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Moukoko gegen Wirtz: Das Duell der Ausnahmetalente

Vor dem Finale um die Deutsche Meisterschaft der B-Junioren redet ganz Fußball-Deutschland über Youssoufa Moukoko. Der Stürmer von Borussia Dortmund ist mit seinen erst 14 Jahren ein Ausnahmetalent, das zu Höherem berufen scheint. Beim 1. FC Köln läuft derweil ein ähnlich großes Talent noch im Stillen mit. Doch Florian Wirtz steht längst in den Notizbüchern der europäischen Spitzenklubs.

Köln – Als der 1. FC Köln am vergangenen Samstag den FC Bayern München mit 4:0 besiegte und ins Finale um die deutsche U17-Meisterschaft einzog, hieß der Matchwinner ohne Frage Marvin Obuz. Der Linksaußen hatte zur 1:0-Führung getroffen und das 2:0 vorbereitet. Er hatte seine Mannschaft auf Finalkurs gebracht. Doch der Topscorer war nach 80 Minuten Florian Wirtz. Obuz‘ Führungstreffer hatte der 16-Jährige ebenso mustergültig vorbereitet wie das 3:0 durch Jan Thielmann mit einem 50-Meter-Traumpass aus der eigenen Hälfte. Das 4:0 hatte Wirtz dann eiskalt selbst erzielt.

Die Stärke der Kölner Offensive war in der zurückliegenden Saison ihre Qualität in der Breite. Mittelstürmer Jacob Jansen erzielte 18 Treffer, Thielmann 15, Obuz zwölf und Tim Lemperle alleine in der Hinrunde zehn, ehe er in der Rückserie zur U19 aufstieg. Das Tor gegen den FC Bayern war für Wirtz zwar erst dessen vierter Treffer, war jedoch der zentrale Mittelfeldspieler in der Hinrunde wegen einer komplizierten Muskelverletzung komplett ausgefallen. Als Lemperle im Winter zur U19 aufstieg, übernahm Wirtz dessen Platz und drehte auf. Im Halbfinale gegen den FCB war er der zweitjüngste aller eingesetzten Spieler auf dem Platz, hatte Anfang Mai erst seinen 16. Geburtstag gefeiert.

Moukoko spielt mit den zwei Jahre Älteren

Damit ist Wirtz knapp anderthalb Jahre älter als der von vielen Experten als „Wunderkind“ in den Himmel gelobte Moukoko vom BVB. Im Alter von neun Jahren war der gebürtige Kameruner von seinem Vater nach Deutschland geholt und beim FC St. Pauli untergebracht worden. Bereits dort schoss er bald alles in Grund und Boden, machte als Zehnjähriger 23 Tore in 13 Spielen – in der U15. Kein Wunder, dass Pauli das Sturmtalent nicht lange halten konnte und er schließlich nach Dortmund wechselte. Sein Fabelrekord mit 46 Saisontoren in der abgelaufenen B-Junioren-Bundesliga dürfte wohl länger Bestand haben – und wenn man die insgesamt drei Tore gegen Wolfsburg im Halbfinale hinzurechnet, könnte er gegen den FC im Finale die Marke von 50 Saisontoren knacken.

Moukoko spielte bereits für Deutschland, Ende 2017 lief er schon für die U16 auf – zusammen mit den Kölnern Obuz, Friedsam und Papalia. Dann nahm sich der Junioren-Nationalspieler selbst eine Auszeit, um sich neben seinem Klub auf die Schule zu konzentrieren. Andernfalls hätte er wohl inzwischen mit Wirtz zusammengespielt, der mittlerweile zu einem Schlüsselspieler in der deutschen U16 aufgestiegen ist. Doch sollte Moukoko das nächste Mal für Deutschland auflaufen, dann wohl schon in einem höheren Jahrgang. U18-Nationalcoach Christian Wörns sagte kürzlich: „Wir haben den Wunsch, dass er wieder für den DFB spielt.“ Entsprechend beobachtete Wörns am vergangenen Wochenende seinen potentiell baldigen Schützling, der in der kommenden Saison für Dortmunds U19 auflaufen wird.

FC will Wirtz behutsam aufbauen

Beim FC hingegen werden die Sprünge für Wirtz nicht ganz so drastisch ausfallen. Auch in der kommenden Saison ist der 2003er-Jahrgang für die U17 eingeplant. Er soll sich weiter in Ruhe entwickeln und Stück für Stück an die U19 herangeführt werden. Vor allem aber will man beim FC kein Aufhebens um Wirtz machen. Die SportBild hatte ihn im vergangenen Jahr den zu Toptalenten Deutschlands auserkoren. Die Kölner Verantwortlichen wissen zudem, dass der U16-Nationalspieler längst von vielen Top-Klubs in ganz Europa beobachtet wird. Auch der FC Bayern war im Halbfinale keinesfalls überrascht von den Leistungen des Zehners, beobachtet der Rekordmeister den gebürtigen Brauweiler Jungen nach GBK-Informationen doch selbst schon seit mehreren Jahren. Doch Wirtz denkt nicht an einen Wechsel, fühlt sich pudelwohl in seiner Heimat am Geißbockheim und hat in dieser Saison mit den Erfolgen der U17 und U19 demonstriert bekommen, dass die besten Talente Deutschlands nicht aus den größten NLZs aus Dortmund, Schalke, Leipzig, Stuttgart oder München kommen müssen. Ob am Ende sogar ein Titel dabei herausspringen könnte, wird Wirtz am kommenden Sonntag im Finale erfahren. Kölns Vorteil könnte sein, dass der FC neben Wirtz über diverse weitere Offensivwaffen verfügt, der BVB naturgemäß auf Superknipser Moukoko zugeschnitten ist. Doch darauf haben schon viele Dortmunder Gegner gehofft.

5 Kommentare
  1. Boris Karis says:

    Moukoko profitiert ja davon dass er den ganzen Jungs körperlich weit überlegen ist , man weiss ja nicht wie alt er wirklich ist.
    Wird sich spätestens in der A Mannschaft zeigen ob er so ein Jahrhundert Talent ist.
    Wenn ja wird das der so erhoffte super Stürmer der dem DFB Team nach Klose so gefehlt hat.
    Und zu unseren Talenten braucht man eigentlich gar nichts sagen da wir schlichtweg zu dämlich sind Talente zu fördern, zu halten und zu integrieren.

  2. Hans-Georg Skowronek says:

    Solange kein sportlich Verantwortlicher beim Effzeh ernsthaft darauf drängt, dass jede Saison 3-4 talentierte Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft integriert werden müssen und dort auch Spielerfahrung sammeln, wird sich nichts ändern in Sachen erfolgreicher Nachwuchsarbeit im Verein.
    Die Situation beim Effzeh ist auch nicht sonderlich geeignet zum Durchbruch von Talenten. Als finanziell limitierter Aufsteiger mit 2-3 Baustellen im Kader, die dringend behoben werden müssen, um in Liga uno bestehen zu können, muss der Trainer auf Sicherheit gehen und wird darob lieber erfahrenen Spielern den Vorzug geben. Da muss was von oben kommen, um den Trainer abzusichern.

    Ich sehe allerdings schwarz für unseren Nachwuchs…

    • Jose Mourinho says:

      Nennen Sie mir einen Verein, der 3-4 (!) Jugendspieler pro Jahr in den Kader der ersten Mannschaft integriert. Das ist vollkommen utopisch und unterschätzt den riesigen Unterschied zwischen Jugend und erster Liga. Wenn das regelmäßig Sinn machen würde, dann wäre es auch so. Nichts ist besser und günstiger als so Werte zu schaffen. Aber es ist auch verdammt schwierig….

  3. Gerd Mrosk says:

    In der Tat kann man froh sein evtl 3-4 Spieler in den kompletten Kader zu holen,wie es tatsächlich auch angedacht ist mit Churlinov,Katterbach und eigentlich Nartey.Wenn es dann einer zu mehreren Einsätzen schafft hat man was erreicht,der Spieler auch natürlich.Er steht dann im Fokus,bei uns und in der Bundesliga vornehmlich.So würde man Gelder generieren für die zukünftige Jugendarbeit ,die mehr und mehr optimiert wird

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