ auf Hector zurückfällt.
    Auf jeden Fall ist das ein starkes Signal für eine halbwegs versöhnliche Aufarbeitung einer völlig verkorksten Saison. Man kann also guter Hoffnung sein, dass das Ganze nicht in einer Selbstzerfleischung aller Beteiligten endet, wie das schon mal zu erleben war.
    Mein Sohn, bekennender Eintracht-Fan hat gerade einen ziemlichen Prass auf Nico Kovac und zollt dem Schritt von Hector die allergrößte Anerkennung und Respekt.
    Das einzig Bedenkliche: sollte meine Vermutung von der „Stöger-Ära“ richtig sein und sich wieder eine Art „Wohlfühl-Harmonie“ im Verein breit machen, so könnte das den angestrebten Erfolg sofortiger Wiederaufstieg massiv gefährden. Ein solcher Fehler wie die völlig verschlafene Saison-Vorbereitung sollte sich möglichst nicht wiederholen.

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