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Sechs Trainer seit 2017: Das Problem ist die Mannschaft


Seit Wochen stellt sich beim 1. FC Köln die Frage: Kann ein Trainerwechsel dieser Mannschaft überhaupt helfen? Nach dem 0:2 bei Union Berlin scheint die erhoffte Wirkung der Installation von Markus Gisdol jedenfalls schon wieder verpufft. Der 50-Jährige muss nun Ähnliches vollbringen wie einst beim HSV. Doch wollen sich die FC-Profis überhaupt irgendetwas sagen lassen?

Köln – Markus Gisdol wird sich dieser Tage wohl erinnern, was er einst beim HSV schaffte. Nach fünf Spieltagen hatte er in der Saison 2016/17 übernommen. Damals stand der HSV mit einem Punkt ganz unten drin. Doch der Trainerwechsel verpuffte zunächst ohne Wirkung. Auch aus den ersten fünf Spielen unter Gisdol gab es wieder nur einen Punkt. Dann aber lief es. Aus dem Nichts wurde der HSV zu einer erfolgreichen Mannschaft, holte in 24 Spielen 36 Punkte und blieb als Tabellen-14. in der Liga.

Nach 14 Spieltagen hatte Gisdol damals mit den Hamburgern zehn Punkte statt heute mit dem FC acht auf dem Konto. Nach der Hinrunde standen die Hanseaten bei 16 Punkten und damit zumindest wieder in Schlagdistanz zur Konkurrenz. Das wünscht man sich bei den Geissböcken nun auch für die verbliebenen drei Spiele vor der Winterpause gegen Leverkusen, in Frankfurt und gegen Bremen. Drei Spiele, vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Sportchef Horst Heldt hatte kürzlich als Ziel formuliert, Ende Februar noch immer aus eigener Kraft die Rettung schaffen zu können. Dafür muss nun aber etwas passieren. Und zwar sofort.

Die Frage nach der Untrainierbarkeit der Mannschaft

Erste Maßnahmen wurden ergriffen. Darko Churlinov wurde bis Weihnachten zur U21 zurückversetzt. Kingsley Schindler reiste nicht mit nach Berlin, obwohl es noch einen letzten Kaderplatz gegeben hätte. Es waren zwei Warnschüsse auch an die anderen Spieler, die aber ungehört verpufften. Wie der Trainerwechsel. Nun sollen andere Maßnahmen greifen. Der freie Tag am Dienstag fällt weg, allerdings wird die Trainingseinheit nicht draußen, sondern hinter verschlossenen Türen drinnen stattfinden. Heldt erklärte, es würden weitere Veränderungen folgen. Auch personeller Natur. Alle Spieler sind auf Bewährung, müssen beweisen, dass sie bereit sind alles für den FC zu investieren. „Wer das macht, ist im Boot. Wer nicht, bei dem müssen wir reagieren.“

Die angedrohten Konsequenzen Der Mannschaft soll erstmals seit langer Zeit wieder ihre Grenzen aufzeigen werden. Denn die Spieler haben bekanntlich mit Peter Stöger, Stefan Ruthenbeck, Markus Anfang, André Pawlak und Achim Beierlorzer in den letzten zweieinhalb Jahren fünf Trainer verschlissen. Markus Gisdol macht das halbe Dutzend voll, und auch ihm verweigerten einige Spieler bislang mehr oder weniger offen die Gefolgschaft. Oder präziser: Jene Spieler verweigerten dem FC ihren Dienst.

Die Frage nach der Untrainierbarkeit der Mannschaft schwebt seit der Beierlorzer-Entlassung über dem Geißbockheim. Dass der Kader vor allem charakterlich falsch zusammengestellt wurde, ist inzwischen offensichtlich. Dass sich die FC-Verantwortlichen und -Trainer in den letzten zwei Jahren an einige „heilige Kühe“ nicht herangetraut haben, ebenfalls. Armin Veh verpasste es als Sportchef zweimal (2018 und 2019) einen Trainer mit großer Autorität zu verpflichten, der in der Lage gewesen wäre, auch mit den vermeintlichen Stars der Mannschaft umzugehen, mit Spielern, die sich noch immer auf ihrem einst europäischen Niveau wähnen oder glauben, dort ihre eigentliche Bestimmung zu sehen. Stattdessen hört man nun, dass einige Spieler hinter vorgehaltener Hand über ihre Ex-Trainer schmunzeln. Und demonstrieren damit doch nur, dass das eigentliche Problem nicht auf der Trainerposition, sondern in der Mannschaft zu finden ist.

Durch et Füer – oder durch die Tür

Das scheinen drei Wochen nach ihrer Inauguration nun auch Markus Gisdol und Horst Heldt realisiert zu haben. Und so haben sich die nächsten drei Spiele und damit die letzten drei Partie vor der Winterpause zu einem Charaktertest für die Spieler erhoben. Trainer und Sportchef haben eine zweiwöchige Probezeit verhängt, jeder Spieler befindet sich ab sofort auf Bewährung. Die Zeit des Kuschelkurses soll vorbei sein. Statt kuscheln heißt es kuschen – oder wie es der Express am Dienstag nannte: „Durch et Füer – oder durch die Tür“. In der Winterpause soll abgerechnet werden. Haben die Spieler den FC zumindest wieder halbwegs auf Kurs gebracht, wird es ein etwas milderes Urteil geben und neues Vertrauen für die Rückrunde. Wenn nicht, dürfte sich der eine oder andere Spieler entweder dauerhaft auf der Tribüne wiederfinden oder im Büro des Geschäftsführers mit dem deutlichen Hinweis, sich einen neuen Verein zu suchen. Die Botschaft scheint klar: Die Zeit, in der die Spieler beim FC viel zu sagen hatten, soll vorbei sein.

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