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Cordoba-Tor reicht nicht: FC nach Elfmeter-Krimi raus!

Der 1. FC Köln ist nach einem wahren Pokal-Fight ausgeschieden. Gegen den FC Schalke 04 unterlag der Effzeh erst im Elfmeterschießen mit 6:7 (1:1, 1:1). Dabei hatten die Geissböcke bis zur 89. Minute dank eines Tores von Jhon Cordoba mit 1:0 geführt. Am Ende reichte eine starke Leistung nicht, um ins Achtelfinale des DFB-Pokals einzuziehen.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Endlich einmal nicht Favorit: Mit dieser Einstellung ging der 1. FC Köln in das Spiel gegen den FC Schalke 04. Die Geissböcke konnten für einmal den Druck des Aufstiegsanwärters Nummer eins ablegen und gegen den Bundesligisten – wenn auch vor heimischem Publikum – etwas befreiter auftreten als zuletzt. Wenn da nicht die drei sieglosen Spiele der letzten Wochen wären. Doch auch der FC Schalke 04 ist schwach in die Saison gestartet, mit Platz 15 und gerade mal fünf erzielten Toren in neun Spielen kamen auch die Königsblauen mit schwerem Gepäck nach Müngersdorf.

Ausgangslage

Markus Anfang nahm erstmals seit zweiten Spieltag wieder Simon Terodde aus der Startelf. Wie in Pokalrunde eins wechselte der FC-Coach im Sturmzentrum, diesmal umgekehrt. Jhon Cordoba rückte in die Anfangsformation, genauso wie Serhou Guirassy, der für Benno Schmitz in die Partie kam. Marcel Risse übernahm dafür wieder die Position hinten rechts in der Viererkette. Anfang hatte das Spiel auch zu einem Test erklärt, ob seine Spieler sich auf Augenhöhe mit so einem Gegner messen können. Entsprechend gespannt erwarteten die 50.000 Zuschauer im RheinEnergieStadion die Partie am Mittwochabend.

Moment des Spiels

Mark Uth ging ruhigen Schrittes zum Elfmeterpunkt. Der ehemalige Kölner, der vor wenigen Tagen noch bestätigt hatte, sich im Sommer 2017 mit dem 1. FC Köln über einen Wechsel einig gewesen zu sein. Der Neu-Schalker, der über 120 Minuten gegen den Effzeh schwach gespielt hatte, dem fast nichts gelungen war und der eigentlich kurz vor Schluss nach einem klaren Handspiel mit Gelb-Rot hätte vom Platz geschickt werden müssen. Nun bekam er diesen einen Schuss als Chance. Vom Punkt im Elfmeterschießen, nachdem Dominick Drexler vor ihm den Ball über die Latte gejagt hatte. Uth lief an, Timo Horn ahnte die Ecke, doch Uth traf. Jubelnd drehte er ab. Der FC war ausgeschieden.

Die reguläre Spielzeit

Der 1. FC Köln begann forsch, trotzte dem Favoriten aus dem Ruhrpott, hielt sich an die Vorgabe, konsequent mit kurzen Pässen kontrolliert den Spielaufbau zu bestreiten. So kam der Effzeh früh in gute Positionen am gegnerischen Strafraum. Louis Schaub nahm die Zuschauer erstmals in der zehnten Minute mit einem sehenswerten Dribbling mit, doch sein Pass kam nicht an. Gegen kopfballstarke Schalker (Sané und Naldo im Zentrum) ahnte der FC, mit hohen Flanken wohl kaum zum Erfolg zu kommen. In der 20. Minute wurde der mutige Auftritt fast belohnt, doch Drexler scheiterte aus 15 Metern an Schalkes Ersatzkeeper Nübel, nur Sekunden später rutschte Schaub ein Schuss über den Schlappen. Anschließend fanden die Gäste besser in die Partie, kamen wie erwartet vor allem über Standards vor das gegnerische Tor. Energischer, der Führung näher waren aber die Geissböcke, die sichtlich gewillt waren, Paroli zu bieten. Dennoch brauchte es Glück, um nicht in Rückstand zu geraten, als Konoplyanka in der 33. Minute im Kölner Strafraum nach einem Zweikampf mit Schaub zu Boden ging, die Pfeife von Schiedsrichter Harm Osmers aber stumm blieb. Gefährlich blieb der Effzeh aber weiterhin. Risse per Freistoß und Cordoba sorgten für Gefahr, und defensiv liefen die Kölner die Schalker Bemühungen immer wieder diszipliniert zu. Dann kam die 43. Minute: Der FC mit einem Vorstoß über rechts, der Ball landete an der Strafraumkante bei Drexler, dieser legte auf Cordoba ab, der neben ihm schon wartete. Der Kolumbianer zog sofort ab, der Ball wurde abgefälscht, und unter dem Jubel der Kölner Spieler und Fans hoppelte das Leder zum 1:0 ins Tor. Eine Führung, so verdient wie ersehnt, mit der es auch in die Pause ging.

Ohne Wechsel ging es weiter, und dem FC gehörte die ersten Aktion. Diesmal wurde Schaubs Schuss aus 20 Metern abgefälscht, doch Nübel war diesmal stehen geblieben und konnte den Ball aufnehmen. Auf der anderen Seite hatte Meré nach doppeltem Fehler Glück, dass Jonas Hector beim Rettungsversuch gefoult wurde, sodass dem FC der Ausgleich erspart blieb. Es ging jetzt hin und her, Schalke musste öffnen, der FC suchte die sich öffnenden Räume. Als einen solchen gab, schlenzte Drexler den Ball gefühlvoll ins lange Eck. Doch Özcan hatte in Osmers’ Augen zuvor Foul gespielt (59.). Als Timo Horn einen Freistoß aus 17 Metern von Naldo stark parierte, schaltete Schalke auf Risiko. Naldo ging vom Feld, und nachdem zuvor bereits Caligiuri und Embolo gekommen waren, kam nun auch Bentaleb. Doch es blieb dabei: Schalke nur über Standards gefährlich, der FC spielerisch besser. Bis Harit in einem lichten Moment Özcan auswackelte und frei im Strafraum zum Schuss kam, doch Horn reagierte stark. Nach 85 Minuten, Simon Terodde war inzwischen im Spiel, hatte Schaub das 2:0 und damit die Entscheidung auf dem Fuß, doch sein Schlenzer aus 14 Metern ging knapp am Pfosten vorbei. Ärgerlich für Köln: In der gleichen Szene hätte es Elfmeter geben müssen, da Mendyl Guirassy im Strafraum gefoult hatte. Doppelt bitter: Den Elfmeter gab es dafür auf der anderen Seite. Schiri Osmers sah ein Handspiel von Czichos – und Bentaleb verwandelte eiskalt (89.). Zwei Minuten plus Nachspielzeit hatten gefehlt. So ging es in die Verlängerung.

Die Verlängerung

Dass dieses 1:1 nach 90 Minuten eher für Schalke schmeichelhaft war, sprach für die überzeugende Leistung der Geissböcke. Die der FC fortsetzte. Selbstbewusst gegen nervöse Schalker vergab Drexler die nächste Chance per Kopf (99.). Überhaupt war es Köln, das auf Sieg spielte, die Königsblauen suchten nur noch Konter oder Standards. Von einem Klassenunterschied war keine Rede, im Gegenteil: Die von Anfang erhoffte Augenhöhe erreichte der FC gegen allerdings schwache Schalker mit viel Energie, Disziplin und auch in der Verlängerung dem Willen, das Spiel selbst zu entscheiden. Trotzdem ging es nach nervenaufreibenden 120 Minuten ins Elfmeterschießen.

Das Elfmeterschießen

Dieses begann denkbar schlecht. Höger scheiterte an Nübel. Danach trafen alle, bis Bentaleb den Schalker Sieg hätte perfekt machen können. Erst ließ er sich auf ein Scharmützel mit Risse ein, der vor ihm verwandelt hatte. Dann blieb Horn cool in der Mitte stehen und wehrte Bentalebs Schuss ab. Es ging also in die Verlängerung des Elfmeterschießens. Und dort patzte Drexler, schoss über das Tor. Es passte zu der Geschichte des Abends, dass ausgerechnet der Ex-Kölner und einer der schwächsten Schalker auf dem Platz, Mark Uth, den entscheidenden Elfmeter verwandelte. Der FC schied aus, erhobenen Hauptes, doch davon konnte sich am Ende des Abends niemand in Müngersdorf etwas kaufen.

Fazit

Zum Freuen: Eine Leistung, die Mut macht.

Zum Ärgern: Umso bitterer das Pokal-Aus.

Held des Tages: Die Fans feierten Cordoba mit Sprechchören!

Aufstellung

T. Horn – Risse, Meré, Czichos, Hector – Höger – Schaub (99. Zoller), Drexler, Özcan, Guirassy – Cordoba (83. Terodde)

Tore

1:0 Cordoba (43.)
1:1 Bentaleb (89., HE)

Elfmeterschießen

Höger scheitert an Nübel
1:2 Burgstaller
2:2 Özcan
2:3 Nastasic
3:3 Terodde
3:4 Caligiuri
4:4 Guirassy
4:5 Harit
5:5 Risse
Horn hält gegen Bentaleb
6:5 Hector
6:6 Rudy
Drexler schießt drüber
6:7 Uth

15 Kommentare
  1. Franz-Josef Pesch says:

    Wach zu Beginn des Spieles, wach zu Beginn nach der Halbzeit.
    So wollen wir den FC sehen, Einsatz-und Laufbereitschaft es schien eine ganz andere Mannschaftcauf dem Platz zu stehen. Trotz Niederlage, Glückwunsch FC.

  2. NICK says:

    Es ist einfach ärgerlich. Da müsstest Du einen Elfer bekommen, kriegst keinen und dann gleich der höherklassige Gegner, gegen den man eigentlich besser war im Gegenzug durch Elfmeter aus…

    Es kam mir aber auch so vor, als wären einige ab der 70ten Minute platt gewesen, da hätte man jemand einwechseln können, der noch Laufen kann. Es lag ja nachher noch jemand mit Krämpfen auf dem Platz, der dann intelligenter Weise auch noch zum Elfmeter antrat. Dieser Jemand tritt momentan jede Flanke auf die Tribüne, war eigentlich klar wo dann der Elfer hinfliegt. Zum krönenden Abschluss kriegt dieser Jemand nicht mal einen einzigen entschuldigenden Blick Richtung Kurve, obwohl er noch minutenlang davor steht. Stark.

    Das ein Torwart, der schonmal mit einem Spieler ein Jahr lang trainiert hat, ahnen könnte wie dieser Spieler Elfer schießt, wäre auch ein kluger Gedankengang gewesen…wo war hier der Kapitän, der schon zum entscheidenden Elfmeter für Deutschland angetreten ist? Der geht voran und schießt als Sechster. Respekt.

    Ärgerlich, aber dann durch Dummheit auch irgendwie gerecht.

  3. udo schmidt says:

    Drexler braucht dringend eine Denkpause.Irgendwie habe ich das Gefühl,daß ihm seine guten Spiele zu Saisonbeginn etwas zu Kopf gestiegen sind.Seine Aussagen und seine Körpersprache deuten darauf hin.In seiner jetzigen Versassung mit grottigen Flanken auf die Tribüne oder ins Nichts ist er keine Hilfe für die Mannschaft.Jannis Horn hätte auf der Position eine neue Chance verdient.

      • NICK says:

        Es ist halt immer noch so, dass Spieler denken „Jetzt bin ich beim 1.FC Köln – jetzt hab ichs geschafft“ – wahrscheinlich haben sie das auch bei dem Gehalt…vllt. kaufst Du Dir dann erstmal nen Porsche und meinst Du düst jetzt direkt Richtung Nationalmannschaft…anders sind diese ständigen Leistungsabfälle bei Spielern doch langsam nicht mehr zu erklären. Die füllen Führungspositionen in Ihren Vorclubs aus, und bei Effzeh…

  4. prinzikai says:

    Ein Spiel das Mut macht – aber nicht wieder den Fehler machen und jetzt nachlassen. Es gibt schon noch einiges zu verbessern – vor allem der Torabschluss von Guirassy / Drexler / Schaub (wie hat eigentlich Drexler letzte Saison 12 Tore geschossen). Die haben alle ein tolles Spiel gemacht, aber wenn man z.B. den Schaub sieht, als er mit seinem starken linken Fuss eigentlich die Möglichkeit hat schön ins Eck zu zirkeln, verzieht er um 2 Meter (und er war ca. 12 Meter vom Tor entfernt). Oder auch Drexler, der bringt den letzten Pass nicht mehr zum Mann – frapierend seine letzte Aktion vor dem Elfmeterschiessen – muss nur quer auf 2 Spieler vor dem Tor legen und haut den auf die Tribüne. Aber auch Guirassy hätte mehr abschliessen müssen oder in manchen Situationen schneller abspielen müssen, aber bei ihm habe ich das Gefühl, dass wenn der Trainerstab mit ihm an diese Schwächen arbeitet, er es schaffen wird und künftig der wertvollste Spieler sein wird.
    Anfang hat aber auch ein Fehler gemacht – er hätte Drexler nach 70 Minuten rausnehmen müssen und dafür Hauptmann oder J.Horn bringen müssen. Da fehlt ihm das Händchen.

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