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So liest sich das Drehbuch eines Abstiegskandidaten


Jeder Spieltag ist eine Momentaufnahme. Zumindest solange eine Mannschaft nicht in das hinein gerät, was man gemeinhin als Negativspirale bezeichnet. Bislang war man beim 1. FC Köln zurecht unbesorgt geblieben. Der Auftritt gegen Hertha BSC jedoch gibt erstmals Anlass, sehr wohl besorgt zu sein.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Armin Veh betonte nach dem 0:4 gegen Berlin zweierlei: Erstens, so sagte er, sei er nicht nervös, weil er von der Qualität der Mannschaft ebenso überzeugt sei wie von jener des Trainerteams. Zweitens müsse der FC nun aber sehr wohl den Spagat schaffen zwischen notwendiger Ernsthaftigkeit einerseits und Lockerheit andererseits. Denn diese brauchen die Spieler, um sich aus dem Ernst der Lage befreien zu können. Dies setzt allerdings voraus, dass nicht nur der Sportchef und der Trainer den Ernst der Lage erkannt haben, sondern auch die Spieler selbst. Ob dies in der Mannschaft der Fall ist, müssen die FC-Profis erst noch beweisen.

In der Momentaufnahme von Sonntag hat sich nur gezeigt, dass die Spieler bislang nicht in der Lage sind einfachste Fehler abzustellen. Offensiv lassen die viel gelobten Stürmerstars die sich ihnen bietenden Chancen liegen, während die viel gelobten Flügelspieler aus ihren zahlreichen Flankenläufen zu selten scharfe und präzise Hereingaben produzieren. Und während gegnerische Verteidiger es den Kölner Angreifern in jedem Zweikampf und bei jeder Flanke maximal schwer machen, erweist sich die Kölner Hintermannschaft bislang als abenteuerlich fehleranfällig und viel zu wenig kompromisslos.

Spiele wie gegen Hertha gab es 2017/18 zuhauf

Statt eines Ausrufezeichens im dritten Heimspiel der Saison bot der FC einen Kollaps dar, der in seinem Zustandekommen die schlimmsten Abstiegsalpträume bei den Kölner Anhängern heraufbeschwor. Niemand darf mehr die Augen davor verschließen, dass genau solche Spiele wie am Sonntag vor zwei Jahren an der Tagesordnung waren. Verletzungen, Platzverweise, vergebene Torchancen und Slapstick-Gegentore – all das kennt der FC-Fan aus jüngster Erinnerung. Die damaligen Worte nach den Spielen waren stets einsichtig, mahnend, beruhigend. Man wisse, was man tue. Man werde die Kurve kriegen. Das Ergebnis 2017/18 ist bekannt. Das darf 2019/20 nicht noch einmal passieren.

Achim Beierlorzer sprach nach der Partie von einem Drehbuch, dessen Autor es nicht gut gemeint habe mit dem FC. Tatsächlich war es das Drehbuch eines Abstiegskandidaten. Wenn die Geissböcke nicht aufpassen, befinden sich die Kölner nach dem Spiel gegen Schalke nicht nur in der ersten Krise – denn die ist längst nicht mehr wegzudiskutieren. Sollte es in Gelsenkirchen am Samstag erneut schief gehen, bestünde die Gefahr, in jenen Negativstrudel zu geraten, aus dem der FC vor zwei Jahren nicht mehr hinausfand. Dann wäre Hertha nicht mehr nur eine Momentaufnahme gewesen.

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