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Risses Hammer rettet FC – aber nicht vor dem Abstieg


Der 1. FC Köln hat sich noch einmal gegen das Unausweichliche gestemmt und dem FC Schalke 04 ein 2:2 (1:2) abgetrotzt. Marcel Risse rettete die Geissböcke mit einem seiner Traum-Freistöße. Doch am Ende gab es nur einen Punkt und viel Applaus für die Spieler. Der eine Zähler war zu wenig, um die Hoffnung im Abstiegskampf zurückkehren zu lassen. 

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Mainz hatte verloren. Wolfsburg hatte verloren. Freiburg hatte verloren. Wieder einmal. Und der 1. FC Köln? Als Tabellenletzter gab es vor dem Spiel eigentlich keine Hoffnung mehr. Neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer, noch vier Spiele ausstehend, davon zwei gegen die beiden aktuell besten Mannschaften der Liga (Schalke und Bayern): Trotz all den Niederlagen der Konkurrenz musste man vor dem Spiel gegen Schalke schon ein übergroßer Optimist sein, um noch ein paar Euro auf den Ligaverbleib des FC zu setzen.

Ausgangslage

Stefan Ruthenbeck machte zumindest in Teilen das, was man hatte erwarten können: Der FC-Coach brachte neue Kräfte in der Startelf. Simon Terodde kehrte zurück, ebenso Salih Özcan und Marcel Risse. Vor allem aber durfte Tim Handwerker das erste Mal seit dem 16. Spieltag wieder von Beginn an für den FC auflaufen. Dafür saß etwas überraschend wieder Vincenz Koziello auf der Bank, auch Yuya Osako musste zunächst draußen Platz nehmen. Auch überraschend war, dass Ruthenbeck Jonas Hector hinter Terodde ins offensive Mittelfeld beorderte und Tim Handwerker nicht offensiv, sondern defensiv einsetzte.

Moment des Spiels

Es lief die 83. Minute. Marcel Risse legte sich knapp 35 Meter vor dem Tor des FC Schalke 04 den Ball zurecht. Gegen Hoffenheim hatte er vor über anderthalb Jahren von dort getroffen. Gegen Mönchengladbach hatte er das Derby im Herbst 2016 von dieser Position entschieden. Dann hatten ihn mehrere Knieverletzungen an den Rande des Karriereendes gebracht. Nun lief er wieder an – und traf. Ralf Fährmann war auf dem Weg ins andere Eck, als der Ball noch mal die Richtung änderte und zum 2:2-Endstand einschlug. Zu wenig für den FC, aber immerhin ein Achtungserfolg, der nach dem Spiel mit tosendem Applaus von den FC-Fans bedacht wurde.

Die wichtigsten Szenen

Der FC hatte sich gerade erst auf die ungewohnte eigene Formation mit Hector und Bittencourt hinter Terodde eingestellt, da stand es bereits 0:1 (5.). Yevhen Konoplyanka war Frederik Sörensen weggelaufen, hatte in der Mitte Breel Embolo gefunden und dieser hatte den Ball ins leere Tor gedrückt. Passend setzte ein prasselnder Regen ein, der wie bezeichnend als Unwetter über Müngersdorf aufzog. Was nun passierte, war absehbar. Schalke, für seine defensive Stabilität in dieser Saison gefürchtet, zog sich zurück. Köln musste spielen, konnte aber nicht. Einfallslos gegen massive Schalker Abwehrhünen und hinten mit Glück: Heintz hätte sich nicht beklagen können, wenn Embolo in der 16. Minute einen Strafstoß zugesprochen bekommen hätte. Doch der Videoassistent war in dieser Situation wohl offenbar gerade auf der Toilette. Dahin musste offenbar auch Jorge Meré, denn wie Konoplyanka vor dem 0:2 am Spanier vorbeiging, war schlicht zu einfach (23.). Einer der Wenigen, die sich in diesem Moment dagegen hielten, war Leonardo Bittencourt. Der Offensivspieler grätschte, rannte und kämpfte – und schoss nach Vorlage Hectors aus kurzer Distanz den Anschlusstreffer (26.). Nach einer Stunde hatte Ruthenbeck mit dem überforderten Sörensen Erbarmen, brachte Dominic Maroh und stellte auf eine Dreierkette um. Doch Köln musste sich bei Timo Horn und dem Pfosten bedanken, dass es beim 1:2 zur Pause blieb.

Nach der Pause versuchte der FC das Spiel an sich zu reißen. Schalke lauerte, der FC suchte nach den wenigen Lücken. Terodde hätte eine in der 55. Minute nutzen müssen, doch der Torjäger außer Dienst schoss Fährmann aus 14 Metern an. Es blieb für lange Zeit die letzte Tormöglichkeit der Geissböcke, die defensiv nicht mehr viel zuließen und nun auch endlich kämpferisch überzeugten. Gegen die Tedesco-Elf mussten allerdings Eckbälle und Freistöße herhalten, um in den Strafraum zu gelangen. Als dann Marcel Risse zum Freistoß anlief, glaubten nicht mehr viele FC-Fans an einen Punkt. Doch Risse wiederholte erstmals seit seinem Kreuzbandriss einen seiner Traum-Freistöße und schoss zum 2:2 ein. Der FC spielte eine zweite Halbzeit, wie man sie sich gegen Mainz vor zwei Wochen gewünscht hätte. Sie blieb ohne Lohn, wurde aber mit großem Applaus der FC-Fans nach dem Spielende bedacht. Einen Tiefpunkt gab es aber auch noch: Als Jhon Cordoba in der 79. Minute eingewechselt wurde, pfiffen ihn die eigenen Anhänger aus.

Fazit

Zum Freuen: Bald ist die Saison endlich vorbei…

Zum Ärgern: Wieder einmal wäre mehr drin gewesen.

Mann des Tages: Marcel Risse – er kann es noch!

Aufstellung

Horn – Sörensen (32. Maroh), Meré, Heintz, Handwerker (79. Cordoba) – Risse, Höger, Özcan (63. Koziello) – Hector, Bittencourt – Terodde

Tore

0:1 Embolo (5.)
0:2 Konoplyanka (23.)
1:2 Bittencourt (26.)
2:2 Risse (83.)

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