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„Was ist, wenn wir über vier, fünf oder sechs Wochen reden?“

Das Problem der unvorhersehbar langen Pause

Markus Daun hat es geschafft, die U17 des 1. FC Köln als amtierender Deutscher Meister trotz eines personellen Umbruchs sofort wieder an die Spitze der B-Junioren-Bundesliga zu führen. Die Coronavirus-Pandemie hat die Jagd nach der Titelverteidigung jedoch jäh unterbrochen. Was die Situation für die FC-Talente bedeutet, wie Daun die Entwicklung seiner Spieler einschätzt und wie er sich darauf einstellen musste, eine Meister-Mannschaft zu übernehmen – der GEISSBLOG.KOELN sprach telefonisch mit dem Ex-Profi.

Das Interview führte Marc L. Merten

GBK: Herr Daun, wie gehen Sie im Nachwuchs des 1. FC Köln mit dem Coronavirus um und welche Vorschriften haben Sie Ihren B-Junioren machen können?

MARKUS DAUN: „Als wir noch trainiert haben, gab es erste Verbote wie den Handschlag oder Vorschriften in Sachen Hygiene. Nachdem sie nach Hause geschickt wurden und die Schulen zugemacht haben, haben wir ihnen gesagt: Sie sollen, so lange erlaubt, ihre Läufe absolvieren, um ihren Fitnesszustand zu erhalten – aber alleine. Sie sollen sich nicht auf dem Bolzplatz treffen und gemeinsam oder mit Individualtrainern arbeiten. Davon haben wir ihnen dringend abgeraten. Die Jungs müssen konsequent und sich bewusst sein, dass sie dazu beitragen können, dass die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht.“

Was ist, wenn es im Familienkreis bei einem Spieler zu einem positiven Fall kommt?

Zunächst greifen da ja die behördlichen Vorschriften. Darüber hinaus hat unser Physiotherapeut einen Fragenkatalog erstellt, mit dem die Jungs ihre eigene Gesundheit täglich selbst überprüfen sollen. Sobald sie eine der Fragen mit „Ja“ beantworten müssen, ist eine sofortige Kontaktaufnahme mit uns vereinbart, damit wir die notwendigen Maßnahmen einleiten können. Aber bislang gibt es da zum Glück keine Anzeichen.

Jetzt ist ihr Fitnesszustand nahezu am Limit

Sie haben die individuellen Fitnesspläne schon angesprochen. Wir sprechen ja inzwischen über eine unvorhersehbar lange Unterbrechung. Wie schnell stößt ein solcher Plan an seine Grenzen?

Wir haben die Pläne auf Basis unserer Erkenntnisse aus den Sommer-Vorbereitungen erstellt. Im Nachwuchs ist es so, dass wir die Spieler während der Vorbereitung immer noch einmal in eine mehrwöchige Unterbrechung schicken. Der Unterschied zu jetzt ist, dass sie im Sommer einen Trainingsplan bekommen, der einen progressiven Aufbau der Grundlagenausdauer vorsieht. Jetzt ist ihr Fitnesszustand aber nahezu am Limit, wir sind fast auf dem Höhepunkt der Saison. Deswegen geht es jetzt um erhaltende Maßnahmen. Wir kontrollieren ihre Arbeit über die Uhren, die sie beim Training tragen. Die Ergebnisse können wir Trainer zuhause auswerten, weil uns die Daten automatisch übermittelt werden.

Halten sich alle Spieler an die Pläne?

Ja, aber so kenne ich meine Spieler auch. Das Problem ist die Zeit. In den ersten ein, zwei Wochen kann man das Niveau halten. Aber was ist, wenn wir über die Wochen vier, fünf oder sechs reden? Erstens wird das Training irgendwann monoton und örtlich eingeschränkt. Zweitens müssen wir die Spieler bei Laune halten. Aktuell helfen uns noch die Challenges, die man ja im Netz verfolgen kann. Da müssen auch wir Trainer mal mit der Klorolle ran. Ich hoffe nur nicht, dass wir uns irgendwann in Woche zehn überlegen müssen, was wir noch machen können.

Wir hätten gegen Gladbach unser erstes kleines Finale bekommen

Die abgesagten Spiele gegen Arminia Bielefeld und Borussia Mönchengladbach waren ihre ersten, die wegen Corona ausgefallen sind. Wie enttäuscht war die Mannschaft vom Zeitpunkt der Unterbrechung?

Es war schon sehr schade. Die Situation hätten wir uns nicht schöner malen können. Wir haben zehn Punkte Vorsprung bei noch fünf ausstehenden Spielen. Wir brauchen dank unseres guten Torverhältnisses noch fünf Punkte, um uns für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Mit einem Sieg in Bielefeld hätten wir uns also unser erstes kleines Finale der Saison erarbeiten können, und dann auch noch gegen Gladbach. Das hätten wir gerne gespielt. Jetzt müssen wir warten und geduldig sein.

Es hätte sogar schon gegen Bielefeld klappen können, wenn man in der Woche zuvor gegen den BVB nicht kurz vor Schluss eine 3:1-Führung hergegeben hätte.

Dortmund ist so ein Thema in dieser Saison. Im Hinspiel haben wir in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert. Jetzt das 3:3. Andererseits konnten wir so die Mannschaft danach dafür sensibilisieren, wie wichtig es im Fußball ist, bis zur letzten Minute zu verteidigen, taktisch diszipliniert zu bleiben, klug in den Zweikämpfen. Wir haben zu große Lücken entstehen lassen, sind im Eins gegen Eins zu früh runtergegangen, haben uns nicht mehr gegenseitig abgesichert. Das wird gegen ein Top-Team wie Dortmund bestraft.

Wir haben Dortmund beherrscht

Dabei hatte der FC die Dortmunder zweimal am Rande einer Niederlage.

Das ist für uns der entscheidende Punkt. Wir waren in beiden Spielen besser. Wie wir gerade im Rückspiel Dortmund mit seinen sechs aktuellen Nationalspielern über 70 Minuten beherrscht haben, taktisch und spielerisch, ist viel wertvoller als das Ergebnis an sich. Das ist unser Maßstab, den wir konstant auf den Platz bekommen wollen. Dahin wollen wir die Spieler entwickeln. Deswegen war die Leistung beeindruckend.

4 Kommentare
  1. Gerd1948 says:

    Eine sehr einseitige Sichtweise den Gegner 70 Minuten beherrscht zu haben.Die Disziplin hat gerade die Bank in der hektischen Schlussphase nicht vorgelebt.Rivalität ist ja schön und gut,aber was da los war hat schon im Jugendfussball nichts zu suchen.

  2. Gerd1948 says:

    Würdest anders schreiben,wenn du die Jagdszenen gesehen hättest. Ging aber von beiden Seiten aus. Wenig vorbildlich das Ganze. Ganz abgesehen davon,dass man nur einen Blick auf die Tabelle werfen muss,um zu sehen,dass es nicht ums Erreichen der Endrunde ging,die beide klar erreichen,egal wie das Spiel ausgegangen wäre.

  3. Gerd1948 says:

    „Wenn wir über 4,5 oder 6 Wochen reden ?“ Dann geht bestimmt die Welt unter,weil alle ihr Niveau nicht erreichen. Hat der eigentlich sonst keine Sorgen ? Meine Fresse…..
    Sorry,Herr Merten,ich kann mir denken,dass es dieser Tage,Wochen und Monate schwer ist und schwer wird,aber solche Aussagen von Offiziellen machen mich gerade dünnhäutig.

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