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Fitness, Hierarchie, Defensive: Gisdols große Baustellen


Die Entscheidung ist längst gefallen, die Kommunikation soll aber noch bis in die nächste Woche warten: Markus Gisdol wird seinen Vertrag beim 1. FC Köln verlängern. Doch davon unabhängig muss sich der Cheftrainer der Geißböcke mit großen Aufgaben befassen, die auf ihn warten. Denn seine Mannschaft braucht ein neues Gesicht, nicht nur personell. Besonders in fünf Bereichen dürfte Gisdol ansetzen.

Köln – Wenn Markus Gisdol in der nächsten Woche ans Geißbockheim zurückkehrt und die Vorbereitung plant, wird der 50-jährige noch vollständig mit dem alten Kader agieren müssen. Bis auf einige Abgänge wird der FC-Coach die alten Gesichter begrüßen können. Frisches Blut wird erst in den folgenden Wochen hinzustoßen. Das heißt: Der bestehende Kader wird gefordert sein zu beweisen, dass die Negativserie des letzten Saisondrittels nicht dem wahren Leistungsniveau der Mannschaft entspricht. Dafür wird Gisdol vor allem an fünf Punkten ansetzen müssen.

1. Fitness aufbauen

Die Zeit der Ausreden ist vorbei. In den vergangenen Monaten versuchten die Verantwortlichen immer wieder die geringe Laufleistung der FC-Profis mit Ballbesitz und situativem Verhalten zu erklären. Doch Fakt ist: Keine Mannschaft war in der letzten Saison lauffauler. Ein Armutszeugnis für einen Aufsteiger, der vor allem eines liefern sollte in der Bundesliga: Einsatz. Diesen Einsatz muss Gisdol künftig nicht nur einfordern, sondern ab Tag eins der Vorbereitung durch harte Trainingseinheiten erarbeiten lassen. Verantwortlich ist dafür Athletik-Coach Max Weuthen, der in seiner dritten Saison bei den Profis zeigen muss, dass er eine Mannschaft körperlich ans Limit führen kann. Vor allem in einer Spielzeit, die deutlich mehr Englische Wochen und keine Winterpause vorsieht und in die der FC als einer der letzten Klubs mit der Vorbereitung beginnt. Die Herausforderung ist groß, der Rückstand auf die Konkurrenz ebenfalls. Spieler und Trainer müssen in dieser schwierigen Situation den Anspruch haben, dass der FC zu den fittesten Mannschaften der Liga gehört.

2. Hierarchie aufbrechen

Wird sich Gisdol an die bestehenden Hierarchien in der Mannschaft herantrauen? Die „Durch et Füer“-Generation ist umstritten, der Mannschaftsrat (bisher: Hector, Höger, Horn, Kessler, Modeste) benötigt dringend frische Gesichter, um den Umbruch zu signalisieren und alte Machtstrukturen in der Kabine aufzubrechen. Dass letztes Jahr mit Rafael Czichos der einzige Profi der jüngeren Ära aus dem Rat gewählt wurde, sprach Bände. Nun haben sich Spieler wie Czichos oder Sebastiaan Bornauw durch ihre Entwicklungen verantwortungsvolle Rollen verdient. Ebenso brauchen die jungen Spieler eine Stimme, nachdem zuletzt davon zu hören war, dass mancher älterer Profi den aufsteigenden Youngster ihren noch jungen Ruhm neidete. Gisdol ist also intern gefordert die Strukturen zu verändern, Heldt soll dem Vernehmen nach bei den Neuzugängen auch Wert auf Führungsqualitäten legen, um neue Energie von außen dazu zu bringen.

3. Stabilität wiederfinden

Neben der körperlichen Fitness muss die Gisdol-Elf auf dem Rasen wieder zu ihrer defensiven Stabilität zurückfinden. Diese war nach der Corona-Unterbrechung gänzlich abhanden gekommen. 24 Gegentore in neun Spielen im Mai und Juni waren das Zeugnis eines Absteigers, während man in den elf Spielen zuvor nur 15 Gegentreffer kassiert hatte. Die Gründe dafür waren vielfältig: geringere Laufleistung, größere Abstände zwischen den Ketten, individuelle Fehler, aber auch taktische Undiszipliniertheiten, die zu teils hanebüchenen Gegentoren führten. Timo Horn muss sich ebenso wieder stabilisieren wie die Formation vor ihm. Mit 69 Gegentoren stellte der FC die zweitschlechteste Abwehr der Liga und stieg nur aufgrund der zwischenzeitlich so starken Offensive nicht sofort wieder in die Zweite Liga ab. Eine deutlich bessere Defensivleistung wird in der kommenden Saison vonnöten sein, um die Klasse zu halten.

4. Taktische Flexibilität steigern

In der erfolgreichen Phase unter Gisdol gelang es den Geißböcken in einem stabilen 4-2-3-1 mit einfachen fußballerischen Mitteln defensiv stabil zu agieren und überfallartig zu kontern. Kaum eine Mannschaft konnte den FC über 90 Minuten verteidigen, selbst die Bayern bekamen gegen den FC defensiv große Probleme. Doch dann fanden die Gegner den Schlüssel und knackten das Kölner Spiel. Es folgte die Sieglos-Serie, in der die Geißböcke taktisch mitunter hilflos wirkten, weil ihnen ein Plan B zu fehlen schien. Erst als Gisdol am Saisonende mit einer Dreierkette experimentiere, zeigte sich, dass der FC durchaus zu mehr im Stande sein könnte. Diese taktischen Alternativen brauchen aber Training und Vorbereitung. Die Zeit bekommt das Team ab August. Sie muss sie nutzen, um auch während eines Spiels auf gegnerische Veränderungen reagieren zu können. Etwas, das dem FC in der abgelaufenen Saison kaum einmal ohne eine Besprechung in der Halbzeitpause gelang.

5. Standard-Stärke erhalten

Sie waren die große Waffe des 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison: ruhende Bälle. Freistöße und Ecken, ob von rechts oder links – dank Sebastiaan Bornauw, Mark Uth und Co. zählten die Geißböcke zu den besten Teams bei Standards. Eine Stärke, die trainierbar ist, auf die der FC aber auch in Zukunft konsequent setzen muss. Dafür wird es nicht nur regelmäßiges Training bedürfen, Gisdol wird zudem neben Florian Kainz einen neuen Schützen finden müssen, da Uths Rückkehr zum FC als unwahrscheinlich gilt und Louis Schaub aussortiert wurde. Viele Linksschützen hat Köln nicht im Kader. Dass Jonas Hector, obwohl kein Spezialist für ruhende Bälle, in der Vergangenheit diese Rolle übernahm, zeigt, wie wichtig es sein wird einen solchen Spieler zu finden. Der FC wird in der kommenden Saison erneut einfache Tore durch Standards brauchen, will die Mannschaft die Klasse halten. Auf Markus Gisdol und sein Team kommt also viel Arbeit zu.

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