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Bollwerk mit Czichos und Bornauw – was wird aus Meré?


Kaum jemand hatte Rafael Czichos zugetraut, beim 1. FC Köln in der Bundesliga zum Stammspieler zu erwachsen. Der 29-Jährige blieb in den letzten Monaten zwar längst nicht fehlerfrei. Doch seine Spielweise gehört zu dem, was der FC braucht. Gleiches gilt für Nebenmann Sebastiaan Bornauw, der einen erstaunlichen Lernprozess hingelegt hat. Der leidtragende Dritte heißt Jorge Meré.

Köln – Rafael Czichos kann wahrlich nicht behaupten, in dieser Saison eine kontinuierliche Entwicklung genommen zu haben. Immer wieder mit starken Spielen, aber immer wieder auch mit Aussetzern, verschuldeten Elfmetern und Gegentoren, einem Platzverweis und dem steten Gefühl, dass das Kölner Umfeld eigentlich Jorge Meré auf seiner Position erwartet hatte.

Doch der 29-Jährige ließ sich schon in der letzten Saison von der Skepsis nicht beeinflussen, die ihm als „Spieler von Markus Anfang“ entgegen geschlagen war. Czichos hat sich auch innerhalb des FC inzwischen einen bemerkenswerten Status erarbeitet. Der Verteidiger gilt als klarer, kluger Kopf, als reflektierender Spieler mit einer gehörigen Portion Selbstkritik und Realismus. Trotz seiner schon 29 Jahre ist der Ex-Kieler ein unverbrauchtes Gesicht der Bundesliga, der die Herausforderung mit dem Enthusiasmus eines Youngsters und der Souveränität eines erfahrenen Spielers angegangen ist.

Drei Siege ohne Gegentor aus dem Spiel

Die Fehler auf dem Platz reduzierte er in den letzten Spielen erheblich, die Vorgaben von Trainer Markus Gisdol passen zu Czichos, der vor einer harten Gangart nicht zurückschreckt und diese von seinen Nebenleuten einfordert. Den Linksverteidiger Noah Katterbach leitet Czichos auf dem Rasen an, zusammen mit Vordermann Jonas Hector stand das Dreieck auf der linken Abwehrseite beim FC zuletzt sicher. Kein Gegentor aus dem Spiel heraus in drei Partien, nur zwei Gegentreffer nach Ecken in Frankfurt: Die Geissböcke haben eine neue Stabilität in der Defensive erreicht, die auch Czichos‘ Namen trägt.

Genau wie den Namen Sebastiaan Bornauw. Bei dem Blondschopf vergisst man gerne, dass der hochgewachsene Verteidiger erst 20 Jahre alt ist und somit selbst noch ein Jungspund wie Katterbach, Jakobs oder Thielmann. Doch Bornauw spielte zuletzt so unbeeindruckt, dass man erahnen konnte, warum der FC finanziell ins Risiko gegangen war, um den Innenverteidiger aus Anderlecht zu holen. Bornauw ist in der Luft fast nicht zu bezwingen, leistete sich nur gegen Frankfurt zwei krasse Stellungsfehler bei Standards, räumte ansonsten nahezu alles und jeden zur Seite. Auch auf dem Boden und in Laufduellen macht der Belgier eine gute Figur, selbst gegen die schnellen Spitzen von Bayer Leverkusen war der Defensivspezialist stets auf der Höhe des Geschehens.

Bornauws Lernkurve nach dem Ibisevic-Alptraum

Neben Czichos hat sich Bornauw festgespielt, und so mancher FC-Fans gerät bei dem Gedanken ins Schwärmen, wie sich der 1,91 Meter große Hüne entwickeln könnte, sollte Köln in der Bundesliga bleiben. Wie sein Nebenmann auch passte Bornauw zuletzt perfekt zu der verstärkt körperlichen Gangart der Kölner, zu dem robusten Auftreten, dem Reinbeißen in die Liga. Kaum jemand machte dies so eindrucksvoll wie Bornauw, der beim 0:4 gegen Hertha BSC noch eine traumatische Lehrstunde von Altstar Vedad Ibisevic kassiert hatte. Doch genau seit dieser Partie macht der Belgier kaum noch Fehler und war schon vor der Siegesserie der letzten Woche einer der besten und stabilsten Kölner.

Dass Bornauw und Czichos ein aktuell so gutes Innenverteidiger-Duo bilden, lässt dem Dritten im Bunde wenig Chance auf Spielzeit. Jorge Meré ist eine der großen Enttäuschungen der bisherigen Saison. Der Spanier kam als frisch gebackener U21-Europameister im Sommer zurück, doch weder körperlich noch mental war er bislang den Anforderungen gewachsen. Inzwischen ist Meré dem Vernehmen nach wieder fit, doch außer eines guten Auftritts gegen Hoffenheim (als zentraler Verteidiger in einer Dreierkette) steht in dieser Saison praktisch nichts Positives auf dem Leistungszettel des 22-Jährigen. Eigentlich müsste der FC versuchen den Spanier wieder hinzubekommen. Zu wertvoll könnte Meré in Topform für die Geissböcke sein, dazu ein wirtschaftlicher Faktor mit einem der höchsten Marktwerte im Kader. Doch in den letzten drei Monaten spielte er lediglich gegen Hoffenheim und im Pokal in Saarbrücken, seinem persönlichen Waterloo in dieser Saison.

Meré kein ernsthafter Wechsel-Kandidat

Nun haben die Spekulationen begonnen, ob Meré im Winter ein Wechselkandidat werden könnte. Zufrieden ist der Innenverteidiger nicht mit seiner Situation. Doch verkaufen könnte der Effzeh den in seiner Heimat hoch angesehenen Defensivspezialisten nur unter zwei Bedingungen: Erstens müsste ein Verein kommen, der eine beachtliche Transfersumme im zweistelligen Millionenbereich zu zahlen bereit wäre. Zweitens müsste der FC einen Bundesliga-erfahrenen und hochkarätigen Ersatz parat haben, der die Lücke schließen könnte. Denn klar ist: Hinter Bornauw und Czichos ist Meré die klare Nummer drei, Lasse Sobiech spielte bei Union lediglich aufgrund seiner Kopfballstärke, gilt ansonsten als Nummer vier in der Hierarchie. Nur mit Bornauw, Czichos und Sobiech sowie einem Nachwuchs-Innenverteidiger wie Sava Cestic dürfte Köln nie in die Rückrunde gehen. Und so müsste schon viel zusammenpassen, ehe Meré im Winter ein ernsthafter Kandidat für einen Abschied werden könnte. Viel eher wird man dem Spanier intern versuchen klarzumachen, dass er in der Rückrunde noch eine wichtige Rolle spielen könnte. Alleine an dem aktuellen Innenverteidiger-Duo vorbeizukommen, wird für den Spanier eine große Aufgabe.

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